Dichte der zahnärztlichen CAD/CAM-Systeme in Stadt und Land am Beispiel von Sachsen.
Dichte der zahnärztlichen CAD/CAM-Systeme in Stadt und Land am Beispiel von Sachsen. © Kai Sprenger

Aktualisiert am 23. Juni. Prägnante Zahlen und Trends aus der Dentalbranche liefert die Dr. Kaschny PR GmbH in regelmäßigen Abständen, um damit auch auf die nächste Internationale Dental-Schau (IDS) aufmerksam zu machen. Sie findet vom 9. bis 13. März 2021 in Köln statt. Grundlage der Daten ist der Atlas Dental (genaue Quelle: siehe Ende des Artikels).

Zahnärztliches CAD/CAM-System: eher in der Stadt als auf dem Land
Am Beispiel des Bundeslandes Sachsen zeigt sich, was auch allgemein gelten dürfte: In den größeren Städten und, weniger oder stärker ausgeprägt, in ihrem Umland betreiben Zahnarztpraxen eher ein eigenes CAD/CAM-System als in ländlichen Regionen. So dürften Patienten rund um Dresden, Leipzig und Chemnitz/Zwickau eher von einigen Vorteilen dieser digitalgestützten Fertigungstechnik profitieren (zum Beispiel schnelle Versorgung mit einer Krone).

Dichte der zahnärztlichen CAD/CAM-Systeme in Stadt und Land am Beispiel von Sachsen.
Dichte der zahnärztlichen CAD/CAM-Systeme in Stadt und Land am Beispiel von Sachsen.

Intraoralscanner: Komplett-Digitalisierung aller Praxen in 90 Jahren
Zehn bis 15 Prozent aller deutschen Praxen verwenden einen Intraoralscanner. Bei rund 50.000 Praxen macht das 5000 bis 7500 Praxen. Im Jahr 2017 kam es zu 525 Neuinstallationen (gut ein Prozent der Praxen). Selbst unter der Annahme, dass bei diesem Tempo (also 525 pro Jahr) nur bisher analog abformende Praxen ausgestattet werden und alle vorhandenen Intraoralscanner im Einsatz bleiben, würde eine Ausstattung aller hiesigen Praxen mit einem Intraoralscanner demnach noch über 90 Jahre dauern.

Scanner: 75:10 für das Labor
Hierzulande ist es meist der Zahntechniker, der den Schritt von der analogen Welt in den digitalen Workflow vollzieht. Denn schon 75 Prozent der Dentallabore setzen einen Extraoralscanner ein. Dagegen wird ein Intraoralscanner erst in zehn bis 15 Prozent aller deutschen Praxen verwendet.

Zahnarztwahl – in Zukunft häufiger online
Jeder Dritte nutzt das Internet für die Wahl seines (Zahn-)Arztes. Das ist eines der Ergebnisse einer Studie der Deutschen Apotheker- und Ärztebank, bei den 18- bis 39-Jährigen liegt der Anteil sogar noch höher (43 Prozent). Dabei ist Deutschland nicht einmal der führende Digitalisierer in Europa – zum Beispiel wenn man die Fortschritte bei der Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) als Indikator nimmt. Mit Estland, Finnland und Dänemark, Großbritannien, Nordirland und Spanien sowie der Schweiz und Ungarn sind andere Länder schon weitergekommen.

Pflegebedürftige rücken stärker in den Fokus
Aufgrund der demographischen Entwicklung gewinnt die Therapie älterer Patienten an Bedeutung – das ist bekannt. Bewegung kommt nun in die zahnärztliche Betreuung Pflegebedürftiger. Sie weisen im Vergleich zu gleichaltrigen Nichtpflegebedürftigen einen geringeren Kariessanierungsgrad und mehr Zahnfleischbluten auf, sind zu einem höheren Anteil zahnlos (53,7 %:32,8 %) und benötigen mehr Hilfe bei der Mundhygiene. Doch das Problem ist inzwischen im Bewusstsein von Gesellschaft und Politik verankert. Dies wirkt sich auch in abrechenbaren Zuschlagspositionen und einem entsprechend höheren Honorar bei Hausbesuchen, Behandlungen in Pflegeheimen und auch in der eigenen Praxis aus.

Konsolidierung im Labor- und Praxismarkt
Der deutsche Labormarkt gilt zwar traditionell als ebenso kleinteilig wie wettbewerbsintensiv. Allerdings vereinen die 38 Großlabors (Stand: 2017), jedes davon mit einem Jahresumsatz von über fünf Millionen Euro, 21,4 Prozent Marktanteil auf sich. Dabei machen sie nur 0,53 Prozent aller gewerblichen zahntechnischen Labors aus. Diesen insgesamt 7211 Betrieben steht übrigens die deutlich größere Zahl von 11.290 Praxislabors gegenüber. Im zahnärztlichen Bereich treten als Treiber der Konsolidierung unter anderem Praxisketten auf, mindestens 93 mit insgesamt 296 Standorten (Stand: 2018).

Prophylaxe wächst – und mit ihr die Bedeutung der Prophylaxeassistenz
Die zahnärztlichen Umsätze in der Individualprophylaxe stiegen im Fünf-Jahres-Zeitraum 2014 bis 2018 um 63 Millionen Euro (+ 13,3 Prozent). Dies weist auf die wachsende Bedeutung dieses Bereichs und der verantwortlichen Prophylaxeassistenz hin. Unterstrichen wird das zusätzlich durch die Einführung eines Studiengangs „Dentalhygiene“ im Sommer 2014, dessen hohes Niveau aktuelle Veröffentlichungen von Bachelor-Arbeiten zeigen (Quelle: Einemann, N: Umfangreicher Zahnerhalt durch Parodontitis Behandlung. Prophylaxe Journal 2019;5: 22-24).

Durchschnittlich älter, zunehmend weiblicher, weniger Praxen
So sieht die Zukunft aus, wenn man die Erkenntnisse von 2018 extrapoliert: mehr praktizierende Frauen (Studierenden-Anteil im WS 2017/2018: 64 Prozent), durchschnittlich ältere Behandler (2018: 48,6 Jahre), weniger Praxen (Trend bereits seit 2010). Dennoch ist die Zahl der dort insgesamt Beschäftigten im Aufwind (+ 53.000 auf 365.000 zwischen 2008 und 2017).

Viele Patienten auf engem Raum ziehen noch mehr Zahnärzte an
Große Städte scheinen für Zahnärzte überdurchschnittlich attraktiv zu sein. Nach einer Übersicht über die Bundesländer liegen die Stadtstaaten Hamburg und Berlin mit einer Dichte von 1,13 beziehungsweise 1,21 Zahnärzten pro 1000 Patienten vorn. Auf der anderen Seite der Skala bewegt sich das Saarland. Als einziges Bundesland weist es einen Wert leicht unter dem europäischen Durchschnitt auf (<0,7) – etwa wie im benachbarten Frankreich. Im europäischen Vergleich stehen Hamburg und Berlin dennoch nicht an der Spitze. Sie werden zum Beispiel von Prag noch übertroffen.

Jojo-Effekt: Geringe zahnärztliche Versorgungsdichte in den Niederlanden
Nord- und Südeuropa weisen eine hohe Zahnarzt-Dichte pro 1000 Einwohner auf (0,7 oder mehr). Weniger sind es in der Mitte (Ungarn, Österreich, Schweiz, Frankreich, England: zwischen 0,5 und 0,7) – aber warum tragen die Niederlande so eindeutig die „rote Laterne“ (<0,4)? Eine plausible Erklärung: Nach einer übermäßigen Ausbildung von Zahnärzten in den 1980er-Jahren und nachfolgender Schließung einiger „überflüssiger“ Fakultäten kommt es jetzt zu einem Jojo-Effekt.

Jährlicher Zahnarztbesuch: Wo die Patienten am gewissenhaftesten sind
Mindestens einmal im Jahr zum Zahnarzt – das funktioniert gut in der Mitte Europas, in weiten Teilen Skandinaviens sowie in Großbritannien und Irland. So manchen wird überraschen, dass Irland an der Spitze rangiert. Nur hier suchen über 90 Prozent der Patienten jährlich einmal einen Zahnarzt auf. Ebenso überraschend: Die Schweiz schafft es nur ins Mittelfeld (63 Prozent).

Quelle der Zahlen und Daten: Rebmann B, Heinzmann V., Leonhard E: ATLAS DENTAL – Die Märkte Europas /// Strukturen, Herausforderungen und Szenarien. GFDI Gesellschaft zur Förderung der Dental-Industrie mbH, vertreten durch Heibach M und Sticklies B (Hrsg.). Köln 2018

Artikelempfehlungen

Teilen:
Andreas Berger
Redakteur im Verlag teamwork media.