Dentsply Sirona stellte auf der IDS 2017 die Software SICAT Air vor, mit der Protrusionsschienen durch einen Kieferscan, kombiniert mit einer 3D-Röntgenaufnahme, individuell erstellt werden können. © Becher / DÄV

Es beginnt bereits mit der Abdrucknahme beziehungsweise Abformung. Diese kann nach wie vor auf konventionellem Weg erfolgen, ressourcensparender und schneller per Datenübermittlung ist aber zweifelsfrei die optisch-elektronische Abformung (GOZ-Ziffer 0065). Bislang beschreibt diese Leistung insbesondere „die dreidimensionale Datenerfassung intra‧oraler Strukturen mittels optisch-elektronischer Apparaturen zum Zweck der Herstellung einer Restauration bzw. Rekonstruktion auf direktem oder indirektem Weg nach Herstellung eines CAD/CAM-Modells“, wie es die Bundeszahnärztekammer formuliert.

Was ist bei der Nr. 0065 möglich?

Doch gerade die CAD/CAM-Modelle rücken nun auch im Rahmen digitaler Implantatdiagnostik und -planung mehr und mehr in den Vordergrund. Der Fokus der präoperativen Diagnostik und Planung liegt häufig nicht mehr auf der Auswertung zahntechnisch konventionell angefertigter Modelle, sondern auf der PC-gestützten Auswertung der vorhandenen Daten.

Die zahnärztliche Leistung bei Nr. 0065 GOZ besteht aus einer in der Regel intraoralen optisch-elektronischen Abformung einer Kieferhälfte oder des Frontzahnbereichs eines Kiefers (digitale Bilddatengewinnung, Scannung), einer einfachen digitalen Bissnahme (habitueller Biss, Bissfixierung durch inkludierte Zuordnungsaufnahme oder Bissnahmescan), verbunden mit einer dokumentensicheren Archivierung der originalen (nicht weiter bearbeiteten) Ursprungsbilddaten (Definition zu Nr. 0065: siehe Online-Abrechnungslexikon ALEX).

Der genaue Blick lohnt sich

Die Bundeszahnärztekammer stellte bereits 2014 heraus: „… Die PC-gestützte Auswertung zur Diagnose und Planung ist bei dieser Gebührennummer nicht enthalten und muss daher analog berechnet werden.“ Da lohnt sich ein genauer Blick auf die Berechnungsbestimmung der Leistung nach GOZ-Nr. 0065. Diese Leistung kann je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich, also gegebenenfalls bis zu viermal, berechnet werden. Bei „geänderter klinischer Situation“, zum Beispiel bei einer Präparationsabformung nach vorangegangener Planungsabformung, wäre die Leistung nach Nr. 0065 auch in derselben Sitzung wiederholbar. Dabei sind die Leistungen nach den Nrn. 0050 GOZ (ein Planungsmodell, auch Teilabformung eines Kiefers) und 0065 GOZ (eine optisch-elektronisch abgeformte Kieferhälfte/Front) ortsverschieden auch in derselben Sitzung berechnungsfähig. Um Irritationen bei den Kostenerstattern von vornherein auszuschließen, sind entsprechend unterschiedliche Regionangaben für den Leistungsausweis auf der Rechnung Voraussetzung.

Nicht zu vergessen: Gemäß der 2. Allgemeinen Bestimmung zu Abschnitt A der GOZ sind auch bei der optisch-elektronischen Abformung alle verwendeten (verbrauchten) Abformmaterialien nach § 4 (3) GOZ berechnungsfähig. Dazu gehören unter anderem Abformsprays, Abformpuder oder Einmal-Scankörper.

PC-gestützte Auswertung

Ein Aspekt der präoperativen oder prätherapeutischen Diagnostik ergibt sich bei genauer Betrachtung des Leistungstextes der Ziffer 0065: Es ist in der Leistungsbeschreibung nämlich nicht explizit erwähnt, dass es sich bei der Erbringung der Leistung nach Nr. 0065 GOZ grundsätzlich um intraorale Aufnahmen handeln muss. Eine optisch-elektronische Abformung von physischen Modellen zwecks digital-diagnostischer zahnärztlicher Weiterverwendung der Modelldaten fällt also ebenfalls unter die Leistungsbeschreibung der Nr. 0065. Und hier entsteht auch eine der vielen möglichen Situationen, bei denen eine PC-gestützte Auswertung der Datensätze erfolgt, nicht nur im Bereich der Implantologie, sondern zunehmend auch in der Kieferorthopädie und Funktionstherapie.

Wie ist dies nun aus gebührenrechtlicher Sicht einzuschätzen? Die vom Verordnungsgeber vorgesehene Bindung der Nr. 6010 GOZ (3D- oder grafische Modellanalyse/-vermessung) an ein konventionelles, physisches bissfixiertes Modellpaar nach Nr. 0060 GOZ lässt eigentlich keine andere Lösung zu als die Analogberechnung einer „elektronischen“ Modellanalyse, zum Beispiel für eine 3D-Navigationsschablone nach Nr. 9005 GOZ. Die Bundeszahnärztekammer schlägt in ihrer Liste möglicher Analogleistungen die „Computergestützte Auswertung zur Diagnose und Planung der optisch-elektronischen Abformung“ vor. Da diese Auswertung je optisch-elektronischer Abformung erfolgt, wäre auch deren PC-gestützte Auswertung entsprechend der Zahl der Abformungen in Ansatz zu bringen.

Die Archivierung

Wenngleich mit der Leistung nach der Nr. 0065 abgegolten, stellt die Archivierung der gewonnenen Daten eine beinahe größere Herausforderung im Praxisalltag dar als die eigentliche Leistungserbringung. Denn: Die Datensätze müssen sicher, stets rekonvertierbar und dokumenten‧echt archiviert werden. Hinsichtlich der Aufbewahrungszeit kann davon ausgegangen werden, dass diese sich genau wie die konventionelle Modellaufbewahrung derzeit auf zehn Jahre beläuft. Bei den großen technischen Fortschritten in der digitalen Welt besteht die Aufgabe also vor allem darin, die Datensätze so zu archivieren, dass sie auch in zehn Jahren noch in gleicher Form abrufbar sind wie gegenwärtig, dies mit entsprechend dokumentiertem Bearbeitungsverlauf. Sehr wichtig für die Zulässigkeit der Archivierung: jederzeit in Realmodelle transformierbare Daten und die Garantie von Fälschungs- bzw. Dokumentensicherheit.

Wichtig: der Datenschutz

Die zuletzt genannten Anforderungen sind natürlich auch auf die Datenübertragung, beispielsweise an den jeweiligen Hersteller 3D-navigierter Bohrschablonen oder kieferorthopädischer Behandlungsmittel, anzuwenden. Dem Datenschutz kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, zum Beispiel in Form einer E-Mail-Kommunikation mit spezieller Verschlüsselungstechnologie.

Doch so aufwendig diese technischen Feinheiten auch erscheinen mögen, die Vorteile für Patienten und Behandler liegen klar auf der Hand: Behandlungsmittel sind kostengünstiger und schneller herzustellen und der Zeitaufwand für einige Behandlungsabläufe verringert sich wesentlich.


Weitergehende Detailinformationen zur Leistung nach Nr. 0065 GOZ finden Sie auch im Online-Abrechnungswiki ALEX der Zahnärztlichen Abrechnungsgesellschaft unter www.alex-za.de.

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Steffi Scholl
ist Abrechnungsspezialistin und arbeitet seit 2011 bei der ZA Zahnärztlichen Abrechnungsgesellschaft AG in Düsseldorf in der GOZ-Fachabteilung.