RAin Claudia Rein aus München gab viele wichtige Informationen für potenzielle MVZ-Gründer. © Martin A. Reinhart

Ein Zahnarzt kann maximal zwei Zahnärzte in seiner Einzelpraxis anstellen. Möchte der Praxisinhaber noch mehr Behandler beschäftigen, muss er ein MVZ gründen. Die Rahmenbedingungen und Grundlagen hierfür wurden 2004 festgelegt.

Die „Gründungsberechtigten“ seien ein relativ „elitärer Kreis“, sagte Claudia Rein. Lediglich Ärzte und Zahnärzte, zugelassene Krankenhäuser, Erbringer nichtärztlicher Dialyseleistungen, gemeinnützige Träger mit Zulassung oder Ermächtigung und Kommunen dürften ein MVZ gründen. Als Rechtsformen stehen MVZ-Gründern die GmbH, die GbR sowie eine eingetragene Genossenschaft oder öffentlich-rechtliche Rechtsformen zur Verfügung. Nicht zulässig seien die oHG, KG sowie die GmbH & Co. KG, da der zahnärztliche Beruf schließlich kein Gewerbe sei. Die GmbH und die GbR sind die beiden gängigsten Formen.

GmbH oder GbR: Was ist die richtige Wahl?

Entscheidet sich der Gründer für eine GmbH, sind folgende Punkte zu beachten:

  • Ein Gründungsgesellschafter wird benötigt
  • 25.000 Euro Stammkapital muss das Unternehmen vorweisen
  • Notariell beurkundeter Gesellschaftsvertrag muss vorliegen
  • Eintrag in das Handelsregister notwendig
  • Mitgliedschaft bei der Industrie- und Handelskammer notwendig
  • Neben der Einkommenssteuer wird eine eigene Steuererklärung für die GmbH notwendig, eine Körperschaftssteuer und eine z.T. sehr hohe Gewerbesteuer müssen gezahlt werden
  • Bilanzierung (keine Einnahmenüberschussrechnung mehr)
  • Veröffentlichung des Jahresabschlusses verpflichtend, kann jeder einsehen
  • Bei Forderungen von KZV und Krankenkassen haftet der Gründungsgesellschafter persönlich

Aufgrund der teils hohen steuerlichen Belastungen und der vielen Verpflichtungen, die in der Liste aufgeführt sind, riet Rein von der Gründung einer GmbH als Zahnarzt ab.

Der Empfehlung zur GbR, die auch bei einer Gemeinschaftspraxis die gängige Rechtsform ist, liegen folgende Aspekte zugrunde:

  • Mindestens zwei Gründungsgesellschafter (es sind nur Gesellschafter erlaubt, die auch Gründer sein könnten, also nur Leistungserbringer, keine externen Geldgeber)
  • einzelne oder gemeinsame Geschäftsführung möglich
  • kein Mindestkapital
  • kein Eintrag ins Handelsregister notwendig
  • keine Offenlegung der Bilanzen
  • Gesamtschuldnerische Haftung der Partner

Chancen und Risiken

Als Chancen des MVZ nannte Rein die Einbindung anderer Fachrichtungen in das Portfolio der Praxis sowie eine höhere Flexibilität (Schichtbetrieb möglich) und ein breiteres Patientenklientel über die angestellten Zahnärzte. Durch die größeren Stückzahlen an Verbrauchsmaterialien etc. ergeben sich auch im Einkauf günstigere Konditionen als bei einer Einzelpraxis.

Zu den Risiken bzw. Belastungen zählen ein höherer Gründungsaufwand (detaillierte Beratung, ggf. Umstrukturierung), ein höherer Abstimmungsbedarf zwischen den Angestellten (Urlaub, Arbeitszeit, Dienste), möglicherweise die fehlende Identifikation der Mitarbeiter mit der Großpraxis, ein vermehrtes Haftungsrisiko und erhöhte Kosten durch externe Dienstleister.

Erfolgskonzept oder Ladenhüter?

Rein riet Zahnärzten, die die Gründung eines MVZ erwägen, die eigenen Ziele zu hinterfragen und vor dem endgültigen Schritt eine intensive Beratung in Anspruch zu nehmen. Alle Aspekte müssten steuerrechtlich und anwaltlich überprüft werden, um auf der sicheren Seite zu sein. „Man kann noch nicht absehen, ob das MVZ ein Erfolgskonzept oder ein Ladenhüter wird“, resümierte Rein.

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mm
ist Redakteur beim Deutschen Ärzteverlag und berichtet im Dental Online Channel von zahnmedizinischen Kongressen. Hauptgebiete Wirtschaft und Praxismanagement.