Der Frontzahnbereich stellt eine Herausforderung für eine verschraubte Versorgung dar, es sei denn, es wird ein Abutment mit abgewinkeltem Schraubenzugangskanal (ASC) verwendet. © Dr. Chandur Wadhwani

Es gibt viele Gründe, warum die zementierte Implantatversorgung in den vergangenen Jahren an Popularität gewonnen hat. Zu nennen sind Ästhetik, einfache Anwendung und der gewohnte Umgang mit Zementierungsverfahren. Allerdings berichteten Pauletto, Gapski und andere, dass überschüssiger Zement ein Problem darstelle; später stellte Wilsons Studie einen Zusammenhang zwischen überschüssigem Zement und periimplantären Erkrankungen fest.

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Implantatversorgung

 

„Zementitis“ vermeiden durch abgewinkelte Schraubenkanäle

Abutments mit abgewinkelten Schraubenkanälen ermöglichen es, im anterioren Bereich des Ober- und Unterkiefers auf zementierte Konstruktionen zu verzichten. Die Bildergalerie zeigt anschaulich, worauf es dabei ankommt.
 
 

Erhebungen bei Zahnärzten zu verschiedenen bei der Implantatversorgung verwendeten Zementsorten zeigten Unterschiede in der Materialauswahl, in den Anwendungstechniken und in der verwendeten Menge. Dies deutete auf einen Mangel an Konformität und Verständnis hinsichtlich der Verwendung von Zement innerhalb der Zahnärzteschaft hin. Es wurde deutlich, dass ein besseres Verständnis für die Materialauswahl, das Abutmentdesign und die Bestimmung der Lage des Zementspalts erforderlich sei, um die Zementproblematik zu lösen. Aber selbst trotz größter Vorsicht können überschüssige Zementreste zu Erkrankungen führen, die die Gesundheit des Implantat-Gewebe-Interfaces beeinträchtigen und ein großes Risiko darstellen.

Die Verbindung zwischen überschüssigen Zementresten und periimplantärer Erkrankung machte es erforderlich, Alternativen – wie z. B. die verschraubte Implantatkrone – erneut zu prüfen. Bei vielen Implantatsystemen ist die Verwendung einer verschraubten Implantatversorgung auf solche Bereiche begrenzt, wo der Schraubenzugangskanal in einem ästhetisch „sicheren“ Bereich austritt.

Anteriorer Bereich als Herausforderung

Normalerweise ist der anteriore Bereich des Ober- und Unterkiefers die größte Herausforderung, da die Längsachse des Implantats oft im Bereich der geplanten Inzisalkante oder sogar fazial davon liegt (Abb. 2a). Mitunter, wenn der Chirurg das Implantat in einen nicht idealen Knochen setzt – oder das Implantat ungünstig plaziert ist –, kann die herkömmliche verschraubte Implantatversorgung mehr Herausforderung als Lösung sein (Abb. 2b).

Eine innovative Lösung für das nicht axiale Implantat ist das von Nobel Biocare entwickelte Abutmentsystem Angulated Screw Channel (ASC) (Abb. 3). Mit der Option, den Schraubenkanal um bis zu 25 Grad abzuwinkeln, wird in den meisten Fällen eine Zementierung vermieden. Das ASC bietet eine aktive Synthese von Gesundheit, Ästhetik und hervorragender struktureller und mechanischer Abutmentverbindungsstabilität. Mit der Verwendung des ASC Abutmentsystems wird eine Zementextrusion in das empfind‧liche periimplantäre Weichgewebe eliminiert. Mit ASC gibt es keine Gewebeschädigung mehr durch überpressten Zement und eine daraus resultierende Freisetzung von chemischen Substanzen. Es beseitigt auch das Risiko von Fremdkörpern, die in das Implantatbett hineingedrückt werden, was die Implantatgesundheit gefährden kann (Abb. 4).

Optimal für Biokompatibilität und Gesundheit

Darüber hinaus liefert die Verwendung von Abutmentsuperstrukturen aus Zirkondioxid in Kombination mit einem Titanadapter optimale Materialien für Biokompatibilität und Gesundheit. In hochästhetischen Bereichen ermöglicht das ASC die Neupositionierung des Schraubenzugangskanals in Fällen, in denen dieser sonst auf der Fazial- oder Inzisalkante läge. Es kann in einer Vielzahl unterschiedlicher Abwinkelungen platziert werden. So eignet es sich auch hervorragend bei begrenztem okklusalem Platzangebot in der posterioren Region. CAD/CAM ermöglicht ein effizientes Designen und die schnelle Herstellung der Versorgungen in einer Produktionsstätte von Nobel Biocare (Abb. 5).

Gefrästes Zirkondioxid ist hochästhetisch, somit besonders geeignet für die Verwendung am Übergang zum Weichgewebe. Der Einsatz von CAD/CAM (Abb. 6 a–c) erlaubt eine optimale Planung des Schraubenkanals, und die maschinelle Bearbeitung der Komponenten bietet eine präzise für den Implantat-Abutment-Übergang optimierte Verbindung. Wie bei allen Implantat-Abutment-Verbindungen ist das Ergebnis eine optimale passive Passung, wenn diese Oberflächen in engem Kontakt stehen und die Kräfte gleichmäßig verteilt sind. Angussfähige Abutments bieten nicht immer einen gleichmäßigen Kontakt, da sie oft versehentlich durch Reinigung und Polieren beschädigt werden, wodurch die Passung beeinträchtigt werden kann (Abb. 7). Wenn dies passiert, kann die Verbindung versagen und Schraubenlockerung oder sogar Implantatverlust zur Folge haben.

Verschleiß durch Abrasion kein Thema

Eine Abutmentbasis aus einer Titanlegierung bietet die präziseste Passung durch gut zu kontrollierende Bearbeitungstoleranzen. Z. B. ist Verschleiß durch Abrasion, also die Freisetzung von Titan in das periimplantäre Gewebe aus dem Inneren des Implantats kein Thema. Das Zirkondioxidabutment mit seiner gut konzipierten Wandstärke wird durch die Abutmentschraube gehalten und optimiert die Widerstandsfähigkeit gegen Kräfte, die in der Vergangenheit zu Frakturen bei Abutments ohne Titanbasis geführt haben. Die Vorteile des ASC Abutmentsystems sind vielfältig und spiegeln eine mannigfaltige Symbiose von technischem Erfindergeist und biokompatiblen Materialien wider und erlauben eine Kombination aus guter Ästhetik und ausgezeichneter Gesundheit.

Erstveröffentlichung: DENTAL MAGAZIN 7/2017, S. 34-36.

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Dr. Chandur Wadhwani
studierte Zahnmedizin in London und spezialisierte sich auf Prothetik. Zurzeit lehrt er an der University of Washington School of Dentistry, Abteilung für restaurative Zahnheilkunde. Er hat das erste evidenzbasierte Lehrbuch geschrieben, das der zementierten Implantatversorgung gewidmet ist.