© Lampe/Pfeiffer

Es wäre fatal, anzunehmen, dass für jeden Fall jede Versorgungsform geeignet ist. Insbesondere in der Implantatversorgung gibt es, je nach Anzahl der Implantate, dem Alter des Patienten oder dem Knochenangebot, nicht viele Wege nach Rom, sondern nur den einen richtigen. Um diesen zu finden, gilt es im Vorfeld über eine dezidierte Planung im Team alle Möglichkeiten abzuwägen und den Patientenwünschen entsprechend in eine adäquate Versorgungsform zu übersetzen. Die Autoren dieses Beitrags beschreiben, wie ein Patient, dem aufgrund einer aggressiven Parodontitis alle Zähne gezogen werden mussten, mit implantatgestütztem Zahnersatz angemessen und nachhaltig versorgt wurde.

Stark atrophierte Kieferknochen können zur Aufnahme von Implantaten mit autologen Knochen, Knochenersatzmaterial oder einer Kombination aus beiden Verfahren rekonstruiert werden. Eine ungenügende vertikale Knochenhöhe im Oberkiefer-Seitenzahnbereich kann für eine sichere Verankerung der Implantate mit einer Sinusbodenelevation ausgeglichen werden.

Im vorliegenden Fall wurde das „Schichtprinzip“ als Teil einer Sinusbodenelevation entsprechend dem „biologischen Konzept“ nach Prof. Dr. Fouad Khoury angewendet. Das Ziel dieses Behandlungskonzeptes ist es, eine langzeitstabile Versorgung zu erhalten und den Patienten ästhetisch zu rehabilitieren. Die sechs im Oberkiefer inserierten Implantate wurden hierzu mit einem über Stege fixierten, bedingt abnehmbaren Zahnersatz versorgt. Hierfür ist ein Höchstmaß an Präzision, aber auch eine hohe Materialgüte erforderlich. Daher kam im vorliegenden Fall ein zentral CAD/CAM-gestützt gefräster Steg samt dazugehöriger Sekundärstruktur zum Einsatz.

Falldarstellung und Therapiebeschreibung

Der 43-jährige Patient stellte sich erstmals Anfang 2014 im Zahnarztzentrum Astraturm mit Beschwerden im Unterkiefer links und im Oberkiefer rechts vor. Mehrere lockere Zähne machten ihm das Kauen zunehmend schwerer. Die Allgemeinanamnese war weitestgehend unauffällig, jedoch gab er an, etwa 20 Zigaretten am Tag zu rauchen. Der extraorale Befund zeigte keine Besonderheiten. Intraoral imponierten diverse insuffiziente Füllungen und Kronen sowie Rötungen und Schwellungen der marginalen Gingiva. Alle Zähne zeigten stark erhöhte Sondierungstiefen verbunden mit vehementer Suppuration auf Sondierung. Bei der röntgenologischen Untersuchung wurde ein deutlicher vertikaler und horizontaler Knochenabbau an allen Zähnen sichtbar (Abb. 1 bis 3).

Die Diagnose lautete somit: Schwere, generalisierte Parodontitis mit prothetisch insuffizient versorgtem Lückengebiss.

Als Therapie wurde ein mehrphasiges Vorgehen gewählt. Dieses gliederte sich in folgende Phasen:

  • Am Anfang stand die antiinfektiöse Therapie, gefolgt von einer geschlossenen Parodontitis-Therapie mit adjuvanter Antibiotika-Behandlung.
  • Nach Abschluss dieser Phase wurden alle nicht erhaltungswürdigen Zähne entfernt und durch Interims-Prothesen ersetzt. Im August 2015 erfolgte die externe, beidseitige Sinusbodenelevation, um ausreichend Knochenvolumen für die posterioren Implantate zu schaffen. Mitte November 2015 wurden im Oberkiefer schließlich sechs Implantate gesetzt. Im Februar 2016 wurden die Implantate freigelegt. Die prothetische Behandlung erstreckte sich letztlich von Anfang März bis zur Eingliederung des definitiven Zahnersatzes im Juni 2016.

Fazit

Die optimale Verteilung der Implantate, das dadurch geschaffene Unterstützungspolygon und die primäre Verblockung durch den Steg gewährleisten gerade im Bereich des augmentierten Knochens maximale Stabilität und somit eine gute Langzeitprognose. Die durch den Steg gegebene Friktion und der zusätzliche Halt über die Riegel geben dem Patienten Sicherheit und das Gefühl, festsitzend versorgt zu sein. Gleichzeitig ist die Hygienfähigkeit in keiner Weise eingeschränkt, da sich die Versorgung einfach abnehmen lässt.

Des Weiteren sind bei einer derartigen Versorgung Reparaturen leicht durchzuführen. Festsitzende Arbeiten müssen oft mit sogenannten Putzkanälchen versehen werden, um eine ausreichende Reinigbarkeit zu gewährleisten. Dies kann jedoch zu ästhetischen und phonetischen Problemen führen. Im Gegensatz dazu, sind die Phonetik und Ästhetik durch den bukkalen Schild dieser Arbeit ungestört. Das vorgestellte Therapiekonzept stellt somit eine gute Versorgungsmöglichkeit des zahnlosen Oberkiefers dar (Abb. 56 bis 62).

Dr. Christian Lampe studierte in Göttingen und schloss sein Studium 2005 mit seiner Promotion erfolgreich ab. Über Stationen als Assistenzzahnarzt in Berlin und Hamburg führte ihn sein Weg 2007 an die Asklepios Klinik Nord, wo er seine Weiterbildung zum Fachzahnarzt für Oralchirurgie begann und im Jahr 2010 abschloss. Im Juni 2013 gründete Dr. Christian Lampe mit Kollegen das Zahnarztzentrum Astraturm. Seine Tätigkeitsschwerpunkte liegen im Bereich der Parodontologie und allen Bereichen der Oralchirurgie.

 

Björn Pfeiffer beendete seine Ausbildung 2008 bei Rauschelbach Zahntechnik in Pinneberg bei Hamburg. Im Jahr 2013 absolvierte er schließlich erfolgreich die Meisterprüfung am Elbcampus in Hamburg. Besondere Faszination üben kombinierte Arbeiten auf Björn Pfeiffer aus. Die Gradwanderung zwischen Funktion, Statik, Phonetik und Ästhetik sind seine tägliche Herausforderung und Motivation, um eine bestmögliche Versorgung für die Patienten zu erreichen. Dabei ist die dentale Fotografie ein ständiger Wegbegleiter.

 

Hier können Sie den Fallbericht (dental dialogue 4/2017, S. 56-69) in ganzer Länge downloaden:

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