Studie Implantatüberlebensrate

Die Medikamenten-abhängige Osteonekrose der Kiefer (MRONJ) ist eine bekannte Nebenwirkung/Komplikation bei der Therapie mit Bisphosphonaten oder anderen antiresorptiven Medikamenten (u.a. Denosumab, Sunitinib oder Bevacizumab). Parodontal erkrankte Zähne, Prothesendruckstellen oder dentoalveoläre Eingriffe sind oftmals ihr Auslöser. Auch dentale Implantate kommen als möglicher Risikofaktor in Frage, wobei diese im Gegensatz hierzu auch zu einer Senkung der MRONJ-Rate durch Vermeidung des Prothesendrucks führen können.

Es wurden insgesamt 50 Artikel eingeschlossen und detailliert analysiert. Die MRONJ kann sowohl durch Implantate, aber ebenfalls durch schlecht sitzenden Zahnersatz ausgelöst werden.

Ergebnisse der Studie

In den meisten Studien zeigten sich nach Implantation bei Osteoporose-Patienten unter (oral applizierter) antiresorptiver Medikation keine MRONJ. Bei malignen Grunderkrankungen (mit intravenöser Applikationsform der Medikamente) ist jedoch von einer erhöhten Auftretungswahrscheinlichkeit auszugehen. Zahlreiche Studien beschreiben gerade schlecht sitzende Prothesen als Hauptursache für MRONJ. Neben auslösenden Faktoren zeigt gerade die perioperative antimikrobielle Prophylaxe enorme Wertigkeit in der Vermeidung einer MRONJ. Sie bietet einen deutlichen Vorteil in der Verhinderung der MRONJ sowohl bei der Implantation als auch bei der Extraktion.

Fazit für den Praktiker

Eine erfolgreiche dentale Implantation ist bei Patienten mit antiresorptiver Therapie möglich. Unabdingbar ist jedoch eine individuelle Risikobewertung des Patienten, wobei neben der primären Grunderkrankung (benigne/maligne), Applikationsart (oral/intravenös), Dauer und Frequenz der antiresorptiven Therapie die vorliegenden Allgemeinerkrankungen zu berücksichtigen sind. Augmentationen sollten nach Möglichkeit vermieden werden.

In jedem Fall sollte nach o.g. Kriterien die Implantatindikation überprüft werden, da eine Reduktion der Schleimhautbelastung durch Implantate zu einer Vermeidung von Prothesendruckstellen führen kann und somit das individuelle Osteonekroserisiko gesenkt wird. Die prothetische Nutzenbewertung bezüglich des Gewinns von Lebensqualität und der Verbesserung der Kaufunktion durch eine implantologische Versorgung sollte nach den gleichen Kriterien wie beim Gesunden analysiert werden. Im Falle einer Implantation muss in der Patientenaufklärung detailliert auf die mögliche Entwicklung einer Kieferosteonekrose hingewiesen werden.

Originalpublikation // Walter C, Al-Nawas B, Wolff T, Schiegnitz E, Grötz KA. Dental implants in patients treated with antiresorptive medication – a systematic literature review. Dec;2(1):9. Epub 2016 Apr 4. doi: 10.1186/s40729-016-0041-7//

Hier finden Sie die komplette Studie. 

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Dr. Dr. Daniel Schneider
Dr. med. Dr. med. dent. Daniel Schneider ist als Arzt und Zahnarzt in der Abteilung für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie in den Helios Kliniken Schwerin tätig.
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PD Dr. Dr. Peer W. Kämmerer
PD Dr. Dr. Peer W. Kämmerer, MA, FEBOMFS, Oberärztlicher Leiter zahnärztlich-chirurgische Poliklinik und Oberarzt Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie, Universitätsmedizin Rostock, Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Fachzahnarzt für Oralchirurgie, Zusatzbezeichnung: Plastische Chirurgie, Master of Arts Management von Gesundheits- und Sozialeinrichtungen, Fellow of the European Board of Oro-Maxillo-Facial Surgery, Spezielle Schmerztherapie im Kopf-/Hals-Bereich, Tätigkeitsschwerpunkt Implantologie.