Investorengetragene Medizinische Versorgungszentren (iMVZ) wirken sich negativ auf die zahnmedizinische Versorgung in Deutschland aus, das belegen zwei neue Gutachten.
Investorengetragene Medizinische Versorgungszentren (iMVZ) wirken sich negativ auf die zahnmedizinische Versorgung in Deutschland aus, das belegen zwei neue Gutachten. © Pixabay

Das versorgungspolitische Gutachten stammt vom IGES-Institut, das Rechtsgutachten von Prof. Helge Sodan von der Freien Universität Berlin. Den Link zu den Gutachten finden Sie unten.

„Die Gutachten zeigen klar und nachvollziehbar, dass die von iMVZ ausgehenden Gefahren für die vertragszahnärztliche Versorgung trotz der Regelung im Terminservice- und Versorgungsgesetz fortbestehen. Der Anteil der iMVZ an der Versorgung beläuft sich inzwischen auf mehr als 20 Prozent an allen MVZ im zahnärztlichen Bereich. Dabei leisten iMVZ kaum einen Beitrag zur Sicherstellung der flächendeckenden Versorgung und lassen sich gerade nicht in strukturschwachen und ländlichen Regionen nieder“, sagt Dr. Wolfgang Eßer, Vorsitzender des Vorstandes der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV).

Stattdessen belegten die Gutachten, dass iMVZ sich vornehmlich in Großstädten und Ballungsräumen ansiedelten, also an Orten mit einer überdurchschnittlich einkommensstarken, jüngeren Bevölkerungsstruktur. iMVZ beteiligten sich auch nicht nennenswert an der Versorgung vulnerabler Gruppen, insbesondere von pflegebedürftigen Menschen und Kindern. „Die Gutachten bestätigen darüber hinaus unsere Sorge, dass in iMVZ zahnmedizinische Entscheidungen von Kapitalinteressen überlagert werden.“

Ende 2015 hat es laut Gutachten in Deutschland elf iMVZ gegeben. Ende 2019 waren es 186 und im ersten Quartal 2020 gab es 207 iMVZ. In acht Planungsbereichen, die überwiegend großstädtisch sind und zwei Prozent aller Planungsbereiche ausmachen, sind laut Gutachten 30 Prozent aller iMVZ-Standorte angesiedelt. Weiter heißt es, dass seit der Zulassung von MVZ durch das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz 2015 „in der vertragszahnärztlichen Versorgung ein dynamisches Vordringen von zahnärztlichen MVZ insgesamt, insbesondere aber von MVZ in der Trägerschaft von Krankenhäusern zu beobachten“ ist. „In Bezug auf letztere besteht dabei weder ein fachlich-medizinischer Zusammenhang – die Krankenhäuser selbst sind i.d.R. gar nicht an der zahnärztlichen Versorgung beteiligt – noch ein regionaler Versorgungsbezug, denn die MVZ werden nicht im Einzugsbereich dieser Häuser gegründet, sondern bevorzugt in großstädtischen, vielfach weit entfernten Regionen.“

Eßer forderte, dass die mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) eingeführte Regelung passgenau fortentwickelt werden muss. Konkret solle vor allem die Konzentration von iMVZ in urbanen, bereits gut bis überversorgten Regionen beschränkt werden. Zudem sei es zwingend notwendig, mehr Transparenz über die Eigentümer- und Beteiligungsstrukturen von iMVZ zu schaffen. „Dazu sollten ein verpflichtendes MVZ-Register geschaffen und in die Zulassungsverordnung für Vertragszahnärztinnen und Vertragszahnärzte spezifisch auf MVZ zugeschnittene Eignungskriterien aufgenommen werden. Angaben von gesellschaftsrechtlichen Eigentümerstrukturen auf Praxisschild und Website von MVZ müssten verpflichtend werden. „Hierfür benötigen wir dringend entsprechende Rechtsgrundlagen. Ein ‚Weiter so‘ auf dem Weg zu mehr Vergewerblichung und Industrialisierung darf es nicht geben.“

Beschränkung der MVZ-Gründungen durch das TSVG

Das im Jahr 2019 beschlossene Terminservice- und Versorgungsgesetz sieht unter anderem eine gestaffelte Beschränkung der Gründungsbefugnis von Krankenhäusern für zahnärztliche MVZ vor. Die Vorgabe des Gesetzgebers richtet sich dabei nach dem Versorgungsgrad des jeweiligen Planungsbereiches. Ungeachtet der Regelung steigt der Anteil investorengetragener MVZ seitdem jedoch weiter an. Im Gutachten heißt es: „Theoretisch ist eine hundertprozentige Abdeckung der zahnärztlichen Versorgung durch (i-)MVZ mit Krankenhausgründern möglich, solange jedes einzelne Krankenhaus den gesetzlich eingeräumten Versorgungsanteil nicht überschreitet.“

Das versorgungspolitische Gutachten des IGES-Instituts und das Rechtsgutachten von Prof. Helge Sodan sind unter www.kzbv.de abrufbar.