Prof. Philipp Kohorst hofft, dass auch in Deutschland zukünftig mehr verschraubt wird. © Martin A. Reinhart

Die Periimplantitis begegnet Implantologen jeden Tag in der Praxis. Im vergangenen Jahr wurde eine neue S3-Leitlinie zur Therapie der entzündlichen Erkrankung des implantatumgebenden Gewebes publiziert. „Es gibt allerdings immer noch sehr viele ungeklärte Fragen. Wie entsteht die Periimplantitis? Welche Faktoren beeinflussen sie?“, sagte Kohorst.

In Studien fänden sich völlig unterschiedliche Angaben zur Prävalenz der Periimplantitis. Die Wahrheit liege laut Kohorst wohl irgendwo dazwischen. Ein systematisches Review, das der Bremer zu Rate zog, weist nach fünf Jahren circa 22 Prozent Periimplantitis auf. Demnach wäre jedes fünfte gesetzte Implantat betroffen.

Periimplantitis: „Multifaktorielles Geschehen“

Der primäre Faktor bei der Entwicklung einer Periimplantitis sei die Besiedlung des Implantats bzw. des umgebenden Gewebes mit Mikroorganismen, also eine bakterielle Infektion wie bei der Parodontitis. Viele Co-Faktoren seien bei diesem multifaktoriellen Geschehen jedoch auch beteiligt. „Zahnärzte können theoretisch dazu beitragen, dass sich eine Periimplantitis entwickelt“, gab Kohorst zu bedenken. Zementreste zum Beispiel, die nach Befestigung der Restauration unentdeckt bleiben, können zu einer Entzündung führen. In diesem Fall spricht man von einer Zement-induzierten Periimplantitis.

In Deutschland würden aktuell nur rund 15 Prozent der Versorgungen verschraubt und 85 Prozent zementiert. In Schweden werden dagegen 80 Prozent verschraubt. Da Studien belegen, dass die Periimplantitis-Prävalenz bei verschraubten Versorgungen wesentlich geringer ist, rät Kohorst zu einem Umdenken.

Zementreste entfernen

Wie kann man verhindern, dass Zementreste zurückbleiben? Kohorst schlug vor, eine Barriere einzusetzen, damit die Materialien nicht in die Tiefe gelangen. Alternativ könne man ein Zementierungsduplikat anfertigen. Es verhindert den Überschuss, der in das Gewebe einfließen kann. Diese Variante sei jedoch mit einem höheren Aufwand verbunden. Als weitere Alternative nannte Kohorst Zinkoxid-Zemente, die im Vergleich zu anderen Zementen eine höhere Löslichkeit aufweisen.

„Kompositmaterial ist nichts anderes als Sondermüll – da löst sich nichts auf.“

Prof. Philipp Kohorst

Verschraubte Restaurationen seien einfacher wieder zu entfernen, Ungenauigkeiten könnten jedoch bei zementierten Restaurationen durch den Zementspalt besser ausgeglichen werden. „Die neuen Technologien holen hier jedoch auf. CAD/CAM zeigt mittlerweile deutlich bessere Passgenauigkeiten als beispielsweise der Guss von Nichtedelmetall-Legierungen“, sagte Kohorst.

Es gebe keine randomisierten, kontrollierten Studien, die die Überlebensraten von zementierten und verschraubten Restaurationen vergleichen. Andere Daten zeigen keine signifikanten Unterschiede pro Zementierung. Große Probleme mit Periimplantitis gebe es vor allem bei festsitzenden Totalrehabilitationen. Kohorst: „Wir sollten uns überlegen, ob wir hier nicht eine bessere Lösung suchen.“

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mm
ist Redakteur beim Deutschen Ärzteverlag und berichtet im Dental Online Channel von zahnmedizinischen Kongressen. Hauptgebiete Wirtschaft und Praxismanagement.