PD Dr. Amelie Bäumer-König (links, Bielefeld) und PD Dr. Barbara Noack (Dresden) referierten gemeinsam über aggressive Parodontitis © Stefanie Hanke

Nach der Begrüßung durch die Kongresspräsidenten Prof. Dr. Dr. h.c. Holger Jentsch und Prof. Dr. Dr. h.c. Thomas Hoffmann sowie den Grußworten von Dr. Matthias Rößler, dem Präsidenten des Sächsischen Landtags, begann am Vormittag das wissenschaftliche Hauptprogramm der Tagung. In ihrem gemeinsamen Eröffnungsvortrag stellten PD Dr. Barbara Noack (Dresden) und PD Dr. Amelie Bäumer-König (Bielefeld) die chronische Parodontitis und die lokalisierte bzw. generalisierte aggressive Parodontitis einander gegenüber.

Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden parodontalen Erkrankungen sei, dass die Gewebedestruktion bei der aggressiven Parodontitis deutlich schneller voranschreite als bei der chronischen Parodontitis, erklärte Noack. Die lokale aggressive Parodontitis trete nach einer Definition von 1999 in der Regel an den Inzisivi und den Molaren auf – von der generalisierten aggressiven Parodontitis seien außerdem mindestens drei weitere Zähne betroffen. Außerdem seien von der aggressiven Form häufig jüngere Patienten betroffen: Die Krankheit breche bereits im Alter von weniger als 25 Jahren aus, auch bei Kindern und Jugendlichen. Es sei darüber hinaus auffällig, dass die aggressive Parodontitis häufig bei mehreren Familienmitgliedern auftrete. Die Patienten seien mit Ausnahme der Parodontitis meistens gesund; eine auffällige Verbindung zu systemischen Erkrankungen gebe es in der Regel nicht.

Aggressive Parodontitis – wie behandeln?

Bäumer-König legte den Schwerpunkt ihres Vortrags auf die Therapie der aggressiven Parodontitis. Entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung sei eine möglichst frühe Diagnose, sagte sie. Wenn man rechtzeitig mit der Therapie beginne, lasse sich die Erkrankung gut behandeln. Dabei funktioniere die Therapie grundsätzlich nicht anders als bei der chronischen Parodontitis. Bisher sei zu diesem Thema aber noch wenig wissenschaftliche Literatur erschienen – hier gebe es noch einen großen Forschungsbedarf.

Die langfristige Prognose für die Patienten sei aber durchaus ermutigend: Die 10-Jahres-Überlebensrate der betroffenen Zähne liege bei 94,8 Prozent. Risikopatienten seien vor allem Raucher, aber auch ältere Patienten und Menschen mit einem niedrigen Ausbildungsstand.

Im Audio-Interview mit Stefanie Hanke erklärten Noack und Bäumer-König, welche Rolle die Vererbung bei der aggressiven Parodontitis spielt und von welchen Faktoren der Behandlungserfolg abhängt.

PD Dr. Barbara Noack und PD Dr. Amelie Bäumer-König im Interview:

Artikelempfehlungen

  • video

    Tagungspräsident Prof. Jentsch zieht Bilanz

    DG PARO: Knapp 1.000 Teilnehmer waren in Dresden

    Von Donnerstag bis Samstag hat in Dresden die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO) stattgefunden. Knapp 1.000 Teilnehmer waren mit dabei. Im Videointerview zieht Tagungspräsident Prof. Dr. Dr. Holger Jentsch (Leipzig) eine erste Bilanz.

  • podcast

    Save the date: DG PARO Jahrestagung in Dresden

    „Parodontologie im zahnärztlichen Behandlungskonzept“

    Vom 21. bis 23. September 2017 lädt die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO) zu ihrer Jahrestagung nach Dresden ein. Mit dabei sind renommierte Experten aus dem In- und Ausland. Im Interview erklärt Tagungspräsident Prof. Dr. Dr. h.c. Holger Jentsch, worauf sich die Teilnehmer freuen können.

Teilen:
mm
Stefanie Hanke ist Redakteurin und veröffentlicht regelmäßig Beiträge im Dental Online Channel.