Studie Implantatüberlebensrate

Gingivale Rezessionen sind weit verbreitet und können verschiedene Ursachen haben (Putztrauma, kieferorthopädische Behandlung, Parodontalerkrankungen). Die chirurgische Deckung gingivaler Rezessionen ist inzwischen gut untersucht. Dagegen liegen nur sehr wenige Daten vor in Bezug auf die Prävalenz von Rezessionen an Implantaten, auch bezüglich der verschiedenen Therapieoptionen und der Langzeitergebnisse. Dieses Review soll einen Überblick geben über die aktuelle Literatur zu diesem Thema.

Ergebnisse und Konklusion

Periimplantäres Weichgewebe weist einige Besonderheiten auf im Vergleich mit zahnumgebendem Gewebe. So verlaufen die Bindegewebsfasern parallel zum Implantat und inserieren nicht in das Implantat. Außerdem befinden sich im Bindegewebe um Implantate weniger Fibroblasten und mehr Kollagenfasern. Das Saumepithel ist länger, enthält weniger Blutgefäße und weist eine höhere Permeabilität auf. Eine Keratinisierung der periimplantären Mukosa hat nicht immer eine Befestigung am Knochen zur Folge.

Die Bedeutung keratinisierter Mukosa für eine langfristige Stabilität gesunder periimplantärer Gewebe wird kontrovers disuktiert. Einige aktuellere Studien vermuten einen Zusammenhang zwischen einer inadäquaten Breite keratiniserter Mukosa und der Entstehung einer periimplantären Entzündung und möglicherweise Rezessionen aufgrund einer erschwerten Hygienefähigkeit. Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Breite der keratinisierten Mukosa und der Entstehung einer Periimplantitis konnte jedoch nicht gezeigt werden. Nichtsdestotrotz ist die Entstehung einer Rezession am Implantat häufig mit ästhetischen Einbußen für den Patienten vergesellschaftet. Die Entstehung einer Rezession an Implantaten hängt von verschiedenen Faktoren ab wie z.B. dem gingivalen Biotyp, der Breite der keratinisierten Mukosa, der Dicke und Höhe der bukkalen Knochenlamelle, der orofazialen Position des Implantats und von der prothetischen Versorgung des Implantats.

Bezüglich der chirurgischen Behandlung von Rezessionen an Implantaten liegen aktuell nur sehr wenige Daten vor. Diese Daten beschränken sich auf die Therapie von flachen Rezessionen von bis zu 2mm. Eine erfolgreiche Deckung von flachen Rezessionen kann mit einem koronal verschobenen Lappen in Kombination mit einem subepithelialen Bindegewebstransplantat erreicht werden. Andere Therapieoptionen (koronal verschobener Lappen ohne Transplantat, xenogene Kollagenmatrix anstatt eines Bindegewebstransplantats etc.) zeigten im Vergleich tendenziell schlechtere Ergebnisse.

Folgerung für den Praktiker

Auf Grundlage der aktuellen Datenlage ist die Methode der Wahl zur Rezessionsdeckung an Implantaten ein koronaler Verschiebelappen im Kombination mit einem subepithelialen Bindegewebstransplantat. Aufgrund der vorhandenen Datenlage kann nur eine Empfehlung zur Rezessionsdeckung flacher Rezessionen von bis zu 2mm gegeben werden. Zur erfolgreichen Deckung tiefer Rezessionen von über 2mm liegen momentan noch keine Daten vor.

Originalpublikation// Sculean, A., V. Chappuis, and R. Cosgarea, Coverage of mucosal recessions at dental implants. Periodontol 2000, 2017. 73(1): p. 134-140. //

Die komplette Studie finden Sie hier.

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Alina Winkelmann
Alina Winkelmann ist Zahnärztin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Poliklinik für Parodontologie, Zahnerhaltung und Präventive Zahnheilkunde in Bonn.