Seniorinnen mit Parodontitis haben ein erhöhtes Krebsrisiko.
Seniorinnen mit Parodontitis haben ein dreimal höheres Risiko, an einem Ösophaguskarzinom zu erkranken. © Monkey Business/fotolia

Die Studie stellt außerdem auch einen Zusammenhang zwischen Parodontitis und anderen Krebsarten wie Brustkrebs, Lungenkrebs, Gallenblasenkrebs und dem malignen Melanom her. Die stärkste Assoziation entdeckten die Forscher zum Ösophaguskarzinom. Sie ermittelten eine Hazard Ratio von 3,28 (1,64–6,53). Das bedeutet, dass Seniorinnen mit Parodontitis dreimal häufiger an dieser Krebsart erkranken. Für Lungenkrebs betrug die Hazard Ratio 1,31 (1,14–1,51), für das Melanom 1,23 (1,02–1,48) und für das Mammakarzinom 1,13 (1,03–1,23).

Dabei ist die Women’s Health Initiative Observational Study (WHI-OS) nicht die erste epi­de­mio­logische Studie, die für Menschen mit einer schlechten Mundhygiene ein erhöhtes Krebsrisiko nachweist. Eine ähnliche Assoziation hatte die Health Professionals Follow-Up Study bereits vor etwa zehn Jahren für ältere Männer hergestellt.

Großangelegte Studie unter älteren Frauen

Für die Studie wurden mehr als 65.000 Frauen untersucht. Das Durchschnittsalter der Teilnehmerinnen lag bei 68 Jahren. „Unsere Studie war umfangreich und detailliert genug, um nicht nur das Gesamt-Krebsrisiko bei älteren Frauen mit Parodontitis zu untersuchen, sondern auch, um hilfreiche Informationen über eine Vielzahl verschiedener Krebsarten zu sammeln“, erklärt Jean Wactawski-Wende, PhD, Hauptautorin der Studie. Eines der Ergebnisse: Frauen, bei denen Parodontitis festgestellt wurde, hatten ein um 14 Prozent erhöhtes Krebsrisiko. Insgesamt wurden bei mehr als 7.000 Studienteilnehmerinnen Krebserkrankungen festgestellt. Davon litten knapp 2.500 Frauen an Brustkrebs.

Warum vor allem das Risiko für Speiseröhrenkrebs so hoch ist, erklärt Wactawski-Wende so: „Die Speiseröhre ist nah an der Mundhöhle, und daher gelangen parodontale Krankheitserreger leichter an die Schleimhaut der Speiseröhre und infizieren diese. So erhöhen sie dort das Krebsrisiko.“ Ihre Mitautorin Ngozi Nwizu, PhD, ergänzt: „Bestimmte parodontale Bakterien fördern selbst in kleinen Mengen nachweislich Entzündungen. Und diese Bakterien wurden von verschiedenen Organen und einigen Krebsarten isoliert – einschließlich Speiseröhrenkrebs. Es ist wichtig, das Wissen zu etablieren, dass parodontale Erkrankungen ein hohes Risiko für Speiseröhrenkrebs mit sich bringen, damit passende präventive Maßnahmen eingeleitet werden können.“

Die gesamte Studie gibt es auf der Seite der University at Buffalo als pdf zum Download.

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Stefanie Hanke ist Redakteurin und veröffentlicht regelmäßig Beiträge im Dental Online Channel.