Herr Dr. Riedl, Sie haben für Ihre Masterarbeit 320 hochkarätige Behandler danach befragt, in welchem Umfang sie ihre Patienten im Hinblick auf implantologische Spätkomplikationen aufklären. Wie sind Sie auf das Thema gekommen?
Riedl: Die Idee entstand bei einer DVT-Fortbildungsveranstaltung von Prof. Dr. Jürgen Becker. Es kam zu einer Diskussion über das Patientenrechtegesetz, und Prof. Becker hob hervor, dass in der Implantologie chirurgisch wirklich über alles aufgeklärt werde, doch es gebe auch technische Komplikationen. Das fand ich so spannend, dass ich meine Masterarbeit, betreut von Prof. Becker, diesem Thema gewidmet habe. Natürlich kannte ich die Komplikationen in meiner Praxis. Aber ich wollte nun wissen, wie die Kollegen Spätkomplikationen einstufen und in welchem Umfang sie darüber aufklären.

Was sind die wesentlichen Ergebnisse?
Riedl: Die Befragten widmen sich dem rechtlich notwendigen Thema der Aufklärung und Einwilligung sehr intensiv. Sie klären umfassend über biologische Komplikationen wie Periimplantitis und Mukositis auf, selbst über den möglichen Implantatverlust. Doch technische Komplikationen werden hinsichtlich ihrer Inzidenz meist unterschätzt.

Wie kommt das? Mangelt es an Wissen darüber?
Riedl: Nicht immer und überall, aber oft – und da nehme ich mich nicht aus. Wir kennen selbstverständlich mögliche Spätkomplikationen. Wer hat nicht schon eine Krone eingesetzt und nach vier Jahren ist eine Ecke abgebrochen? Doch die Kenntnis um die Inzidenzen ist sehr unterschiedlich, wie die Befragung zeigt, und der Informationsbedarf bei implantologisch tätigen Kollegen steigt natürlich genauso wie die Zahl gesetzter Implantate.

Lesen Sie das Interview in ganzer Länge in der beigefügten pdf-Datei
(DENTAL MAGAZIN 06/2017, S. 50-55):

Dr. Marcus Riedl (M.Sc.)
studierte Zahnmedizin in Erlangen und ist seit 2005 niedergelassen in Stein bei Nürnberg. Er implantiert seit mehr als 13 Jahren und hat sich intensiv mit den technischen Spätkomplikationen auseinandergesetzt.
dr.riedl@dr-marcus-riedl.de

 

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mm
Redakteurin Medizin Zahnmedizin im Deutschen Ärzteverlag, Schwerpunkte: Implantologie, Parodontologie, Endodontologie, digitale Zahnheilkunde.