Kurze Zusammenfassung:

Die häufigste Fehlinterpretation der Diskussion rund um die Abutmenthygiene ist die Annahme, alle Abutments seien als kritische Medizinprodukte einzustufen. Das hat viele Zahnärzte und Zahntechniker verunsichert.

Die Aufbereitung von Abutments muss risikoabgestuft erfolgen. In der semikritischen Anwendung werden sie gereinigt und desinfiziert, in der kritischen Anwendung (Sofortversorgung, Gingivaformer) liefern die Hersteller in der Regel sterile Produkte.

Das Sterilisieren in der Praxis ist kaum möglich und birgt bei größeren Arbeiten enorme Verwechslungsgefahren, die die gesamte Rekonstruktion bedrohen können.

Eine adäquate Reinigung ist aber ein Muss. Am besten legt man das konkrete Prozedere dafür exakt mit seinem Labor fest. Dampfstrahlen allein reicht nicht.

Neben dem Reinigen bietet sich für Klebe- und Hybridabutments das Desinfizieren mit Alkohol als praktische Alternative an. Es gibt für die Bohrschablonen gute Studien, die zeigen, dass man mit 15 Minuten Einlegen in Alkohol praktisch alle Bakterien eliminiert.

Der Zahnarzt sollte das Abutment nach dem Erhalt aus dem Labor in seiner Praxis grundsätzlich erneut reinigen und zur finalen Fixation stets eine neue Arbeitsschraube verwenden.

Die Diskussionsteilnehmer im aktuellen Expertenzirkel sind:

Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas
ist Klinikdirektor der Universitätsklinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie Universitätsklinikum Halle (Saale) und Hygienebeauftragter der DGI.

 

Dr. Martin Gollner
studierte Zahnmedizin in Freiburg und ist seit 2005 niedergelassen in eigener Praxis in Bayreuth. 2009 Gründung einer Gemeinschaftspraxis in Bayreuth.

 

Dr. Mathias Wunsch
ist Präsident der Landeszahnärztekammer Sachsen, Vorsitzender des Ausschusses Praxisführung und Hygiene der Bundeszahnärztekammer (BZÄK). 

 

Christian Rähle
studierte Maschinenbau mit dem Schwerpunkt Medizintechnik in Zürich und ist seit 2012 Mitglied der Geschäftsleitung der CAMLOG Biotechnologie AG in Basel.

 

Prof. Dr. Lutz Jatzwauk
ist Vorsitzender des Deutschen Arbeitskreises für Hygiene in der Zahnmedizin (DAHZ) sowie Leiter des Bereichs Krankenhaushygiene/Umweltschutz an der Universität Dresden.

 

Dr. Karl-Ludwig Ackermann
ist Fachzahnarzt für Oralchirurgie und Spezialist für Parodontologie (EDA) in Filderstadt und Mitglied des DGI- sowie des DGZMK-Vorstandes.

 

 

Lesen Sie den gesamten Expertenzirkel als pdf-Datei
(DENTAL MAGAZIN 06/2017, S. 8-21):

Sie müssen eingeloggt sein, um diesen Inhalt aufrufen zu können.

 

Artikelempfehlungen

  • video

    Abutmenthygiene

    Reinigung implantatprothetischer Bauteile

    Trotz existierender Hygienestandards scheint die Reinigung individueller Abutments und anderer implantatprothetischer Bauteile verbesserungsbedürftig zu sein. Mit einem zwischen Praxis und Labor abgestimmten Arbeitsprotokoll ließe sich das ändern. Wie das funktioniert, erklären Dr. Peter Gehrke und ZTM Carsten Fischer.

  • galerie

    Möglichkeiten und Grenzen der GTR

    Schmelzmatrixproteine in der Praxis

    GTR und GBR versprechen einen echten Wiedergewinn verloren gegangener parodontaler Strukturen mit Neubildung von Wurzelzement, Desmodont und Alveolarknochen. In Kombination mit Schmelzmatrixproteinen sind Attachmentgewinne von bis zu 4 mm möglich, heißt es. PD Dr. Stefan Fickl im Interview mit dem DENTAL MAGAZIN.

Teilen:
mm
Redakteurin Medizin Zahnmedizin im Deutschen Ärzteverlag, Schwerpunkte: Implantologie, Parodontologie, Endodontologie, digitale Zahnheilkunde.