Risikopatienten sind Patienten mit folgenden Diagnosen:

  • Kiefernekrosen nach Strahlentherapie und IORN oder unter Antiresorptiva (Bisphosphonate (BP) und Denosumab und ONJ)
  • Wundheilungsstörungen durch Angiopathie und –genesehemmung: Patienten mit Diabetes mellitus und unter Antiangiogenetika-Gabe (Bevacizumab und Sunitinib)
  • Infektion und Infektionsausbreitung: Bakteriämie (Endokarditis-Prophylaxe, TEP-Besiedlung) und Immunsuppression (Cortison bis Immunsuppressiva)

Als Implantat-bezogene Risikofaktoren gelten zuvorderst die Keim-induzierte Periimplantitis mit den finalen Konsequenzen des Implantatverlusts und der Nekrose sowie die Bisphosphonat-assoziierte Knochennekrose (ONJ). Eine Leitlinie zur Therapie Bisphosphonat-assoziierter Nekrosen aus dem Jahr 2012 wird bis Ende 2017 überarbeitet. Das Dokument sieht die ONJ-Prophylaxe vor BP-Therapie, die ONJ-Prävention unter und nach BP-Therapie sowie die ONJ-Früherkennung unter und nach BP-Therapie vor – sowie die Diagnostik und Therapie bei manifester ONJ und die Rehabilitation nach ONJ.

Von einem niedrigen Risikoprofil spricht man etwa bei primärer Osteoporose bei oraler BP-Gabe oder i.v.-Gabe einmal jährlich. Als mittleres Risikoprofil gelten etwa die sekundäre Osteoporose oder Tumoren ohne Knochenmetastasen und i.v.-BP-Gabe alle sechs Monate. Das hohe Risikoprofil ist gekennzeichnet durch Krankheitsbilder wie das Multiple Myelom oder Tumoren mit Knochenmetastasen und eine i.v. BP-Gabe alle vier Wochen.

Zur Risikostratifizierung mit Blick auf die Grunderkrankung und die therapeutischen Faktoren  wird der DGI-Laufzettel Risiko-Evaluation“  empfohlen. Dabei ist eine gründliche präoperative Diagnostik samt radiologischer und laborchemischer Untersuchung zu berücksichtigen, die Frage der strategischen Pfeilervermehrung wie bei gesunden Patienten und unter dem Aspekt eines Zugewinns an Lebensqualität und Verbesserung der Kaufunktion zu behandeln und die kurzfristige Implantatprognose genau wie bei Patienten ohne Gabe von Antiresorptiva zu ermitteln. Zu beachten ist allerdings, dass Kieferkammaugmentationen im Rahmen einer implantologischen Versorgung vermieden werden sollten.

Keine Empfehlung gibt es in der Leitlinie zur sub- oder transgingivalen Einheilung. Durch die verringerte Knochenumbau- und Neubildungsrate sollte eine verlängerte Einheilzeit in Betracht gezogen werden. Perioperativ ist an eine systemisch Antibiotika-Prophylaxe zu denken. Und: Diese Patienten sollten in eine risikoadaptierte Nachsorge aufgenommen werden. 

 

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Bernd Schunk ist als Fachjournalist Leiter der Redaktion Medizin/Zahnmedizin im Deutschen Ärzteverlag.