Und dabei geht es zunächst nicht zuvorderst um Keramik, Krone oder Brücke – also „nur“ um die Zähne. Es gehe eben auch um den Menschen mit seinem Körper und seiner Psyche: „Nehmen Sie den Patienten wahr“, lautet Pospiechs Rat zum Einstieg in die Behandlung. Patienten-Betreuung in der Prothetik sei essentiell.
Das bedeutet: Der Patient muss verstehen, dass die vollständige Versorgung seines Lückengebisses bis zu zwei Jahre dauern kann. „Und beim Patientengespräch – also vor der Erstellung eines Gesamtkonzeptes für die vorläufige prothetische Planung – sollte der Patient erfahren, dass eine Teleskopversorgung auch ein guter, funktionierender Knochenersatz ist.“

Die verantwortliche prothetische Therapie hat – nach einer eventuell notwendigen Schmerz- oder Notbehandlung – einen klaren Ablauf:
Zunächst erfolgen das Patientengespräch, die Anamnese, die Befundaufnahme und die Diagnose mit der daraus folgenden vorläufigen prothetischen Planung.
Dann folgen Vorbehandlung, Reevaluation mit Entschlussfassung und definitiver prothetischer Planung.
Und schließlich findet die prothetische Therapie mit der folgenden Erhaltungsphase statt.

Für die Aufklärung sei wichtig, die vier unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade chirurgischer Maßnahmen in Abhängigkeit von der prothetischen Versorgung zu verdeutlichen:
Stufe 1: Abnehmbare Versorgung: MGP-, Steg- oder Teleskop-Versorgung
Stufe 2: Fest, posterior: Einzelzahn, Brücke
Stufe 3: Fest, anterior: Brücke mit künstlicher Gingiva
Stufe 4: Fest, anterior: Einzelzahn, Brücke mit echter Gingiva

Beispiel kombiniert festsitzend-herausnehmbarer Zahnersatz beim Lückengebiss: Hier gelte es, die Vorteile (Aufbau Molarenstützzone, verbesserte Kaueffektivität, Prävention von Elongationen und CMD) gegen mögliche unerwünschte Nebenwirkungen (erhöhtes Kariesrisiko, Vitalitätsverlust, Induktion von Parodontopathien und prothesenbedingte Stomatitiden) abzuwägen. Entscheidungskriterien hierfür sind der Gesundheitsgewinn (physisch) und der Gewinn an Lebensqualität – und zwar im psychischen Empfinden des Patienten. Um das Patientenanliegen herauszufinden, hilft eine Skalierung von +3 (evident), +2 (wahrscheinlich), +1 (fraglich), 0 (kein Effekt) bis -1 (schädlich).

Die Befundung kategorisiert die Zahnsituationen in

  • „hoffnungslos“ = nicht möglich oder großer Aufwand ohne strategische Bedeutung,
  • „zweifelhaft“ = erhaltungswürdig unter großem Aufwand, aber strategisch wichtig und
  • „sicher“ = guter dentaler und parodontaler Zustand, gut erhaltungsfähig.

„Aber“, so Pospiech, „es gibt keine feststehenden Regeln für die Wertung einzelner Zähne. Nicht zuletzt spielt die Erfahrung des Behandlers eine wesentliche Rolle.“ Dazu müssen das biologische Fundament des Zahns, die persönliche Mundhygienefähigkeit des Patienten und die Praxisbetreuung berücksichtigt werden.

Zum Abschluss appellierte Pospiech an die Teilnehmer: „Dokumentation ist wichtig! Machen Sie für sich einen Standard.“ Und: „Dokumentieren Sie auch, wo Zahnersatz herkommt. Wenn es über den Schwebetisch geht, wird es ein Medizinprodukt.“

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Bernd Schunk ist als Fachjournalist Leiter der Redaktion Medizin/Zahnmedizin im Deutschen Ärzteverlag.