V. r.: ZTM Kathrin Blaschke erhielt den Implantatprothetikpreis. Dr. Dr. Keyvan Sagheb, hatte die beste Fallpräsentation, Dr. Helmut Steveling, Gernsbach, das beste Poster. Dr. Frank Zastrow, Wiesloch, moderierte die Preisverleihung. Dr. Alexander Vuck wurde für sein Video ausgezeichnet, PD Dr. Daniel S. Thoma, Zürich, für seine Publikation. © Dentsply Sirona

Es sei nicht in erster Linie die Technologie, die für Disruptionen in allen Bereichen sorge, sondern eine völlig andere Herangehensweise, begann Gastredner Rudi Klausnitzer aus Wien seinen Vortrag „Digitale Exzellenz – 7 Parameter des Denkens der neuen Eliten“. Alte  Unternehmenshierarchien seien überholt, „Daten sind das Öl der nächsten Jahrzehnte – so wichtig wie Rohstoffe, Arbeit und Kapital“. Entscheidungen, die auf Datenanalysen beruhten, überträfen die auf traditioneller Expertenbasis zustande gekommenen bei Weitem, betonte der Kommunikationstheoretiker und Autor des Buchs „Das Ende des Zufalls – Wie Big Data uns und unser Leben vorhersagbar macht“. Wie die neue Elite tickt, beschrieb Kausnitzer mit folgenden Parametern:

  • „Only the Best“ – Power des richtigen Teams
  • „Customer first“ – Kunden-Obsession als Fundament des Erfolgs
  • „Datability“ – die Macht der Daten nutzen
  • „Create Change“ – digitale Transformation als permanente Veränderung
  • „Speed matters“ – die Geschwindigkeit bestimmt den Markt
  • „Simple, fugal and focussed“ – die Kraft der Einfachheit, Bescheidenheit und des Fokussierens

Was bedeutet all das für den Health-Care-Sektor und letztlich für die Zahnmedizin? Werden ärztliche und zahnärztliche Diagnosen künftig von Algorithmen getroffen? Übernehmen Roboter die Anamnese, die PZR, die Extraktion von Zähnen? Was bescheren selbstlernende Algorithmen dem Fach? Zu diesem Thema entfachte sich eine rege Diskussion. Denn in so mancher medizinischen Disziplin rangiert die Computerbefundung bereits heute vor der ärztlichen, wie PEERS-Präsident Prof. Dr. Dr. Stefan Haßfeld anmerkte. Als Beispiel nannte er die Bilderkennung bei der Brustkrebsdiagnostik. Klausnitzer geht aber nicht davon aus, dass Maschinen Ärzte ersetzen könnten. Umfragen zeigten, dass Patienten die persönliche Beziehung zum Arzt nicht missen wollten.

Bildergalerie zur Veranstaltung

 

Impressionen vom 8. PEERS-Jahrestreffen in Berlin

Biofilmbekämpfung, allogene Knochenblöcke und „Big Data“ waren nur einige der Themen, die beim PEERS-Jahrestreffen in Berlin im Fokus standen. Rund 140 Teilnehmer waren Ende September dabei. In der Bildergalerie sehen Sie Impressionen zur Veranstaltung.
 
 

Das Innovationsforum am zweiten Tag des PEERS-Jahreskongresses startete mit aktuellen Ergebnissen biomechanischer und klinischer Studien zu „Shorties und Minis“. Je nach Material, besonders bei Titan Grad 4, bestehe die Gefahr, dass Dehngrenzen überschritten werden, wie der Physiker Prof. Dr. rer. nat. Christoph Bourauel, Bonn, nachgewiesen hat. In kritischen Situationen empfiehlt er daher, mehrere Implantate zu setzen, um so Knochenüberlastung mit anschließender Bruchgefahr vorzubeugen. Vor der Variante „kurz und dünn“ warnte er eindringlich; von Minis als Einzelzahnersatz rät er komplett ab. Bei kurzen Implantaten wies er auf die Notwendigkeit eines Kronen-Implantat-Verhältnisses von 2:1 hin. Als Faustregel für den Umgang mit Minis und Shorties gelte: Je geringer das Volumen des Implantats ist, desto größer sind alle Belastungsparameter. ZTM Vincent Fehmer aus Genf lieferte eine praxisnahe Hilfestellung zur Materialauswahl. Für gefräste Brückengerüste sei weiterhin Zirkoniumdioxid das Material der Wahl, im ästhetischen Bereich brauche es jedoch weiterhin Verblendungen, betonte er.

Prof. Dr. Florian Beuer, Berlin, hielt ein Plädoyer für die Einzelzahnrestauration mit Implantaten in zwei Sitzungen nach dem Vorbild des Münchner Implantatkonzepts. Bei der Wiedereröffnung des Implantats könne die definitive Restauration direkt eingegliedert und die Weichteile um die Krone könnten vernäht werden. Die Vorteile: einfache Ausformung eines naturgetreuen Emergenzprofils sowie Zeit- und Kostenreduktion. Aufgrund des optischen Scans erübrigten sich zudem okklusale Korrekturen.

Phagen gegen Biofilm

Dem Thema „Biofilm auf Zahnimplantaten“ widmete sich PD Dr. Andrej Trampuz, Berlin. Bereits drei Stunden nach der Implantation bilde sich Biofilm, nach 24 Stunden eine Matrix. Das bekomme man mit der Gabe lokaler und systemischer Antibiotika nur schwer in den Griff. Der Facharzt für Infektionskrankheiten mit dem Schwerpunkt Knochengelenk- und Implantatinfektionen hat beste Erfahrungen bei der Bekämpfung des Biofilms mit Bakteriophagen, appliziert in Form von Gel. Gewonnen habe man sie patientenindividuell aus dem Speichel. In Deutschland befindet sich die Phagentherapie, entwickelt und angewandt in Ländern der ehemaligen Sowjetunion, in einem experimentellen Stadium, wie Trampuz betonte. Doch mit Blick auf die Resistenzbildung nach Antibiotikagaben geht er davon aus, dass sie sich durchaus etablieren könnte.

Prof. Dr. Ralf Kohal, Freiburg, nahm Zirkonimplantate unter die Lupe. Auch wenn langfristige Daten noch fehlten, hält er die derzeitige Studienlage für durchaus vielversprechend. Immerhin: Die Höhe des Knochenabbaus um Keramikimplantate ist nicht von dem um Titanimplantate zu unterscheiden. Probleme gebe es teilweise bei den zweiteiligen Varianten mit dem Retentionssystem (Zementierung/Schrauben).

Allogen versus autolog

Weiter ging es mit dem Thema Augmentation. Während Dr. Elmar Esser, Osnabrück, sich als Fan allogener Materialien outete, mahnte Prof. Dr. Katja Nelson, Freiburg, eindringlich zur Vorsicht.

Als besondere Herausforderung gelten vertikale Kieferkammrekonstruktionen. Dass dies mit autologen Knochenblöcken gelingt, zeigte PD Dr. Christian Mertens, Heidelberg. Die bevorzugte Donorstelle sei der Kieferwinkelbereich, bei ausgeprägten Defekten müsse jedoch mit Knochen aus extraoralen Entnahmestellen rekonstruiert werden. Die Implantatüberlebensraten seien damit zwar identisch, die Knochenstabilität sei jedoch schlechter. Das scheint beim Einsatz allogener Knochenringe nicht der Fall zu sein, wie Dr. Bernhard Giesenhagen, Kassel, darstellte. Der Erfinder der „Knochenringtechnik“ präsentierte autologe und allogene Knochenringe vier Jahre nach Belastung.

PEERS-Förderpreis

PEERS-Präsident Haßfeld führte zusammen mit PD Dr. Dietmar Weng durch den Kongress. Im Zuge der Abendveranstaltung wurden in Berlin auch die PEERS-Förderpreise verliehen. Den Implantatprothetikpreis erhielt ZTM Kathrin Blaschke, Berlin. Ausgezeichnet wurde zudem die Fallpräsentation „Augmentation einer komplexen Defektsituation in der Oberkieferfront mit ReOss und Astra Profile EV“ von Dr. Dr. Keyvan Sagheb, Mainz. Der Preis in der Kategorie Wissenschaftliches Poster ging an Dr. Helmut G. Steveling, Gernsbach, für seine Langzeituntersuchung „5 years of clinical experience with a monolithic zirconia abutment“. PD Dr. Daniel S. Thoma aus der KBTM der Uniklinik Zürich wurde für seine Publikation „Effect of ridge preservation for early implant placement – is there a need to remove the biomaterial?“ in dieser Kategorie ausgezeichnet. Der nun im zweiten Jahr ausgelobte Preis in der Kategorie Video ging an Dr. Alexander Vuck aus der Prothetik der Uniklinik Düsseldorf für seine Arbeit „Digitale Revolution: Implantatprothetik“.

Erstveröffentlichung: DENTAL MAGAZIN 07/2017, S. 38-40

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Stefanie Hanke ist Redakteurin und veröffentlicht regelmäßig Beiträge im Dental Online Channel.