„Diese Nähe zum eigenen operativen Vorgehen halte ich für sehr wichtig, weil sich Ihr therapeutisches Vorgehen im Aufbau dieser Aufklärung spiegelt“, betonte Nickenig beim DGI-Sommersymposium in Frankfurt. Ebenso wichtig sei, dass man nicht nur im operativen Vorgehen, sondern schon im Aufklärungsgespräch eine gewisse Routine entstehen lässt.

Beratungsgespräche sollte man im Praxisalltag in seinem Terminkalender als „Block“ implementieren: Die Termine sollten gesammelt zu bestimmten Zeiten stattfinden – und auf keinen Fall zwischen zwei Eingriffen. Zudem empfiehlt Nickenig, immer jemanden vom Assistenzpersonal dabei zu haben: „Eine Zeugenaussage kann vor Gericht von Bedeutung sein.“ Außerdem sollten die Behandler solche Beratungs- und Aufklärungsgespräche trainieren und immer auf dieselbe Art und Weise durchführen. Das OLG Hamm hatte in einem Urteil betont, dass „…von einer ordnungsgemäßen Aufklärung ausgegangen werde, wenn nachweisbar ist, dass das Aufklärungsgespräch nach Art und Inhalt einer ständigen und ausnahmslosen Übung“ entspricht.

Zunächst stehe die Diagnoseaufklärung an, in der die Indikation für Implantate und deren Alternativen aufgeführt werden; dabei sei die Nichtbehandlung durchaus eine Option, die dem Patienten zu erläutern sei, wie Nickenig betont. Bei der Risikoaufklärung seien die naheliegenden Risiken zu benennen und bei der therapeutischen  Aufklärung die Therapieschritte zu beschreiben. Nickenig: „Die finanzielle Situation darf in dieser Phase der Aufklärung keine Rolle spielen.“ Dazu läge auch ein Urteil des LG Stuttgart aus dem Jahr 1994 vor.

Risikoaufklärung

Naheliegende Risiken sind solche, die als Risiken der Behandlung wissenschaftlich nachgewiesen sind. Dazu gehören etwa eine Kieferhöhlenentzündung, eine Nachbarzahnschädigung oder eine „Implantatabstoßung“. Bei einem eindeutigen Wahleingriff wie einer Implantatinsertion gilt, dass bei besonderer Schwere der Nebenwirkung auch über seltene Risiken aufgeklärt werden muss. Und auch ein mögliches Risikogefälle zu alternativen Therapieoptionen sollte Inhalt des Aufklärungsgespräches sein – etwa herausnehmbarer Zahnersatz gegenüber Implantaten bei Freiende mit Nerv-Lateralisation. Hierbei sei nicht die Häufigkeit, sondern die Schwere der Nebenwirkung  entscheidend.

Beispiel Lingualis-Schädigung bei Leitungsanästhesie: Hier muss, so Nickenig, der Behandler über die dauerhafte Schädigung  des Nervus lingualis aufklären, weil eine erhebliche beeinträchtigende Folge droht. Hat der Patient früheren, komplikationslos verlaufenden Anästhesien zugestimmt, kann man zwar daraus eine hypothetische Zustimmung ableiten, aber nur dann, wenn den Vorbehandlungen die erforderliche Risikoaufklärung vorangegangen ist.

Die Verlaufsaufklärung hat ebenso auf die Entwicklung des Krankheitsbildes bei Therapieverzicht hinzuweisen wie auf zu erwartende Änderungen nach der Therapie. Und die Sicherungsaufklärung sollte das Verhalten des Patienten während und nach der Behandlung umfassen (Beispiel: „Was man tun kann, um eine Schwellung zu verhindern.“)

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Bernd Schunk ist als Fachjournalist Leiter der Redaktion Medizin/Zahnmedizin im Deutschen Ärzteverlag.