Studenten im Hörsaal © Matej Kastelic/fotolia

Kritik an der bisherigen Approbationsordnung gibt es schon lange: Sie stammt noch aus dem Jahr 1956 und gilt in vielen Bereichen nicht mehr als zeitgemäß. Das soll sich jetzt ändern: Die Novelle legt vor allem Wert auf eine stärkere Verbindung mit dem Medizinstudium: In den ersten vier Semestern wird die praktisch-präventive Ausbildung der angehenden Zahnmediziner verstärkt. Insgesamt gewichtet die neue AppO-Z die zahnmedizinischen Inhalte stärker in Richtung Prävention, Therapie und Alterszahnheilkunde.

Schneller Beschluss von den Ländern gefordert

Nun muss die Novelle noch vom Bundesrat beschlossen werden. Die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) appelliert eindringlich an die Länder, damit nicht lange zu warten und jetzt schnell den Weg für eine moderne Approbationsordnung endgültig frei zu machen. Allerdings sei eine kostenneutrale Umsetzung der neuen AppO-Z Berechnungen zufolge nicht möglich, heißt es von der Kammer. Die Politik sei damit in der Pflicht, sowohl die Ausbildungsbedingungen der angehenden Zahnärzte als auch die damit verbundenen finanziellen Rahmenbedingungen laufend an die steigenden Versorgungsanforderungen anzupassen.

Interview mit BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel

 

Die neue Approbationsordnung darf nicht scheitern!

Die Bundesregierung hat kürzlich den Weg für eine neue zahnärztliche Approbationsordnung (AppO-Z) frei gemacht, die unter anderem die Parodontologie schon im Studium stärkt. Am 22. September entscheidet der Bundesrat. Was es bedeutet, wenn die Novelle jetzt noch scheitert, erklärt Dr. Peter Engel (BZÄK) im Interview.
 
 

„Junge Zahnärzte benötigen wegen der steigenden wissenschaftlichen Anforderungen der Zahnmedizin eine Approbationsordnung, die diesen Anforderungen gerecht wird. Mit einem 60 Jahre alten Auto lässt sich auch kein Formel-Eins-Rennen gewinnen. Die BZÄK hat sich laufend aktiv in die Diskussionen eingebracht. Im Interesse unserer Patienten und der nachwachsenden Zahnärztegeneration fordern wir, nun endlich zu einem Abschluss zu kommen, um die qualitativ hochwertige zahnmedizinische Versorgung nicht zu gefährden“, sagte BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel.

BLZK fordert mehr Geld für die Lehre

Ähnlich äußerte sich auch Christian Berger, der Präsident der Bayerischen Landeszahnärztekammer (BLZK): „Nun sind auch die Bundesländer im Bundesrat gefordert, endgültig den Weg für eine moderne Approbationsordnung freizumachen. Nur so kann der hohe Ausbildungsstandard gewährleistet und das Berufsbild des Zahnarztes zukunftsfest und nachhaltig weiterentwickelt werden. Die bayerische Gesundheits- und Wissenschaftspolitik steht in der Pflicht, die möglichst rasche Umsetzung der neuen AppO-Z zu unterstützen“. Berger verband seine Stellungnahme mit der Forderung an die Bayerische Staatsregierung, die notwendigen finanziellen Mittel für eine zeitgemäße Lehre bereitzustellen.

Der Bundesverband der Zahnmedizinstudenten in Deutschland (BdZM) zeigte sich erfreut, dass viele seiner Kernforderungen umgesetzt wurden: Darunter eine erhöhte Betreuung in den praktischen Kursen, problemorientierte Lehrveranstaltungen und ein Krankenpflegepraktikum in Kombination mit Famulaturen in Zahnarztpraxen vor oder während des Studiums.

Angehende Zahnärzte sollen nach der Novellierung außerdem bereits im Studium die Patientenrechte und deren strikte Einhaltung in der späteren Berufspraxis lernen. Ein weiterer Schwerpunkt ist das umfassende, neutrale und verständliche Aufklärungsgespräch mit dem Patienten – auch über Kosten und kostenlose Alternativen.

Die ganze Novelle der zahnärztlichen Approbationsordnung des Bundesministeriums für Gesundheit gibt es hier zum Download:

Weitere Informationen zum Thema Patientenaufklärung und Dokumentation lesen Sie auch in unserem aktuellen Themenspecial zum Patientenrechtegesetz.

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Stefanie Hanke ist Redakteurin und veröffentlicht regelmäßig Beiträge im Dental Online Channel.