26 Patienten mit schwerer chronischer Parodontitis und CKD wurden bezüglich folgender parodontaler Parameter untersucht: Plaque-Index, Blutung auf Sondieren, Sondierungstiefen und klinischem Attachmentlevel. Bezüglich der Nierendysfunktion wurden folgende Parameter an Baseline, 90 und 180 Tagen nach erfolgter Parodontitis-therapie dokumentiert: geschätzte glomeruläre Filtrationsrate [eGFR], Triglyceride, Cholersterol-, Albumin- und ADMA-Level. 

Ergebnisse und Konklusion

Alle parodontalen Parameter zeigten nach 180 Tagen signifikante (p<0,05) Besserungen auf. Auch die medianen Werte der eGFR verbesserten sich signifikant von 34,6 ml/min/1,73m² an Baseline auf 37,6 ml/min/1,73m² nach 90 und 37,6 ml/min/1,73m² nach 180 Tagen (p<0,05).  ADMA-Level waren nach 180 Tagen signifikant reduziert. Die Autoren schlussfolgern, dass die Parodontitis und Nierenerkrankungen mit endothelialen Dysfunktionen in Zusammenhang stehen. So könne eine Parodontitistherapie ebenfalls positive Auswirkungen auf CKD haben.

Folgerung für den Praktiker

Die Wechselwirkung von Parodontitis mit diversen systemischen Erkrankungen steht schon seit Längerem fest: unter anderem Diabetes mellitus und koronare Herzerkrankung. Weitere Zusammenhänge stehen in Diskussion – wie neurodegenerative Erkrankungen und Adipositas. Nun wird auch der Effekt einer Parodontitis – oder besser deren Therapie – auf geschädigte Nierenfunktion unter die Lupe genommen. Nachgewiesen ist, dass eine unbehandelte Parodontitis zu einer erhöhten Konzentration von Entzündungsmediatoren im Körper führt, die auch bei CKD-leidenden Patienten beobachtet wurden. CKD führt ebenso zu erhöhtem Risiko von kardiovaskulären Erkrankungen. Eine Wechselwirkung beider Erkrankungen liegt somit nahe und der Verdacht wird durch diese Arbeit gut unterstützt. 

Diese und weiter Studien dieser Art sind wichtig, um die Bedeutung suffizienter und regelmäßiger parodontaler Screenings und Therapien zu unterstreichen. Wenn orale Gesundheit systemische Genesung unterstützt, so sollte sie mit allen Mitteln Ziel eines jeden systemisch erkrankten Patienten sein. Zusätzlich versetzt dies uns als Behandler in eine neue Position, deren Verantwortung sich nicht mehr nur auf die orale Situation beschränkt.

Originalpublikation // Periodontal treatment in patients with chronic kidney disease: a pilot study // Almeida S., Figueredo C.M., Lemos C., Bregman R., Fischer R.G. // Erscheinung: J Periodontal Res. 2017 Apr. // https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27135778

Die komplette Studie finden Sie hier.

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Annika Kröger
Annika Kröger hat in Bonn Zahnmedizin studiert und befindet sich derzeit in der Weiterbildung an der Poliklinik für Parodontologie, Zahnerhaltung & Präventive Zahnheilkunde, Universität Bonn. Ihre Promotionsarbeit beschäftigt sich mit dem Mikrobiom periimplantärer Erkrankungen.