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Laut einer Umfrage der CompuGroup Medical fühlt sich rund die Hälfte der befragten Mediziner mangelhaft bis ungenügend über die Telematikinfrastruktur informiert. Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was genau ist die Telematikinfrastruktur? Was sind ihre Ziele?
WhatsApp, E-Mail und Co: Die digitale Kommunikation ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Und auch im Gesundheitswesen hat sie sich schon längst etabliert. Die Videosprechstunde per Skype, das Versenden elektronischer Arztbriefe und die Vernetzung von Kliniken zum Informationsaustausch sind nur einige wenige Beispiele.
Aber: Die digitale Verknüpfung lief lange Zeit dezentral. Das bedeutet, dass aufgrund unterschiedlicher IT-Standards die Datenübermittlung nur eingeschränkt möglich war. Hinzu kam, dass nicht jeder Zahnarzt und nicht jede Einrichtung gleich schnell organisatorische Abläufe digitalisierte. So gab es an vielen Stellen Medienbrüche; Papierdokumente wurden eingescannt, um später zum Unterschreiben wieder ausgedruckt zu werden. Ein Mehraufwand und keine Vereinfachung also. Und auch in puncto Datensicherheit fehlten allgemeine Standards.

Diese drei Dinge galt es zu vereinheitlichen. Also sollte eine sektorenübergreifende Plattform für elektronische Kommunikation im Gesundheitswesen eingeführt werden; die „Telematikinfrastruktur“. Der Begriff ist eine Kombination der Wörter „Telekommunikation“ und „Informatik“. Mit der Telematikinfrastruktur sollen alle Akteure im Gesundheitswesen künftig besser miteinander vernetzt und Patienteninformationen schnell und strukturiert ausgetauscht werden. Damit sollen auch in Notfällen sichere und effektive Therapien möglich werden.

Was ist mit den Patientendaten? Sind die sicher?
Die Befürworter sind begeistert von den neuen Möglichkeiten des Datentransfers, Kritiker warnen vor „dem gläsernen Patienten“. Laut der zuständigen Gesellschaft gematik (Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte) tritt die „Telematikinfrastruktur an, das sicherste elektronische Kommunikationsnetzwerk aufzubauen, das es im deutschen Gesundheitswesen je gab“. Der gesicherte Zutritt zum Netzwerk, der nur mittels Authentifizierung mit Praxis- oder Heilberufsausweis möglich ist, und modernste Verschlüsselungstechnik sollen eine hohe Datensicherheit für den Transport gewährleisten.

Um ans Telematiknetz angeschlossen zu werden, benötigt die Praxis neben einem Internetanschluss auch die entsprechende Hardware. Dazu gehören zum einen der Konnektor, eine Art Router, allerdings auf einem deutlich höheren Sicherheitsniveau, und ein Kartenlesegerät.

Wie funktioniert die Vernetzung?
Für die Anbindung an die Telematikinfrastruktur braucht die Praxis u. a. ein neues Bauteil, den Konnektor. Es handelt sich dabei um eine Art Router, allerdings auf einem deutlich höheren Sicherheitsniveau. Der durch die gematik zugelassene Konnektor stellt ein virtuelles privates Netzwerk (VPN) her, ein in sich geschlossenes Kommunikationsnetz, das völlig abgeschirmt vom sonstigen Internet zur Informationsvermittlung genutzt werden kann. Zudem wird ein ebenfalls durch die gematik zugelassenes eHealth-Kartenterminal benötigt. Dies muss direkt mit dem Konnektor und nicht wie bisher direkt mit dem Praxis-PC verbunden werden.
Mit den Kartenterminals werden die elektronische Gesundheitskarte, der elektronische Heilberufsausweis und die Praxis- bzw. Institutionskarten (SMC-B) eingelesen. Mit der Institutionskarte weist sich die Praxis im digitalen Netzwerk des deutschen Gesundheitswesens eindeutig aus, das heißt, der Konnektor kann erst dann eine Verbindung mit dem Netzwerk aufbauen, wenn sich die Praxis autorisiert hat. Die dazu benötigten SMC-B können über die KZV bzw. TSP Trusted Service Provider beantragt werden. Nach einer anschließenden Aktivierung/Freischaltung ist diese dann einsatzbereit.

Die Kartenterminals müssen genauso wie der Konnektor von der gematik zugelassen und vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifiziert werden, um die hohen Sicherheitsstandards der Telematikinfrastruktur einhalten zu können.

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mm
Ist Volontärin in der Redaktion Medizin/Zahnmedizin beim Deutschen Ärzteverlag.