Lateraler Defekt im Frontzahnbereich vor Augmentation © Kämmerer
 

Herr Dr. Kämmerer, was halten Sie zurzeit von präfabrizierten Allografts?
Kämmerer: Ich muss ehrlich sagen, dass ich mit der Technik der präfabrizierten Allografts bisher nur sehr wenig Erfahrungen gesammelt habe. Wir setzen allerdings frequent den allogenen Knochen in kortikaler und in granulärer Form im Rahmen einer modifizierten Schalentechnik zur lateralen und eingeschränkt vertikalen Augmentation ein. Gemeinsam mit Dr. Ingo Buttchereit aus meiner Abteilung haben wir bei einer recht hohen Fallzahl bisher beeindruckende Erfolge erzielt. Bei den größeren vertikalen Augmentationen benutzen wir weiterhin vor allem autologe Transplantate, die wir als Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen schließlich problemlos vom Beckenkamm oder der Calvaria entnehmen können.

Was sind die Hauptindikationen?
Kämmerer: Für uns besteht die Hauptindikation zur Verwendung des allogenen Knochens derzeit vor allem in der lateralen Augmentation von Kieferdefekten. Insbesondere bei Patienten, die Bedenken wegen der Entnahme autologen Knochens haben, schlagen wir das allogene Transplantat als gute Alternative vor.

Biomaterialien als Alternative

 

Eigenknochen passé?

Auch wenn Augmentationen mit autologem Knochen nachweislich zu besten Ergebnissen führen, bevorzugen viele Patienten minimalinvasivere Varianten. Welche Therapieoptionen sich mit Biomaterialien ergeben, diskutierten Experten beim Straumann-Symposium in Berlin.
 
 

Wie genau gehen Sie in Ihrer Klinik vor?
Kämmerer: Wir benutzen meistens eine kortikale Schale, die die laterale und auch vertikale Begrenzung des Defekts darstellt und somit die Grenzen der Augmentation vorgibt. Da wir auch Fälle beobachteten, in denen diese Kortikalis nicht vollständig integriert wurde, findet eine Überaugmentation um die Breite des kortikalen Knochens statt. Nach Befestigung mit mindestens zwei Osteosyntheseschrauben wird der Spalt in der Mitte mit allogenem Granulat aufgefüllt.

Was ist die größte Herausforderung dabei?
Kämmerer: Wie bei allen Augmentationen die spannungsfreie plastische Deckung. Über das Granulat wird eine stabile Kollagenmembran gelegt und diese noch mit einer 3D-Fibrinmatrix aus patienteneigenem Blut abgedeckt, da damit deutliche Vorteile bezüglich der  Weichgewebseinheilung bestehen. Allerdings muss bei der Verwendung von allogenem  Knochen beachtet werden, dass die vollständige Einheilung etwas langsamer stattfindet als bei dem Eigenknochen. Deshalb warten wir generell sechs Monate zwischen der Augmentation und der Implantation ab. Es gibt aber durchaus auch Kollegen, die im Unterkiefer drei Monate und im Oberkiefer sechs Monate abwarten.

Lesen Sie das Interview in voller Länge in der angefügten pdf-Datei
(DENTAL MAGAZIN 07/2017, S. 52-54):

 

PD Dr. Dr. Peer W. Kämmerer, M.A. ist Stellvertretender Klinikdirektor der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie an der Universitätsmedizin Rostock. Zu seinen Schwerpunkten zählen unter anderem die zahnärztliche Lokalanästhesie, die Tumorbiologie und Tumorprävention sowie Biomaterialien. Kämmerer studierte Zahnmedizin in Frankfurt a. M. und in Mainz.

 

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mm
Redakteurin Medizin Zahnmedizin im Deutschen Ärzteverlag, Schwerpunkte: Implantologie, Parodontologie, Endodontologie, digitale Zahnheilkunde.