© Rawpixel.com - Fotolia

Für viele Abiturienten zerplatzt nach den Prüfungen ein Traum: Zwar ist es seit Jahren ihr Wunsch, Zahnmedizin zu studieren, aber die Abschlussnote reicht einfach nicht aus. Denn die Voraussetzungen für einen Studienplatz sind streng: Je nach Bundesland lag der Numerus clausus (NC) für Zahnmedizin im Sommersemester 2017 zwischen 1,0 (Brandenburg) und 1,5 (Hamburg, Sachsen, Schleswig-Holstein).

Dr. Peter Engel, Präsident der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), hält das für den falschen Weg. Er fordert daher dringend eine Reform des Zulassungsverfahrens. Er unterstützt damit einen Vorstoß von Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK). Montgomery hatte ein neues Zulassungsverfahren für Medizinstudenten gefordert. Die Abiturnote sage nichts über die Kompetenzen eines angehenden Zahnarztes aus, sagte Engel im Telefoninterview mit dem Dental Online Channel:

Dr. Peter Engel im Gespräch mit Stefanie Hanke

Montgomery hatte das aktuelle Zulassungssystem für das Medizinstudium als nicht mehr zeitgemäß bezeichnet. Es sei zwar unstrittig, dass jemand, der in der Schule mühelos gelernt habe, das auch im Studium könne – zum Arztsein brauche es aber mehr: „Wir brauchen nicht nur hoch lernfähige, wissenschaftlich orientierte, potenzielle Nobelpreisträger, sondern wir brauchen auch gute Ärzte, die sich durch soziale Kompetenz auszeichnen und auch bereit sind, aufs Land zu gehen. Deshalb sollten neben der Abiturnote weitere Kriterien für das Auswahlverfahren herangezogen werden. Dazu zählen unter anderem psychosoziale Kompetenzen, soziales Engagement und einschlägige Berufserfahrung“, sagte Montgomery.

Um Medizinstudenten auszuwählen, schlug er Assessment-Center vor, in denen die fachlichen und menschlichen Voraussetzungen für den Arztberuf geprüft werden können. Von den Universitäten forderte er, objektive und transparente Auswahlverfahren hierfür durchzuführen. Für ein solches Verfahren sollten bundeseinheitliche Kriterien festgelegt werden. Außerdem müsse es generell rund zehn Prozent mehr Studienplätze geben, um wieder ausreichend Ärzte für die Patientenversorgung zur Verfügung zu haben.

Forderungen auf das Zahnmedizinstudium übertragbar

BZÄK-Präsident Engel sagte im Interview, diese Forderungen Montgomerys seien hundertprozentig auch auf das Zahnmedizinstudium übertragbar – er unterstütze den Vorstoß der BÄK. Grundsätzlich seien die Hochschulen gefordert, neue Konzepte zur Studienplatzvergabe zu entwickeln.

Am 4. Oktober entscheidet das Bundesverfassungsgericht darüber, ob das aktuelle Vergabeverfahren nach NC mit dem Grundgesetz vereinbar ist.

Artikelempfehlungen

  • Online lernen neben dem Beruf - der Masterstudiengang Parodontologie und Implantattherapie richtet sich an Zahnärzte, die in einer Klinik oder Praxis arbeitenpodcast

    Masterstudiengang Parodontologie und Implantattherapie mit neuen Modulen

    Uni Freiburg: Berufsbegleitend online studieren

    In drei Jahren zum Master of Science in Parodontologie und Implantattherapie – das bietet die Uniklinik Freiburg an. Weil ein großer Teil des Stoffes online vermittelt wird, ist das berufsbegleitende Studium leicht umsetzbar. Im Telefoninterview berichtet ein Absolvent von seinen Erfahrungen.

  • Stärkung für Parodontologie und Implantologie im Studium?

    Weg frei für die neue Approbationsordnung

    Die Bundesregierung hat an diesem Mittwoch die Novelle der zahnärztlichen Approbationsordnung (AppO-Z) beschlossen. Mit dieser Entscheidung hat sie nach über 60 Jahren den Weg für die Neuordnung des Zahnmedizinstudiums geebnet.

Teilen:
mm
Stefanie Hanke ist Redakteurin und veröffentlicht regelmäßig Beiträge im Dental Online Channel.