Intraossäre parodontale Defekte stellen eine häufige Komplikation der Parodontitis dar. Lokal applizierte antimikrobielle Substanzen, wie beispielsweise Chlorhexidingluconat, Minocyclin, Doxycyclin und Tetracyclin können die Therapie persistierender lokalisierter Defekte ergänzen. Statine – ursprünglich Medikamente zur Senkung des Cholesterinspiegels – besitzen zusätzlich zu ihrer Cholesterin-senkenden Wirkung antiinflammatorische, antioxidative und antibakterielle Eigenschaften. Außerdem scheinen sie einen positiven Einfluss auf den Knochenstoffwechsel zu haben und Knochenneubildung zu begünstigen. Die lokale oder systemische Verwendung von Statinen scheint insgesamt einen positiven Effekt bei chronischer Parodontitis zu haben.

Folgende Kriterien wurden bei der Auswahl der Studien für das systematische Review berücksichtigt: Die zu untersuchende Population bestand aus Patienten mit diagnostizierter chronischer Parodontitis und intraossären parodontalen Defekten, behandelt mit lokal applizierten Statinen zusätzlich zur mechanischen Reinigung (Scaling and root planing, SRP). Der Bewertung des Therapieerfolgs stand im Vergleich zu einer Placebo-Gruppe bzw. einer Gruppe ohne Therapie. Die erhobenen Parameter beinhalteten: Veränderungen der Defekttiefe, Reduktion der Taschentiefe und klinischer Attachmentgewinn. Es wurden nur Studien berücksichtigt, die eine Nachkontrolle nach mindestens sechs Monaten durchgeführt hatten.

Ergebnisse und Konklusion

Es wurde eine Meta-Analyse anhand der Ergebnisse von zehn ausgewählten Studien durchgeführt. Es konnte eine gewichtete mittlere Differenz zwischen der Placebo-Gruppe und der Testgruppe mit Verwendung von lokal applizierten Statinen von 1,37 mm in Bezug auf die Reduktion der Defekttiefe, von 1,67 mm in Bezug auf die Reduktion der Taschentiefe und von 1,58 mm in Bezug auf den Attachmentgewinn berechnet werden. 15-35 Patienten untersuchte man pro Test- bzw. Kontrollgruppe. Eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse war aufgrund der Heterogenität der einzelnen Studien eingeschränkt.

Folgerung für den Praktiker

Eine adjuvante Verwendung lokal applizierter Statine als Zusatz zur mechanischen Reinigung kann möglicherweise eine Reduktion der Defekttiefe intraossärer parodontaler Defekte begünstigen. Eine Reduktion der Sondierungstiefe ist möglich durch eine zusätzliche lokale Therapie mit Statinen. Auch eine lokale Entzündung kann verringert sowie ein Attachmentgewinn erreicht werden. Eine Verwendung der Statine sollte gegenüber einer systemischen Therapie wegen der höheren lokalen Wirksamkeit und der Vermeidung von Nebenwirkungen bevorzugt werden.

Aufgrund der Heterogenität des Studiendesigns der untersuchten Studien, der Verwendung verschiedener Statine (Simvastatin, Atorvastatin und Rosuvastatin) und der relativ kleinen Stichprobengröße von 15-35 Patienten pro Test- bzw. Kontrollgruppe sind weitere kontrollierte, randomisierte klinische Studien nötig, um den Effekt lokal applizierter Statine bei der Therapie intraossärer parodontaler Defekte genauer zu untersuchen.

Originalpublikation //Sinjab, K., et al., The Effect of Locally Delivered Statins on Treating Periodontal Intrabony Defects: A Systematic Review and Meta-Analysis. J Periodontol, 2017. 88(4): p. 357-367.

Die komplette Studie finden Sie hier.

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Alina Winkelmann
Alina Winkelmann ist Zahnärztin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Poliklinik für Parodontologie, Zahnerhaltung und Präventive Zahnheilkunde in Bonn.