Parodontitis ist auf der ganzen Welt verbreitet
Ein schönes Lächeln und gesundes Zahnfleisch sind nicht selbstverständlich: Etwa 743 Millionen Menschen sind weltweit von Parodontitis betroffen. © olly/fotolia

Der Handlungsaufruf trägt den Titel „Impact of the global burden of periodontal diseases on health, nutrition an wellbeing of mankind: A call for global action“. Er wurde von Jepsen gemeinsam mit seinen Kollegen Maurizio S. Tonetti (Genua / Italien), Lijian Jin (Hong Kong / China) und Joan Otomo-Corgel (Los Angeles / USA) im Journal of Clinical Periodontology veröffentlicht. Die Autoren richten ihren Aufruf an die Weltgesundheitsorganisation (WHO), Gesundheitspolitiker und Zahnmediziner auf der ganzen Welt, aber auch an die breite Öffentlichkeit.

Im Telefoninterview mit dem Dental Online Channel erklärt der ehemalige EFP-Präsident Prof. Dr. Dr. Søren Jepsen die Hintergründe des Aufrufs:

Prof. Dr. Dr. Søren Jepsen im Gespräch mit Stefanie Hanke

Die Autoren wollen dafür sensibilisieren, wie relevant parodontale Erkrankungen für den gesundheitlichen Zustand der Menschheit sind: So gilt schwere Parodontitis als die sechsthäufigste Krankheit der Welt – rund 743 Millionen Menschen sind aktuell davon betroffen, das sind etwa 11 Prozent der Weltbevölkerung. Daraus resultiert auch ein enormer wirtschaftlicher Schaden: Pro Jahr ist Parodontitis weltweit für einen Produktivitätsverlust von rund 54 Milliarden US-Dollar verantwortlich – und für einen Großteil der Gesundheitsausgaben in Höhe von mehr als 440 Milliarden US-Dollar, die jährlich für orale Erkrankungen aufgewendet werden. Und die Zahl der betroffenen wächst stetig: Von 1990 bis 2010 ist sie um mehr als 57 Prozent angestiegen.

Prävention – Diagnose – Behandlung

In ihrem „Call to global action“ schlagen die Autoren eine ganze Reihe von Maßnahmen vor, um die globale Massenerkrankung Parodontitis einzudämmen. Diese Maßnahmen sollten in den nationalen Gesundheitssystemen aller Länder umgesetzt werden. An erster Stelle steht die Prävention und die Schaffung eines Bewusstseins für das Thema in der Öffentlichkeit:

  • Zahnfleischbluten ist nicht normal. Die Ursache sollte vom Zahnarzt abgeklärt werden.
  • Die mechanische Entfernung von Plaque auch in den Zahnzwischenräumen ist der Schlüssel bei der Parodontitis-Prävention.
  • Weltweit ist eine gute Gesundheitsaufklärung für möglichst viele Menschen wichtig, die ein Bewusstsein für das Risiko schafft, an Parodontitis zu erkranken. Neben einer guten Mundhygiene gehören auch Rauchen und Diabetes zu den Risikofaktoren.

Der zweite Schritt ist die richtige Diagnose durch einen qualifizierten Zahnarzt:

  • Patienten sollten selbst auf Warnzeichen wie Zahnfleischbluten achten und im Zweifelsfall einen Zahnarzt aufsuchen
  • Ein regelmäßiges professionelles Screening der Bevölkerung hilft, Parodontitis und Gingivitis früh zu erkennen und die richtige Therapie einzuleiten.

Der dritte Schritt ist die richtige Behandlung:

  • Die richtige Therapie hilft, Parodontitis und Gingivitis einzudämmen, Zahnverlust zu verhindern und dadurch die Lebensqualität der Patienten zu erhöhen.
  • Dazu gehört die Kontrolle von Risikofaktoren (z. B. Rauchen, Diabetes) und die Anleitung zu einem gesünderen Lebensstil und einer besseren Mundhygiene.
  • In manchen Fällen ist eine chirurgische Therapie angeraten.

Breite Unterstützung in aller Welt

Der Handlungsaufruf hat bereits weltweit viele Unterstützer gefunden. Darunter sind vier internationale Fachgesellschaften:

  • European Federation of Periodontology (EFP)
  • Asian Pacific Society of Periodontology (APSP)
  • Ibero-Panamerican Society of Periodontics (FIPP)
  • International Academy of Periodontology (IAP)

Außerdem unterstützen die nationalen Fachgesellschaften von etwa 50 Ländern den Aufruf.

Der Aufruf steht auf der Internetseite der EFP als pdf zum Download zur Verfügung.

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Stefanie Hanke ist Redakteurin und veröffentlicht regelmäßig Beiträge im Dental Online Channel.