Organtransplantierte sind aufgrund der dauerhaften Immunsuppression und der damit verbundenen Infektionsgefahr in der zahnärztlichen Praxis als Risikopatienten einzustufen und zu behandeln. Daher ist eine frühzeitige Infektionsprophylaxe – schon vor Transplantation –  im Sinne einer zahnärztlichen Sanierung anzustreben. Demnach müsste der Mundgesundheitszustand bei Transplantationspatienten im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung bessere Verhältnisse aufweisen. Ziel dieser monozentrischen Querschnittstudie war es daher, Informationen über den Mundgesundheitszustand und zahnärztlichen Behandlungsbedarf von Patienten nach Organtransplantation (Tx) zu eruieren.

 

Ergebnisse

110 Tx-Patienten (NTx: n = 35, LTx: n = 75) mit einem Durchschnittsalter von 56,4 ± 11,9 Jahren (m = 68) wurden einbezogen. Die durchschnittliche Zeit nach Tx betrug 7,7 ± 6,8 Jahre. Mundschleimhautveränderungen im Sinne einer Gingivahyperplasie wurden bei 7 Patienten festgestellt. Der mittlere DMF-T lag bei 20,5 ± 5,7. Dabei war der Anteil an fehlenden Zähnen (M-T) mit 10,8 ± 8,3 am höchsten; kariöse Zähne (D-T) waren hingegen am wenigsten festzustellen (0,9 ± 1,5). Der durchschnittliche Sanierungsgrad (konservierend/prothetisch) betrug 91 %; lediglich 61 % der Tx-Patienten waren vollständig saniert. 69 % der Tx-Patienten wiesen eine moderate bis schwere Parodontitis auf (moderat: 48 %, schwer: 21 %). Zudem wurde bei 85 % (n = 93) der untersuchten Patienten ein aktueller Behandlungsbedarf (zahn/parodontal) festgestellt.

Schlussfolgerung

Die hier untersuchten Tx-Patienten zeigten neben einer verhältnismäßig geringen Kariesprävalenz einen Großteil an Parodontalerkrankungen auf. Im Vergleich zur deutschen „Allgemeinbevölkerung“ (repräsentative Daten der DMS IV) zeigte sich – entgegen den Erwartungen – kein besserer Mundgesundheitszustand und Sanierungsgrad. Der zahnärztliche Behandlungsbedarf war insgesamt hoch. Bereits vor Tx sollte eine Gebisssanierung mit Schaffung gesunder oraler Verhältnisse und optimale Mundhygiene angestrebt und langfristig sichergestellt werden. Die Erarbeitung verbindlicher Richtlinien erscheint notwendig.

BU: Überblick über die Patientencharakteristik (Alter, Geschlecht, Rauchverhalten), durchgeführte Transplantation (LTx/NTx) und ursächliche Grunderkrankung sowie die immunsuppressive Medikation (n: Anzahl der Patienten, MW: Mittelwert, StAbw: Standardabweichung; *Kombinationen möglich; **alle NTx)

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