Insgesamt 1725 Stellen an 289 Implantaten und 1020 Stellen von 170 kontralateral gelegenen Zähnen von 112 Patienten wurden bezüglich Patienten-, Implantat- und Lokalisationsfaktoren untersucht. Die Assoziation in dieser retrospektiven Studie von den untersuchten Faktoren und der BoP-Wahrscheinlichkeit (binäre Ergebnisvariable [+/-]) wurde mittels eines logistischen Drei-Level Modells ermittelt.

Ergebnisse und Konklusion

Die Wahrscheinlichkeit von BoP+ bei Sondierungstiefen [PD] von 4 mm lag bei 27% und stieg bei Erhöhung dieser in Millimeter-Intervallen je Schritt um den Faktor 1,6 (p<0,001). Frauen litten signifikant häufiger unter BoP+ als Männer (p=0,048). Ebenso waren anterior gelegene Implantate im Vergleich zu Implantaten in posterioren Regionen mehr betroffen (p<0,01). Die Gegenüberstellung der Blutungswahrscheinlichkeit von Implantat- zu Zahnregionen in Abhängigkeit der Sondierungstiefe hingegen zeigte keine signifikanten Unterschiede.

Insgesamt lassen sich Assoziationen von BoP und PD, Implantatlokalisation und Geschlecht der Patienten nachweisen, so die Autoren. Zusätzliches Fazit der Studienverantwortlichen ist, dass die Wahrscheinlichkeit der Blutung mit erhöhter Sondierungstiefe steigt. Diese Beobachtung verhielt sich an Implantaten und Zähnen gleichartig.

Folgerung für den Praktiker

Die Abwesenheit der Blutung bei Sondierung an Zähnen und Implantaten ist ein sicherer Indikator für gesundes Gewebe und gilt in der Therapie der Periimplantitis und auch der Parodontitis als Ziel. Falls Blutungen auftreten, so sind diese als Risikofaktor anzusehen. Die Wahrscheinlichkeit der Blutungen steigt mit dem Schweregrad der Erkrankung und diese sind ein Zeichen für eine nötige Intervention.

Die Studie offenbart weitere signifikante Faktoren, die einen Zusammenhang mit der Blutung und somit der Erkrankungswahrscheinlichkeit bilden. So eröffnen sich fortführende Fragen: Wie stark sind hormonelle Einflüsse, da Frauen verstärkt betroffen sind? Warum spielt die Lokalisation der Implantate eine Rolle?

Einige Aspekte sind auch mit dieser Arbeit noch nicht vollständig geklärt. Systematische Erkrankungen, Unterschiede bei Rauchern, Nichtrauchern und Implantatsystemen sowie die Art der prothetischen Versorgung wurden in diesem Fall nicht differenziert. Sie sind somit zusätzlich mögliche Einflussfaktoren.

Originalpublikation // Farina R, Filippi M, Brazzioli J, Tomasi C, Trombelli L. Bleeding on probing around dental implants: a retrospective study of associated factors. J Clin Periodontol. 2017 Jan //

Die komplette Studie finden Sie hier.

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Annika Kröger
Annika Kröger hat in Bonn Zahnmedizin studiert und befindet sich derzeit in der Weiterbildung an der Poliklinik für Parodontologie, Zahnerhaltung & Präventive Zahnheilkunde, Universität Bonn. Ihre Promotionsarbeit beschäftigt sich mit dem Mikrobiom periimplantärer Erkrankungen.