An der Tafel erklärte Kebschull verschiedene Nahttechniken. © Annika Best

Bei seinem Kurs „Update Parodontologie“, der Ende September am Universitätsklinikum Bonn stattfand, gab PD Dr. Moritz Kebschull den Teilnehmern das nötige Rüstzeug an die Hand, um Parodontitis-Patienten adäquat und nach neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen behandeln zu können.

Der Tag startete mit einer theoretischen Übersicht. Zunächst betrachtete Kebschull gemeinsam mit seinen Teilnehmern Patientenfaktoren, die unter Umständen eine Parodontitis auslösen können. So präsentierte er einige Studien, in denen die mikrobiologische Prädiktion und die Gene von Patienten in Zusammenhang mit den Aufkommen einer Parodontitis untersucht wurden. Dem Praktiker würden aber momentan die Erkenntnisse aus diesen Studien, die einen Zusammenhang dieser Parameter nachweisen konnten, nichts nützen. Denn weder Bakterien- noch Gentests seien momentan dazu in der Lage, wichtige Erkenntnisse für die Weiterbehandlung der Patienten zu liefern.

Stress nicht unterschätzen

Anschließend sprach Kebschull über die modifizierenden Patientenfaktoren, die eine Parodontitis begünstigen. Rauchen, Diabetes, Übergewicht, Stress – mit all diesen Faktoren wird ein erhöhtes Risiko assoziiert. Gerade emotional verarbeitete stressige Episoden können ein entscheidender Faktor sein, wenn die Parodontitis sehr aggressiv wird und sich die Taschentiefe innerhalb kürzester Zeit vergrößert. Beobachtet der Behandler eine solche Entwicklung, sollte er den Patienten gezielt darauf ansprechen.

Bevor es in den praktischen Teil ging, skizzierte Kebschull ein typisches Therapieschema, mit dem eine Parodontitis therapiert werden könne. Zunächst ging er hier auf die anti-infektiöse Therapie ein. In diesem Zusammenhang zeigte er den Zahnmedizinern ein Ablaufschema, nach dem er in der Praxis vorgeht und das auf viel positive Resonanz und interessierte Nachfragen beim Podium stieß. Anschließend diskutierte er gemeinsam mit den Teilnehmern die Anwendung von Adjuvantien. Auch hier berief er sich auf zahlreiche Studien und persönliche Erfahrungen aus der Praxis und gab am Ende konkrete Hinweise zu der richtigen Antibiotika-Gabe. Hierbei riet er zur Zurückhaltung beim Einsatz eines adjuvanten systemischen Antibiotikums. Nur ein geringer Anteil der Patienten, nämlich die mit sehr schwerer und rasch voranschreitender Erkrankung, kämen in Frage. Anschließend gab er einen Überblick über die Erfolgsraten der nicht-chirurgischen Parodontal-Therapie. „Die nicht-chirurgische Therapie ist bei einwurzeligen Zähnen recht effektiv“, so Kebschull. Typische Problemfelder seien aber die mangelnde Effizienz der subgingivalen Instrumentierung, die vor allem bei unerfahrenen Behandlern aufkommen kann. 

Den Accessflap an einer Aubergine üben

„Warum sind Resttaschen überhaupt ein Problem?“ Diese Frage stellte Kebschull zur Überleitung zu den chirurgischen Therapien. Unter Berücksichtigung verschiedener Studien machte er klar, dass die Taschentiefe eindeutig mit der Verlustwahrscheinlichkeit eines Zahnes korreliert. Im Anschluss daran hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, mithilfe eines Modells, bei dem drei Holzdübel in eine Aubergine gefräst wurden, den Accessflap und eine Matratzennaht zu üben. Doch auch der bewährte Schweinekiefer kam zum Einsatz: Im zweiten Teil der Veranstaltung übte das Podium unter Anleitung von Kebschull hieran einen apikalen Verschiebelappen. 

Am Nachmittag ging Kebschull dann auf die richtig kniffligen Fälle ein, wenn nämlich intraössäre Defekte oder Furkationen auftreten. Eine gute Behandlungsoption von intraössären Defekten sei die Verwendung von Schmelzmatrixproteinen, Membranen und Emdogain – auch in Kombination miteinander. Bei Furkationsbefall sollte in jedem Fall der Zahnerhalt an erster Stelle stehen und die Implantation gegebenenfalls erst im zweiten Schritt erfolgen. Zum Schluss ging Kebschull noch einmal auf die Frage ein, ob denn wirklich immer zu chirurgischen Maßnahmen gegriffen werden muss. „Es gibt Fälle, in denen auch eine nicht-chirurgische Therapie ausreicht, um die Taschentiefe so deutlich zu reduzieren, dass kein Zahnverlust mehr droht.“ Er rät daher, im Zweifel erst einmal abzuwarten, wie sich der Zahnzustand nach einer anti-infektiösen bzw. Adjuvanten-Therapie entwickelt.

 

Im Audio-Interview erklärt Kebschull, in welchen Bereichen der Parodontitis-Therapie sich in den letzten Jahren besonders viel bewegt hat. Darüber hinaus verrät er, was er sich für den „World Workshop on the Classification of Periodontal and Peri-Implant Diseases“ erhofft, der im November in Chicago stattfinden wird.

Hören Sie hier das Audio: 

Sehen Sie hierzu auch das Video-Interview mit Dr. Kebschull „Parodontitis-Klassifikation auf dem Prüfstand“.

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mm
Ist Volontärin in der Redaktion Medizin/Zahnmedizin beim Deutschen Ärzteverlag.