World Oral Health Forum
Teilnehmer am Oral Health Forum waren unter anderem Prof. Lijian Jin, Prof. Jörg Meyle, Dr. Magda Feres, Dr. Juan Blanco-Carrion und Prof. Jean-Louis Giovannoli (von links nach rechts). © Martin Reinhart

Bereits ein Jahr vor der Madrider Veranstaltung wurde der Stein für das Global Periodontal Health Project in Bewegung gesetzt. Ziel ist es, die parodontale Gesundheit in die regionalen Gesundheitsprogramme weltweit zu integrieren und auch die Zusammenhänge parodontaler Erkrankungen mit systemischen Krankheiten deutlicher in der Gesundheitspolitik zu formulieren.

Verschiedene Ansätze in drei Arbeitsgruppen

Dazu wurden drei Gruppen gebildet, in denen sich erfahrene internationale Parodontologen mit verschiedenen Themenansätzen und folgenden Fragestellungen befassten: Warum sind parodontale Erkrankungen wichtig? Kann man parodontale Erkrankungen verhindern und behandeln? Welche aktuellen Entwicklungen gibt es zum Thema parodontale Gesundheit, und was für zukünftige Aktionen sind möglich?

Die Ergebnisse der drei Gruppen wurden in Madrid vorgestellt und auf dem Podium mit vielen Beteiligten diskutiert. Prof. Dr. Jörg Meyle (Gießen) war einer der Moderatoren der Veranstaltung. Er merkte an, dass man das Bewusstsein für parodontale Gesundheit bereits bei den Kindern schaffen müsste. „So kann man einen frühen Attachmentverlust vielleicht besser verhindern.“ In der Diskussion wurde zudem klar, dass es ein soziokulturelles Problem in vielen Ländern ist und über die Politik Einfluss genommen werden muss.

Prof. Dr. Jörg Meyle im Interview mit Sven Skupin:

Prof. Dr. Stefan Renvert (Kristianstad, Schweden) war überrascht, berichten zu müssen, dass sich in Bezug auf die PA-Prävalenz in den vergangenen 10 bis 20 Jahren eigentlich kaum etwas getan habe: „Selbst in Schweden gibt es nur geringe Veränderungen.“ Das Bewusstsein für orale und parodontale Gesundheit sei selbst bei den dentalen Profis schlecht und in der generellen Gesellschaft sowieso. Es sei viel Arbeit, all diesen Gruppen die Bedeutung der parodontalen Gesundheit zu vermitteln.

Für Prof. Dr. Mariano Sanz (Madrid, Spanien) ist die Ausbildung der Zahnärzte und Praxismitarbeiterinnen dabei einer der wichtigsten Faktoren. Der Input von gut ausgebildeten Zahnärzten und Dentalhygienikerinnen auf ihre Patienten sei entscheidend für die parodontale Gesundheit.

Weitere zentrale Punkte, die im Forum definiert wurden:

  • Kurze, prägnante Formulierungen der Erkenntnisse von parodontaler Gesundheit müssen für die Kommunikation mit Patienten und politischen Entscheidern formuliert werden.
  • Der Fokus sollte auf der Prävention liegen und nicht auf Extraktion von Zähnen und Implantaten. Das sollte auch in die Ausbildung von Zahnärzten und DHs einfließen.
  • Der Zusammenhang von parodontaler Erkrankung und systemischen Erkrankungen muss deutlicher hervorgehoben werden. Weltweit müssen die Mediziner in den verschiedenen Ländern besser über diesen Zusammenhang informiert werden.

Diese und weitere Punkte werden zukünftig weiter bearbeitet. Am Ende soll ein Whitepaper zum Thema parodontale Gesundheit entstehen, mit dem das World Oral Health Forum auch die WHO dazu bringen möchte, diesem Thema mehr Beachtung zu schenken.

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mm
Fachredakteur beim Deutschen Ärzteverlag mit Schwerpunkten Praxismanagement, Digitales und Praxismitarbeiterinnen