Der renommierte internationale Socransky-Preis wird in diesem Jahr von Panos Papapanou (l.) an den Bonner Parodontologen PD. Dr. Moritz Kebschull überreicht (r.). © Kebschull

PD Dr. Moritz Kebschull von der Poliklinik für Parodontologie, Zahnerhaltung und Präventive Zahnheilkunde des Universitätsklinikums Bonn, ist neben Anton Sculean erst der zweite deutsche Wissenschaftler, der den seit 1996 ausgelobten renommierten Socransky-Preis erhält. Sculean war 2004 zur Zeit der Preisverleihung an der Universität Mainz tätig.

Der Award richtet sich an Wissenschaftler, die das vierzigste Lebensjahr noch nicht vollendet haben und auch noch keine eigene Abteilung leiten. Des Weiteren muss bei den Nominierten ein „signifikanter Beitrag zur parodontologischen Wissenschaft“ von einem Mitglied der Periodontal Research Group der IADR festgestellt werden. Er wird jährlich international ausgeschrieben, eine Selbstbewerbung ist nicht möglich. Die Nominierungen für den Socransky-Preis werden von drei internationalen Juroren aus Schweden, Japan und den USA bewertet.

Arbeiten ermöglichen Neuklassifikation der Parodontitis

Die ausgezeichneten Arbeiten von Kebschull beschäftigen sich mit den Ursachen und Folgen parodontaler Erkrankungen. Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt in der Erforschung der molekularen Hintergründe verschiedener Parodontitisformen. „Warum verlieren einige Patienten rapide Attachment, obwohl sie hervorragend pflegen, während andere Patienten trotz des Vorliegens von vielen ätiologischen Faktoren nur geringe Verluste parodontalen Gewebes erleiden?“, fragte sich Kebschull. In seinen Arbeiten zeigte der Parodontologe, welche spezifischen molekularen Signalwege die aggressive Parodontitis von der chronischen Parodontitis unterscheiden. Hierbei wurde unter anderem eine spezifische Aktivierung von natürlichen Killerzellen nachgewiesen.

Basierend auf den molekularen Unterschieden von chronischer und aggressiver Parodontitis konnten Kebschull und Mitarbeiter eine alternative, auf molekularen Mustern basierende Klassifikation der Parodontitis vorstellen. Diese könnte in der Zukunft eine deutlich bessere Differenzierung von verschiedenen Formen von Parodontalerkrankungen erlauben. Angesichts einer erwarteten Revision der Klassifikation der Parodontalerkrankungen von 1999 könnten diese Arbeiten von besonderer Bedeutung sein. EFP und AAP richten hierfür im November diesen Jahres einen gemeinsamen World Workshop in Chicago aus.

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Julia Iser ist Mitglied der Redaktion und verfasst regelmäßig Beiträge für den Dental Online Channel.