Mediziner, kein Handwerker: Die Jahrestagung 2020 der Neuen Gruppe dreht sich um den Arzt im Zahnarzt.
Mediziner, kein Handwerker: Die Jahrestagung 2020 der Neuen Gruppe dreht sich um den Arzt im Zahnarzt. © Adobe Sot

ZahnArzt ist das Motto der Jahrestagung 2020 der Neuen Gruppe. Und ZahnMedizin das der Jahrestagung 2021. Die Betonung von Arzt und Medizin sei wichtig, denn „unsere Verantwortung beschränkt sich nicht auf die Mundgesundheit der Patienten, sondern umfasst – soweit in unseren Möglichkeiten – das gesamtheitliche Wohlergehen der sich uns anvertrauenden Menschen“, sagt Dr. Derk Siebers, Präsident der zahnärztlichen Fachgesellschaft Neue Gruppe. Daraus ergäben sich mehr Verantwortung und Verpflichtungen. „Deshalb widmen wir unsere Jahrestagungen 2020 und 2021 den Themen „ZahnArzt“ sowie „ZahnMedizin“ und arbeiten die medizinischen Aspekte unseres Berufes heraus.“

Es sei wichtig, über den zahnmedizinischen Tellerrand hinauszuschauen. „Es muss uns bewusst sein, dass wir nicht nur für die Gesundheit der Zähne unserer Patienten verantwortlich sind, sondern vielmehr für die Gesundheit der gesamten orofazialen Region und des craniomandibulären Systems“, sagt Siebers. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den jeweiligen Facharztgruppen werde für den Erfolg der Behandlung von vielen multifaktoriell bedingten Erkrankungen immer wichtiger und entscheidend bei der Erzielung des Therapieerfolgs. Das zunehmende Alter der Patienten zum Beispiel und die daraus resultierende Multimorbidität „zwingen uns im Arbeitsalltag immer häufiger, allgemeinmedizinisches Wissen zu besitzen und anzuwenden“.

Seit vielen Jahrhunderten schon sei bekannt, dass Veränderungen in der Mundhöhle und an der Zunge Zeichen für Probleme im Körper sein können. Und bei entsprechender Ausbildung habe der Zahnarzt die Möglichkeit, solche Krankheiten zu erkennen. Zumal er seine Patienten recht oft sehe – meist jeweils zweimal im Jahr. Dr. Derk Siebers: „Natürlich stellt es eine besondere Verantwortung dar, diese Prävention im Sinne der Patienten exakt und gewissenhaft durchzuführen. Aufgrund unserer großen Erfahrung als Zahnärzte um und über das normale Erscheinen der Mundhöhle und Zunge sowie das gesunde Aussehen von oralen Schleimhäuten (Form, Farbe, Beläge etc.) sind wir prädestiniert für die Erkennung und auch die Früherkennung von vielen Erkrankungen.“

Siebers nennt Beispiele:

  • Stoffwechsel- und kardiovaskuläre Erkrankungen könnten zu deutlichen quantitativen und farblichen Veränderungen der Zunge führen: Makroglossie, violett-zyanotische volumenvergrößerte Stauungszunge.
  • Ein Diabetes mellitus könne Veränderungen an der Mund- und Zungenschleimhaut hervorrufen wie Candidiasis, Zungenpapillenatrophie oder Stomatitiden.
  • Zu den bekanntesten Veränderungen gehörten die Erdbeerzunge als Kardinalsymptom des Scharlachs und die Porzellanzunge als typisches Symptom der Syphilis.
  • „Natürlich gehen auch fast alle Haut- und Bindegewebserkrankungen mit Alterationen der Schleimhäute der oralen Kavität einher, wie Lichen ruber, Pemphigus und Sklerodermie.“
  • Mangelerkrankungen, Medikamentennebenwirkungen und chronische Vergiftungen ließen sich oft in der Mundhöhle erkennen.
  • Bei der Früherkennung oraler Karzinome und anderer Malignome komme dem Zahnarzt eine entscheidende Rolle zu.


  • Auch die Therapie nächtlicher Schlafstörungen gehöre zum interdisziplinären Arbeitsbereich des Zahnarztes. Dies setze allerdings Wissen um die zahnärztliche Schlafmedizin voraus. Unterkiefer-Positionierungs-Schienen könnten Betroffenen helfen. Und die Therapie sollte in enger interdisziplinärer Zusammenarbeit mit Internisten, HNO-Ärzten und Somnologen erfolgen. „Und hier sind wir wieder bei der Schnittstelle über die eigentliche Zahnmedizin hinaus.“

    Deshalb ist es der Neue Gruppe wichtig, den Titel der Jahrestagungen 2020 und 2021 „Interdisziplinärer Blick über den Tellerrand“ mit Leben zu füllen. Die mit Bedacht gewählten Referenten machen die international besten Methoden einer zahnärztlichen Behandlung auf lehrreiche, interessante Weise zugänglich. Der praktische Bezug wird mit wissenschaftlichem Background vereint. Die Referenten werden das Wissen der Teilnehmer in den mit der Zahnmedizin assoziierten Fachdisziplinen auffrischen und erweitern. Dazu gehören Hämatologie, Infektiologie, Onkologie, Kardiologie, Mikrobiologie, Oralchirurgie, Hals-, Nasen-, Ohrenmedizin und Schlafmedizin. Zudem werden Psychologie, Soziologie und Medizinethik Bestandteile des Programms sein. Und weil sich der Wandel der Gesellschaft auch zunehmend im zahnärztlichen Alltag bemerkbar macht, werden auch gesamtgesellschaftliche Entwicklungen analysiert und diskutiert.

    Neben der hochwertigen Wissensvermittlung verspricht die Neue Gruppe ein spannendes Rahmenprogramm „mit vibrierendem Berlin-Feeling“.

    Jahrestagung 2020: 19. bis 21. November, Berlin-Mitte, Hotel Radissson Blu Domaquaree.

    Informationen: www.neue-gruppe.com

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