Prof. Dr. Dr. Søren Jepsen (Bonn) auf der DG PARO Jahrestagung in Dresden
Prof. Dr. Dr. Søren Jepsen (Bonn) auf der DG PARO Jahrestagung in Dresden © Stefanie Hanke

Gingivitis und Parodontitis seien die häufigsten Erkrankungen der Menschheit, sagte Jepsen zu Beginn seines Vortrags. Rund 10-12 Prozent der Menschen weltweit seien von schwerer Parodontitis betroffen – allein in Deutschland gebe es etwa 10 Millionen Patienten.

Demographischer Wandel führt zu mehr Parodontitis-Fällen

Ein Faktor, der den parodontalen Behandlungsbedarf steigen lasse, sei dabei der demographische Wandel: Zunehmendes Alter gehe einher mit einer erhöhten Prävalenz und einem erhöhtem Schweregrad bei den Parodontitis-Fällen, sagte Jepsen in seinem Vortrag. Dabei könne das Alter an sich zu parodontalem Knochenverlust führen – das sei aber klinisch nicht wirklich signifikant. Als einen Versuch, den Zusammenhang zwischen Alter und Parodontitis-Risiko zu erklären, stellte Jepsen die „cumulative effect“-Hypothese vor. Danach führe das Zusammenspiel von Altern und Entzündungen im Mund zu einem akkumulierten Gewebeschaden und löse so Parodontitis aus.

Namhafte Parodontologen rufen zum Handeln auf

 

Parodontitis weltweit bekämpfen!

Schwere Parodontitis ist weltweit eine der am weitesten verbreiteten Krankheiten überhaupt: Insgesamt sind etwa 743 Millionen Menschen betroffen. Namhafte Parodontologen haben deshalb jetzt einen globalen Handlungsaufruf veröffentlicht. Im Interview spricht Mitinitiator Prof. Dr. Dr. Søren Jepsen (Bonn) über die Hintergründe.
 
 

Ein anderer Erklärungsversuch sei die „age-alterated susceptibility“-Hypothese. Danach führe das Altern zu Veränderungen beim immun-inflammatorischem Status des Patienten. Die Folge seien erhöhte Entzündungen, die sich wiederum zu einer Parodontitis entwickeln könnten.

Im Interview mit Stefanie Hanke erklärt Jepsen, welchen Einfluss die Immunseneszenz auf das Parodontitisrisiko hat und welche Rolle das Microbiom im Mund dabei spielt:

Prof. Dr. Dr. Søren Jepsen im Audio-Interview:

„Altersschwäche“ des Immunsystems

Zum Thema Immunseneszenz – also dem Altern des Immunsystems – sei die Studienlage derzeit noch schwierig. Belegt sei, dass sich die Immunkapazität im Laufe des Lebens verändere und vor allem im Alter schwächer werde. Ein typisches Phänomen sei das Inflamm-aging – ein chronischer Entzündungsprozess in höherem Alter.

Auch sei die Funktion der innaten und adaptiven Immunabwehr im Alter gestört – deshalb funktioniere die Entwicklung, Maturation und Aktivierung der Immunantwort nicht mehr reibungslos. Das führe zu einer höheren Anfälligkeit für Infektionen im Alter und insgesamt zu einer erhöhten Morbidität und Mortalität. Hier gebe es angesichts der immer älter werdenden Bevölkerung noch einen großen Forschungsbedarf.

 

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Stefanie Hanke ist Redakteurin und veröffentlicht regelmäßig Beiträge im Dental Online Channel.