In dieser Studie wurde untersucht, inwiefern die Befestigungsmethode der Suprakonstruktion (verschraubt versus zementiert) die Zusammensetzung der Mikroorganismen in der periimplantären Region und der internen Implantat-Abutment-Verbindung beeinflusst.

Es wurden bei 40 Patienten (Durchschnittsalter 64,3 ± 14,0 Jahre) mit insgesamt 101 Implantaten und zwei bis drei Implantaten pro Patient Proben aus dem periimplantären Sulkus, von den Nachbarzähnen und der internen Implantat-Abutment-Verbindung entnommen. Es handelte sich um Implantate mit interner hexagonaler Implantat-Abutment-Verbindung ohne Platform Switching.

Die Implantate waren fünf Jahre nach Implantation funktionell unauffällig und entzündungsfrei (kein Bleeding on Probing bei einer Sondierkraft von <0,25 N, Sondierungstiefe ≤ 5 mm, Abwesenheit von röntgenologischem Knochenverlust). Die Patienten waren Nichtraucher, systemisch gesund, nicht schwanger und hatten in den vergangenen drei Monaten keine Antibiotika eingenommen. Nach Implantation erfolgten in Abständen von sechs bis zwölf Monaten regelmäßige Kontrollen.

Vor der Probenentnahme erfolgte eine supragingivale Reinigung und relative Trockenlegung. Für die Probenentnahme wurden sterile Papierspitzen 30 Sekunden in den periiimplantären Sulkus und den gingivalen Sulkus am Nachbarzahn eingeführt. In die interne Implantat-Abutment-Verbindung wurde unter relativer Trockenlegung ein Tropfen RNA- und DNA-freies Wasser gegeben, anschließend wurden drei sterile Papierspitzen zur Probenentnahme eingebracht. Die mikrobiologische Analyse erfolgte mittels quantitativer PCR. Es folgte eine Analyse der Gesamtkeimbelastung und zehn verschiedener Pathogene: 1) Aggregatibacter actinomycetemcomitans 2) Porphyromonas gingivalis 3) Tannerella forsythia 4) Treponema denticola 5) Prevotella intermedia 6) Parvimonas micra 7) Fusobacterium nucleatum 8) Campylobacter rectus 9) Eikenella corrodens 10) Candida albicans. Die Analyse erfolgte qualitativ (Prozentzahl positiver Stellen) und quantitativ (bakterielle Belastung). Zudem wurde als Maß für die Permeabilität der Implantat-Suprakonstruktion-Verbindung (verschraubt versus zementiert) verglichen zwischen der Keimbelastung in der internen Implantat-Abutment-Verbindung und im periimplantären Sulkus.

Ergebnisse und Konklusion

In beiden Gruppen (verschraubt und zementiert) wurde sowohl im periimplantären Sulkus als auch in der internen Implantat-Abutment-Verbindung eine bakterielle Belastung festgestellt, diese war jedoch insgesamt bei geschraubten Suprakonstruktionen höher.

Es konnten Unterschiede in Bezug auf die Befestigungsmethode der Suprakonstruktion festgestellt werden:

  • Im periimplantären Sulkus wurden in der Gruppe der zementierten Suprakonstruktionen vermehrt Tannerella forsythia, Treponema denticola, Prevotella intermedia, Campylobacter rectus (qualitative Analyse) sowie Tannerella forsythia, Porphyromonas gingivalis und Parvimonas micra (quantitative Analyse) nachgewiesen.
  • In der internen Implantat-Abutment-Verbindung wurden geringere Werte in der Gruppe der zementierten Suprakonstruktionen verglichen mit verschraubten Suprakonstruktionen festgestellt.

Folgerung für den Praktiker

Zweiteilige Implantatsysteme können keinen vollständigen Verschluss im Bereich der Implantat-Abutment-Verbindung gewährleisten. Eine Besiedlung der internen Implantat-Abutment-Verbindung kann also zu einer Besiedlung der periimplantären Region führen und somit die periimplantäre Gesundheit beeinflussen.

Bei zementierten Suprakonstruktionen wurde eine erhöhte Keimbelastung für einige Pathogene im periimplantären Sulkus nachgewiesen. Tannerella forsythia wurde sowohl bei der qualitativen als auch bei der quantitativen Analyse vermehrt nachgewiesen. Allerdings kann ein Nachweis von nur zehn Parodontalpathogenen nicht das Spektrum der mikrobiellen Besiedlung im periimplantären Bereich widerspiegeln.

Auf der anderen Seite wurde eine geringere Keimbelastung im Bereich der internen Implantat-Abutment-Verbindung zementierter Suprakonstruktionen festgestellt. Dies spricht für einen dichteren Verschluss zwischen Implantat und Suprakonstruktion bei der Verwendung von Zement verglichen mit verschraubten Suprakonstruktionen. Die klinische Bedeutung eines Mikrospalts im Bereich der Implantat-Suprakonstruktion-Verbindung in Bezug auf die Entstehung einer Periimplantitis ist jedoch fraglich.

Originalpublikation // Penarrocha-Oltra, D., et al., Microbial Colonization of the Peri Implant Sulcus and Implant Connection of Implants Restored With Cemented Versus Screw-Retained Superstructures: A Cross-Sectional Study. J Periodontol, 2016. 87(9): p.1002-11.//

Die komplette Studie finden Sie hier.

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Alina Winkelmann
Alina Winkelmann ist Zahnärztin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Poliklinik für Parodontologie, Zahnerhaltung und Präventive Zahnheilkunde in Bonn.