Locator- und Stegversorgung
Behandlungsablauf von Implantation, Ausschleifen der Prothese, Abformung bis Fertigstellung einer Prothese der Steg-Gruppe. © Kappel

Insgesamt wurden 46 Patienten mit zahnlosem Unterkiefer wurden mit zwei interforaminär gesetzten Implantaten versorgt. Randomisiert ausgewählt wurden innerhalb von 72 Stunden nach Implantation entweder zwei Locator-Attachments oder ein konfektionierter Dolder-Steg. In allen Fällen wurde eine Metallbasis in die vorhandene Totalprothese eingearbeitet. Anschließend wurden die Implantate sofort belastet.

Ergebnisse und Konklusion

Nach einer Beobachtungszeit von 12 Monaten gingen bei fünf Patienten acht Implantate verloren, davon drei Implantate von zwei Patienten der Locator-Gruppe und fünf Implantate von drei Patienten der Steg-Gruppe. Es lagen Implantatüberlebensraten von 93,5 Prozent in der Locator-Gruppe und 89,1 Prozent in der Steg-Gruppe vor. In der Locator-Gruppe zeigte sich nach 6 Monaten eine deutliche Verbesserung der Mundhygiene-Parameter. Während eines Beobachtungszeitraums von zwölf Monaten traten 26 prothetische Komplikationen und Nachsorgemaßnahmen auf.

Insgesamt gingen durch Implantatverluste fünf Suprakonstruktionen verloren oder mussten erneuert werden, jedoch musste davon keine aus prothetischen Gründen erneuert werden. In der Locator-Gruppe lag die Überlebensrate der ursprünglichen Prothese bei 95,7 Prozent und in der Steg-Gruppe bei 93,5 Prozent. Da die Sofortbelastung von zwei interforaminär gesetzten Implantaten im Unterkiefer mit Locator-Attachments vergleichbare Ergebnisse zu der Versorgung mit Dolder-Stegen liefert, stellt diese eine gute Behandlungsalternative dar. Da nach wie vor die Implantatverlustraten bei Sofortbelastung höher sind, müssen Patienten dahingehend aufgeklärt werden. Die aufgetretenen prothetischen Komplikationen waren einfach zu reparieren und nicht schwerwiegend, was an der eingearbeiteten metallverstärkten Basis liegen könnte.

Folgerung für den Praktiker

Da die Implantatverlustrate bei Sofortbelastung mittels Locator-Attachments ähnlich der bei Dolder-Stegen ist, stellen erstere eine gute Alternative dar. Besonders bei älteren Patienten kann dieses kostengünstigere, einfachere und besser zu reinigende Versorgungskonzept Anwendung finden und stellt somit eine adäquate Alternative zu einer Stegversorgung dar.

Orginalpublikation // Sofortbelastung zweier Implantate im Zahnlosen Unterkiefer mittels Locator-Attachments oder Dolder-Steg: Ein-Jahres-Ergebnisse einer prospektiv randomisierten klinischen Studie // Immediate loading with Locator-attachments or Dolder-bars: one-year results of a RCT // S.Kappel,L.Eberhard,N.N. Giannakopoulos, P.Rammelsberg, C.Eiffler

Quelle: DZZ 03/2015; S. Kappel

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Dr. med. dent. Alexander Müller-Busch
Beschäftigt sich intensiv mit den Neuerungen in den Fachgebieten Parodontologie und Implantologie und ist seit 2016 in einer Gemeinschaftspraxis in Ingolstadt niedergelassen.