Dem Kassenpatienten entstehen dabei in der Regel Kosten zwischen 173 und 266 Euro. Die Kosten beinhalten neben der DVT-Aufnahme auch die computergesteuerte Analyse und 3D-Rekonstruktion. Laut UV-GOÄ ist dabei auf der Rechnung „die zu erwartende therapieentscheidende Mehrinformation gegenüber der konventionellen Bildgebung“ anzugeben, fügt Schneider an.

„Bei Kindern“, so heißt es in der Vorgabe weiter, „sind die klinischen Befunde, aus denen die rechtfertigende Indikation resultiert, und eine Begründung, warum strahlungsfreie Untersuchungsmethoden nicht angewendet werden können, anzugeben.“ Und: Bei Kindern ist ein DVT in der Regel nur einmal pro Behandlungsfall abrechenbar.

Begründung der medizinischen Notwendigkeit

Im Ablehnungsfall argumentieren die Kassen häufig wie folgt: „Es handelt sich weder um Aufwendungen für eine medizinisch notwendige Heilbehandlung noch um eine sonst vereinbarte Leistung ($ 1 Musterbedingungen – MB/KK).“

Problem Nummer eins bei der Abrechnung ist also die Begründung der medizinischen Notwendigkeit einer DVT-Aufnahme. Notwendig ist die Aufnahme, wenn „es nach objektiven medizinischen Befunden und wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Zeitpunkt der Behandlung vertretbar ist“. Schneider: „Wenn Sie das so einschätzen, dann muss die PKV im Gegenzug erst einmal beweisen, dass das medizinisch notwendige Maß überschritten wurde.“

Problem Nummer zwei: die Auswahl der richtigen Abrechnungsziffer. In Betracht kommt die Ziffer 5370 GOÄ. Offen ist, ob diese Ziffer unmittelbar oder analog heranzuziehen ist. Und hierzu herrscht Unklarheit: Während die Bundeszahnärztekammer als Empfehlung „nicht analog“ angibt (4. August 2011), sagt die Bundesärztekammer „analog“ (Dt. Ärzteblatt 2012, S. 109).

Problem Nummer drei ist die Frage, welcher Steigerungsfaktor angewendet werden kann.  Während die PKV den 1,0-fachen Gebührensatz mit der (falschen) Begründung für ausreichend erklärt, dass die Anschaffungskosten für ein DVT deutlich geringer seien als für ein CT (Schneider: „Das Problem ist nur bei analoger Abrechnung relevant.“), betont Schneider, es liege im Ermessen des Zahnarztes, den Steigerungssatz zu bestimmen. Schneider: „Der Patient hat keinen Anspruch auf den 1,0-fachen Satz.“

Problem Nummer vier: Welche fachlichen Anforderungen gibt es für die Abrechnung? Das DVT kann nur von Fachkundigen abgerechnet werden. Dabei ist zu beachten, dass die Zuschlagsziffer 5377 GOÄ nur mit der Hauptleistung Ziffer 5370 GOÄ erlaubt sei. Bei einer Überweisung sei zu beachten, dass eine Splittung der Leistungen nicht gestattet ist. Zu berücksichtigen ist außerdem, dass ein Zahnarzt mit Fachkundenachweis, aber ohne DVT-Gerät keine Gebühr erheben darf, da die Befundung zwingender Bestandteil der Röntgenuntersuchung ist. Schneider: „Das können Sie aber durch eine Apparategemeinschaft lösen.“

Und nicht zuletzt ist zu beachten, dass Zahnärzte bei der Auswertung der Bilder alle Auffälligkeiten auf den Aufnahmen beachten müssen – also auch solche, die über ihre eigene Disziplin hinausgehen. Dies hatte der BGH in einem Leitsatzurteil entschieden (zm, 22A, 16.11.2011, (3222).

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Bernd Schunk ist als Fachjournalist Leiter der Redaktion Medizin/Zahnmedizin im Deutschen Ärzteverlag.