Der Vergleich findet statt bezüglich Weichgewebsparameter (Plaque-Index [PI], Blutung auf Sondierung [BoP], Sonderungstiefe [PD] und krestalem Knochenverlust [CBL]). Eingeschlossen wurden sowohl Raucher als auch Nichtraucher. Insgesamt wurden 31 Patienten, davon 16 Raucher, in der IL-Gruppe und 30 Probanden, davon 17 Raucher, in der DL-Gruppe untersucht. Durch Fragebogen wurden patientenbezogene Daten – wie Alter, Geschlecht, Dauer und Menge an Nikotingenuss – dokumentiert. Klinisch erhob man Parameter bezüglich des periimplantären Weichgewebes: PI, BoP, und PD ≥4mm.

Bestimmung des CBL erfolgte an mesialer und distaler Region der Implantate durch standardisierte digitale Röntgenaufnahmen. Der Mehr-Gruppen-Vergleich erfolgte mittels Bonferroni-post-hoc-Test bei festgelegtem Signifikanzlevel von p<0,05. Alle Implantate ersetzten Prämolaren oder Molaren im Unterkiefer.

Ergebnisse und Konklusion

Die Mittelwerte des PI und der PD waren bei der Gruppe der Rauchenden der DL als auch der IL-Gruppe signifikant erhöht – gleiches wurde auch beim Parameter des CBLs festgestellt. Bei Blutung auf Sondierung hingegen wurden signifikant höhere Werte bei den Nichtrauchern beider Gruppen beobachtet. Unterschiede zwischen den Gruppen der IL und DL zeigten keine der untersuchten Parameter. Daraus schließen die Autoren, dass das Rauchen mit dem Verstärken von periimplantärer Weichgewebsinflammation und Knochenverlust einhergeht. Der Belastungszeitpunkt hingegen zeigte laut Studienleitung keinen Einfluss auf das umliegende Gewebe.

Folgerung für den Praktiker

Der Risikofaktor ‚Rauchen‘ hat sich mit dieser Studie nochmals manifestiert und unterstreicht den allgemeinen Konsens. Weichgewebsinflammation verläuft rapider, Wundheilungsstörungen können auftreten und sind für Therapieentscheidungen besonders zu berücksichtigen. Bei Implantaten – insbesondere zum Ersatz von Zähnen im Seitenzahnbereich – hat sich eine Wartezeit zur Belastung von drei bis sechs Monaten etabliert. Dies dient der Osseointegration und dem Ausbilden einer suffizienten Sekundärstabilität und daraus resultierend einer erfolgreichen und vorhersagbaren prothetischen Versorgung auf Implantatbasis.

Zwar liegt die Erfolgsrate in der vorliegenden Studie bei 100%, jedoch weisen die Autoren selbst bereits auf einige Besonderheiten ihrer Arbeit hin. Einbezogen wurden ausschließlich systemisch gesunde Patienten mit einem jungen Durchschnittsalter von 49.3 Jahren, welche ebenso keine parodontale Vorerkrankung aufzeigten. Aber gerade umfangreiche Implantatversorgungen treffen im großen Rahmen eine andere Patientengruppen – ältere, multimorbide und vorerkrankte Menschen. Diese finden hier keine Berücksichtigung. Des Weiteren erfolgt keine Schweregradeinteilung beim Nikotingenuss, sodass auch hier Variationen zu erwarten sind.

Das alleinige Vertrauen auf die Primärstabilität sofort nach Implantation sollte auch zukünftig nur bedingt in Erwägung gezogen werden. Viele zusätzliche Faktoren sind zu berücksichtigen: die Knochenqualität, die Compliance der Patienten bezüglich Hygienemaßnahmen und Verhaltensweisen nach Implantatsetzung, Ermöglichen von regelmäßigen Recall-Terminen und die Gesundheit des Patienten. Zusätzlich ist eine gute Patientenaufklärung unabdingbar, sodass dieser die Risiken kennt und einschätzen kann.  Wenn alle Faktoren eine sofortige Belastung zulassen und die Zusammenarbeit von Behandler und Patient optimal verläuft, so ist dies eine Möglichkeit dem Patienten eine sofortige Versorgung anzubieten, welche mit kürzeren Behandlungszeiten und ohne ästhetische Einschränkungen einhergeht.

Originalpublikation// Mohammad D. Al Amri, Sergio VarelaKellesarian, Tariq S. Abduljabbar, Mohammad Q. Al Rifaiy, Abdulaziz M. Al Baker, and Abdulaziz A. Al-Kheraif // Comparison of Peri-Implant Soft Tissue Parameters and Crestal Bone Loss Around Immediately Loaded and Delayed Loaded Implants in Smokers and Non-Smokers: 5-Year Follow-Up Results // J Periodontol 88 (1), 3-9. 2016 Sep 02. //

Die komplette Studie finden Sie hier.

Artikelempfehlungen

  • CERASMART Hybridkeramik

    Keramische Hybridmaterialien

    CAD/CAM: Hybridmaterialien auf dem Vormarsch

    Moderne CAD/CAM-Werkstoffe zur Fertigung der finalen Restauration stehen im Fokus der digitalen Zahnheilkunde. Auf dem Vormarsch sind keramische Hybridmaterialien. Wie ist der Status quo?

  • Totalprothetik

    Basisversorgung: Wichtige Grundlage und große Herausforderung

    Auch wenn wir unsere eigenen Zähne zunehmend länger behalten, ist aktuell die Versorgung zahnloser Patienten noch immer zahnmedizinischer Alltag in den Praxen und Kliniken. Hierbei nimmt die Totalprothetik eine entscheidende Rolle ein.

Teilen:
#
Annika Kröger
Annika Kröger hat in Bonn Zahnmedizin studiert und befindet sich derzeit in der Weiterbildung an der Poliklinik für Parodontologie, Zahnerhaltung & Präventive Zahnheilkunde, Universität Bonn. Ihre Promotionsarbeit beschäftigt sich mit dem Mikrobiom periimplantärer Erkrankungen.