Prof. Dr. Ulrich Schlagenhauf
Prof. Dr. Ulrich Schlagenhauf behandelt nach dem Würzburger Konzept. © privat

An dieser Stelle beschreitet das Würzburger Konzept einen neuen Weg: Auch „hoffnungslose“ Zähne werden nicht aufgrund einer parodontalen Indikation entfernt.

Das bedeutet: Lockere Zähne werden geschient; extrahiert wird nur, wenn Zähne kariös tief zerstört sind, endodontisch nicht behandelt werden können oder das Parodont zirkulär über den Apex zerstört ist. Selbst ein Knochenverlust (röntgenologisch) von 90 Prozent stellt im Würzburger Konzept keinen Grund dar, Zahn zu extrahieren.

Das Konzept wurde bereits an Hunderten von Patienten erprobt. An mehr als 60 Patienten mit 441 Zähnen wurde eine Voranalyse durchgeführt. Alle Patienten hatten ein Probing Attachment Level von acht oder mehr Millimetern aufwiesen. Die Zähne wurden nicht-chirurgisch nur mit Scaler und Kürette behandelt. Daran schloss sich eine 14-tägige systemische Antibiose (Winkelhoff-Cocktail) an. Die Zähne beziehungsweise das Parodont wurden drei Monate später reevaluiert und die Bereiche beziehungsweise die Zähne, die zu dieser Zeit keinerlei Anzeichen einer Heilung zeigten, extrahiert. Alle anderen Zähne wurden in situ belassen und die Zahnfleischtaschen über einen Zeitraum von drei Jahren vierteljährlich gesäubert. Nach drei Jahren befanden sich zirka 70 Prozent der Zähne, die man ursprünglich laut Richtlinie hätte entfernen sollen, noch im Mund – alle mit einer Taschentiefe von weniger als fünf Millimetern.

Etablierte Kriterien zur parodontalen Prognosestellung infrage gestellt

Mit dem Konzept werden die etablierten Kriterien zur parodontalen Prognoserstellung infrage gestellt, denn es ist nicht möglich, eine gesicherte Prognose nur aufgrund einer Momentaufnahme während der Erstbefundung zu erstellen. Parodontitis ist ein dynamischer Prozess. Gelingt es, die Entzündung zu eliminieren, bietet sich eine weitaus höhere Chance, einen Zahn langfristig zu erhalten.

Quelle: teamwork 4/2016
Autor: Prof. Dr. Ulrich Schlagenhauf/Würzburg

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