Studie Implantatüberlebensrate

Die Strukturen des Alveolarfortsatzes sind zahnabhängig. Nach Zahnextraktion kommt es daher zu einer erheblichen horizontalen und vertikalen Reduktion seiner Dimension mit der Folge einer Atrophie des Kieferkamms. Im anterioren Oberkiefer sind die Umbauprozesse im Bereich der bukkalen Knochenwand besonders ausgeprägt. Bei einer geplanten Implantation kann dies im Hinblick auf das ästhetische Ergebnis von Nachteil sein. Um diese Reduktion der Dimensionen des Kieferkamms zu reduzieren, können Knochenersatzmaterialien in die frischen Extraktionsalveolen eingebracht werden. In dieser Studie sollte der Einfluss von Bio-Oss Kollagen auf die Dimensionen des Kieferkamms nach Zahnextraktion im anterioren Oberkiefer untersucht werden.

Bei 28 Patienten wurden Inzisiven, Eckzähne oder Prämolaren im Oberkiefer aufgrund von kariöser Zerstörung oder Zahnfrakturen schonend extrahiert. Die Patienten wurden zufällig der Testgruppe oder der Kontrollgruppe zugeteilt. In der Testgruppe wurde Bio-Oss Kollagen in die frischen Extraktionsalveolen eingebracht und die Alveole mit einem Weichgewebstransplantat aus dem Gaumen abgedeckt. In der Kontrollgruppe wurden die Extraktionsalveolen nicht behandelt. Eine dreidimensionale radiologische Untersuchung (DVT) wurde direkt nach der Extraktion mit bzw. ohne Extraktionsalveolen-Management und nach vier Monaten durchgeführt. In den DVT’s wurde der Abstand zwischen der Basis des Alveolarfortsatzes und der Höhe des bukkalen bzw. palatinalen Kieferkamms, das äußere Profil des Alveolarfortsatzes und die Querschnittsfläche bestimmt.

Ergebnisse und Konklusion

Nach vier Monaten zeigte sich sowohl in der Kontroll- als auch in der Testgruppe eine deutliche Reduktion insbesondere der bukkalen und zu einem geringeren Anteil auch der palatinalen Kieferkammhöhe. Ein Einbringen von Bio-Oss Kollagen konnte eine Resorption der bukkalen und palatinalen Knochenwände nicht verhindern. Jedoch beobachteten die Studienautoren eine Reduktion der Querschnittsfläche des Kieferkamms von nur 3 Prozent in der Testgruppe verglichen mit 25 Prozent in der Kontrollgruppe. Der Einsatz von Bio-Oss Kollagen konnte also die Schrumpfung des Alveolarfortsatzes in Bezug auf seine Querschnittsfläche verringern.

Folgerung für den Praktiker

Die Ergebnisse dieser Studie deuten darauf hin, dass Extraktionsalveolen-Management mit Bio-Oss Kollagen im anterioren Oberkiefer die Resorption des Kieferkammknochens nach Zahnextraktion im Hinblick auf die Querschnittsfläche des Kieferkamms verringern kann.
Eine vertikale Reduktion der Kieferkammhöhe kann dadurch jedoch nicht verhindert werden.
Es gilt jedoch zu berücksichtigen, dass in dieser Studie lediglich Messungen im DVT durchgeführt wurden. Feine trabekuläre Anteile der Knochenwände einer Extraktionsalveole können im DVT im Gegensatz zum kortikalen Knochen nicht dargestellt werden. Daher ist es dennoch möglich, dass bei Verwendung von Bio-Oss Kollagen die vertikale Reduktion der Kieferkammhöhe verringert werden kann, der Anteil des kortikalen Knochens jedoch abnimmt.

Originalpublikation // Araujo, M. G., J. C. da Silva, A. F. de Mendonca and J. Lindhe (2015). „Ridge alterations following grafting of fresh extraction sockets in man. A randomized clinical trial.“ Clin Oral Implants Res 26(4): 407-412.
 
Die komplette Studie finden Sie hier.

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Alina Winkelmann
Alina Winkelmann ist Zahnärztin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Poliklinik für Parodontologie, Zahnerhaltung und Präventive Zahnheilkunde in Bonn.