Rauchen
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Implantatversagen kann in frühes und spätes Implantatversagen eingeteilt werden. Spätes Implantatversagen tritt auf nach okklusaler Belastung des Implantats und wird durch verschiedene Risikofaktoren begünstigt, z.B. durch die mikrobielle Flora, Parafunktionen und weitere lokale und systemische Faktoren. Frühes Implantatversagen tritt auf bis zur Freilegung des Implantats und Befestigung des Abutments und wird verursacht durch Komplikationen bei der Osseointegration.

Verschiedene, noch nicht ausreichend untersuchte, lokale und systemische Faktoren könnten hierbei möglicherweise eine Rolle spielen und die Knochenheilung nach der Implantation beeinflussen.

In dieser Studie wurden Faktoren, die ein frühes Implantatversagen verursachen und damit eine Osseointegration des Implantats verhindern, untersucht. Es wurden 2670 Patienten mit 10.096 Implantaten versorgt und nachuntersucht. Folgende Daten wurden erhoben: Implantatoberfläche, Implantatsystem, Implantatlänge und -durchmesser, Implantatdesign (konisch oder zylindrisch), Einnahme von Antibiotika während und nach der Implantation, Knochenaugmentation, Ursachen der Zahnextraktion, Implantation im Oberkiefer/Unterkiefer, Anzahl der Implantate, anteriore oder posteriore Lokalisation des Implantats, Geschlecht und Alter des Patienten, die Anzahl der Tage bis zum Implantatversagen, die Zeit zwischen Implantatverlust und erneuter Implantation, die Knochenquantität und -qualität nach Lekholm und Zarb (1985) und die Nachuntersuchungszeit. Folgende patientenbezogene Faktoren wurden berücksichtigt: systemische Erkrankungen und Konditionen (Diabetes Typ I und II, Hypertonie, Hypercholesterinämie, Hypothyreose, Asthma, Psoriasis, Chemotherapie, Bestrahlung der Kopf- und Halsregion), Medikamenteneinnahme (Antidepressiva, Immunsuppressiva, Bisphosphonate, Gerinnungshemmer, Hormonersatztherapie, Säureblocker), Rauchen, Schnupftabak und Bruxismus.

Logistische Regressionsmodelle wurden sowohl auf Ebene des Patienten als auch auf Ebene des Implantats verwendet. Auf Patientenebene wurde somit untersucht, ob gesundheitsbezogene Faktoren des Patienten einen Einfluss auf das Implantatversagen haben könnten. Auf Implantatebene wurde der Effekt implantat- und knochenbezogener Faktoren zusätzlich zu den gesundheitsbezogenen Faktoren auf das Implantatversagen untersucht.

Ergebnisse und Konklusion

Bei insgesamt 642 von 10.096 Implantaten (6,36 Prozent) trat im Untersuchungszeitraum ein Implantatversagen auf. Von diesen 642 Implantaten trat bei 176 Implantaten und 139 Patienten ein Implantatversagen bis zum Zeitpunkt der Freilegung des Implantats und Befestigung des Abutments auf (frühes Implantatversagen). Dies entspricht einer Versagensrate von 1,74 Prozent auf Implantatebene und 5,21 Prozent auf Patientenebene.

Eine multivariate binäre logistische Regressionsanalyse ergab auf Patientenebene einen signifikanten Einfluss von Rauchen und der Einnahme von Antidepressiva auf frühes Implantatversagen. Auf Implantatebene ergab sich nur ein signifikanter Einfluss von Rauchen, implantatbezogene Faktoren hatten keinen Einfluss. Die Knochenquantität und -qualität hatten ebenfalls keinen signifikanten Einfluss auf frühes Implantatversagen. Der Einfluss von Bisphosphonaten wurde in der statistischen Auswertung nicht erfasst.

Folgerung für den Praktiker

Rauchen und die Einnahme von Antidepressiva spielen möglicherweise eine Rolle bei der Osseointegration und können zu frühem Implantatversagen führen. Knochenquantität und -qualität zeigten jedoch interessanterweise keinen signifikanten Einfluss.

Da es sich um eine retrospektive Studie handelt und keine Unterscheidung zwischen verschiedenen Klassen von Antidepressiva vorgenommen wurde, sind weitere Studien (prospektiv und mit Differenzierung verschiedener Klassen von Antidepressiva) nötig.

Originalpublikation//Chrcanovic, B.R., et al., Factors Influencing Early Dental Implant Failures. J Dent Res, 2016. 95(9): p. 995-1002. //

Die komplette Studie finden Sie hier.

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Alina Winkelmann
Alina Winkelmann ist Zahnärztin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Poliklinik für Parodontologie, Zahnerhaltung und Präventive Zahnheilkunde in Bonn.