© Ratka-Krüger
Was ist zu beachten, um Parodontitis erfolgreich zu behandeln?


Zielasko:
Der Behandlungserfolg steht und fällt mit der Compliance des Patienten. Wir sind auf eine effektive häusliche Mundhygiene und auf die Teilnahme des Patienten an der unterstützenden Parodontaltherapie angewiesen.

Kapogianni: Ich sehe nicht nur Mängel bei der generellen Recall-Teilnahme, sondern auch in den häufig zu langen Recall-Intervallen. Aktive Taschen müssen zeitnah behandelt werden, da ab einer gewissen Tiefe eine chirurgische Intervention unumgänglich ist. Aus meiner Sicht ist eine Furkationsbeteiligung die größte Krux in der Parodontitistherapie. Behandlungsfehler sehe ich in einer verspäteten Extraktion nicht mehr erfolgreich therapierbarer Zähne sowie in einem fehlerhaften Kürettieren, das die Wurzel schädigen kann.

Wann setzen Sie in diesem Zusammenhang Fertiglokalantibiotika wie Ligosan ein?

Zielasko: Letztlich sollte immer patientenindividuell entschieden werden, ob in ausgewählten Fällen eine systemische Antibiose oder eine adjunktive Gabe von Lokalantibiotika zusätzlich zur Instrumentierung bereits bei der Ersttherapie sinnvoll ist.

Kapogianni: Bei schweren oder aggressiven Verlaufsformen und auch bei der juvenilen Form der Parodontitis setze ich Lokalantibiotika nach individueller Prüfung bereits bei der Primärbehandlung – zusätzlich zum mechanischen Debridement – ein.

Ligosan kombiniert die klinisch belegte Wirkung von Doxycyclin mit einer gelartigen Darreichungsform. Wie beurteilen Sie das Material im Hinblick auf seine Anwendungssicherheit?

Kühne: Bei lokaler Antibiotikagabe existiert dank der hohen intrasulkulären Konzentration des Wirkstoffs ein geringes Resistenzrisiko. Auch wenn in der Literatur in äußerst seltenen Fällen von einer Rötung der marginalen Gingiva die Rede ist, konnte ich in fünf Jahren Anwendung noch keinerlei Nebenwirkungen beobachten.

Kapogianni: Der Wirkstoff wird kontinuierlich aus einer Hydrogel-Matrix freigesetzt, die biologisch unbedenklich zu Milchsäure und Glykolsäure abgebaut wird. Meines Erachtens ist die Sicherheit aufgrund der in Studien nachgewiesenen Wirksamkeit und der kontrollierten Abgabeform gewährleistet.

Erstveröffentlichung: Dentalmagazin 01/2017

Das Interview in ganzer Länge finden Sie hier:

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mm
Redakteurin Medizin Zahnmedizin im Deutschen Ärzteverlag, Schwerpunkte: Implantologie, Parodontologie, Endodontologie, digitale Zahnheilkunde.