Diese Studie untersuchte den Einfluss verschiedener patienten- und zahnbezogener Faktoren auf den Verlust von Molaren während der UPT über einen Zeitraum von zehn Jahren. Die Assoziation von verschiedenen Risikofaktoren mit dem Verlust der Molaren wurde retrospektiv über einen Zeitraum von mindestens zehn Jahren bei 136 Patienten mit insgesamt 1015 Molaren untersucht. Der mittlere Untersuchungszeitraum lag bei 13,2 ± 2,8 Jahren. Das durchschnittliche Alter der Patienten betrug 47,1 ± 11,1 Jahre. 8,1 % der Patienten waren Raucher, 44,1 % ehemalige Raucher und 47,8 % Nichtraucher.  Bei 88,2 % der Patienten wurde eine chronische Parodontitis diagnostiziert, bei 11,8 % eine aggressive Parodontitis. Die Parodontaltherapie wurde für alle Patienten gleichermaßen durchgeführt und bestand zunächst aus einer nicht-chirurgischen Therapie.

Nach der Reevaluation nach drei bis sechs Monaten wurden – sofern indiziert – chirurgische Maßnahmen durchgeführt (Access Flap, Guided Tissue Regeneration, Resektive Maßnahmen wie Wurzelamputation, Hemisektion, Prämolarisierung, Tunnelierung oder Zahnextraktion). Anschließend nahmen die Patienten an einer regelmäßigen UPT teil. Das Intervall wurde anhand von individuellen Risikofaktoren (Eickholz et al. 2008) bestimmt. Patienten wurden als compliant eingestuft, wenn sie mindestens einmal jährlich zur UPT erschienen. Als Risikofaktoren für Molarenverlust wurden folgende patientenbezogene Faktoren untersucht: Alter, Geschlecht, Rauchen, Versicherungsstatus, Vorliegen einer aggressiven Parodontitis, Compliance, Plaqueindizes, Blutungsindizes, Diabetes mellitus und Koronare Herzkrankheit. Folgende zahnbezogene Faktoren wurden untersucht: Oberkiefer/Unterkiefer, Furkationsbeteiligung, Knochenverlust, mittlere Sondierungstiefe, endodontische Behandlung, approximale Restaurationen und Versorgung mit Kronen/Teilkronen.

Ergebnisse und Konklusion

In der Analyse konnte keine Assoziation zwischen Plaque- und Blutungsindizes sowie Compliance und Molarenverlust festgestellt werden. Gesetzlich versicherte Patienten verloren tendenziell mehr Molaren als Privatversicherte. Patienten mit chronischer Parodontitis verloren mehr Molaren als Patienten mit aggressiver Parodontitis. Einen signifikant höheren Molarenverlust hatten außerdem Patienten mit höherem Alter, weiblichem Geschlecht, Raucher und Diabetiker. Die Lokalisation der Molaren im Ober- oder Unterkiefer hatte keinen signifikanten Einfluss auf die Verlustrate, Molaren im Oberkiefer zeigten jedoch eine höhere Tendenz für Zahnverlust.

Molaren mit einem Furkationsgrad von I hatten kein signifikant erhöhtes Risiko extrahiert zu werden, Molaren mit einem Furkationsgrad von II nur ein geringfügig erhöhtes Risiko, wohingegen Molaren mit einem Furkationsgrad von III ein 4,68-fach erhöhtes Risiko aufzeigten verglichen mit Molaren ohne klinisch sondierbare Furkationsbeteiligung. Jedoch waren 63 % der Molaren mit einem Furkationsgrad III in der unterstützenden Parodontaltherapie noch in situ, die mittlere Überlebensrate dieser Molaren betrug 11,8 Jahre. Initialer Knochenverlust von ≤60 % erhöhte das Risiko für Molarenverlust in der Nachsorge um das 2,41-fache, Knochenverlust von >60 % um das 3,74-fache verglichen mit Molaren mit einem Knochenverlust von ≤20 %. Dennoch waren 71,3 % der Molaren mit einem initialen Knochenverlust von >60 % nach zehn Jahren noch in situ, die mittlere Überlebensrate dieser Molaren betrug 14,4 Jahre.

Einen signifikant negativen Einfluss auf die Überlebensrate der Molaren hatten außerdem endodontische Behandlungen (2,98-fach erhöhtes Risiko für Molarenverlust) und die Sondierungstiefe (43 % höheres Risiko pro mm ST) bei dem ersten Termin in der UPT. Approximale Restaurationen zeigten keinen Einfluss auf den Molarenverlust, Kronen- und Teilkronenversorgungen nur ein leicht erhöhtes Risiko. 58,1 % der Patienten verloren während der UPT mindestens einen Molaren. 12,5% der Patienten verloren drei Molaren und mehr. Von diesen Patienten hatte keiner eine aggressive Parodontitis, jedoch waren der BoP und die mittlere Sondierungstiefe am ersten Termin der UPT signifikant erhöht. Den größten Einfluss auf die Molarenverlustrate hatten endodontische Behandlungen, initialer Knochenverlust von >60 %, ein Furkationsgrad III und Vorliegen eines Diabetes mellitus.

Im Durchschnitt hatten die untersuchten Patienten nach zehn Jahren noch 23,3 Zähne. Patienten in der Gruppe der 65-74-Jährigen hatten im Durchschnitt noch 22,4 Zähne.

Folgerung für den Praktiker

Es ergeben sich folgende patientenbezogene Faktoren mit Einfluss auf die Überlebensrate von Molaren: Alter, weibliches Geschlecht, Rauchen und Diabetes. Zu den zahnbezogenen Faktoren mit einem signifikanten Einfluss gehören: Initialer Knochenverlust von >60 %, Furkationsgrad III, endodontische Behandlungen und Resttaschen beim ersten Termin in der UPT.

Bei einer konsequent durchgeführten UPT ist es möglich Molaren über einen langen Zeitraum zu erhalten. Selbst Zähne mit einem initialen Knochenabbau von >60 % und/oder Furkationsgrad III können zum größten Teil während der UPT über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren erhalten werden.

Originalpublikation // Loss of molars in periodontally treated patients: results 10 years and more after active periodontal therapy Dannewitz B, Zeidler A, Hüsing J, Saure D, Pfefferle T, Eickholz P, Pretzl B (J Clin Periodontol 2016)// 

Die komplette Studie finden Sie hier. 

Artikelempfehlungen

Teilen:
#
Alina Winkelmann
Alina Winkelmann ist Zahnärztin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Poliklinik für Parodontologie, Zahnerhaltung und Präventive Zahnheilkunde in Bonn.