Ein PEEK-Gerüst mit einem der vier horizontal verschraubten Pfeiler aus Titan (basale Ansicht)
Ein PEEK-Gerüst mit einem der vier horizontal verschraubten Pfeiler aus Titan (basale Ansicht)

In den letzten zwei Jahrzehnten werden zahnlose Patienten zunehmend mit verschraubten implantatprothetischen Totalversorgungen behandelt [1, 2]. Diese werden herkömmlicherweise mit starren Metallgerüsten oder neuerdings auch mit starren Zirkonoxidgerüsten gefertigt [3]. Ziel der vorliegenden Studie war es, die Überlebensrate von implantatprothetischen Totalversorgungen mit Gerüsten aus dem Kunststoff Polyetheretherketon (PEEK) zu bewerten, die in der Beobachtungszeit aufgetretenen Probleme zu beschreiben, die Überlebensraten zu ermitteln, das Verhalten des periimplantären Knochens zu untersuchen und die orale Lebensqualität und die Patientenzufriedenheit zu quantifizieren.

Starre Gerüstmaterialien können nicht verhindern, dass Implantate und andere Konstruktionselemente (z.B. Schrauben) lokal überlastet werden, wodurch weitere Schäden oder Frakturen entstehen können [4], die die Lebensqualität insbesondere von Bruxismuspatienten beeinträchtigen. Bei allen etablierten Behandlungsansätzen – Metallkeramik, Vollzirkon, implantatgetragene Kunststoffbrücken mit Metallgerüst– ist noch immer mit klinischen Problemen zu rechnen [5]. Bestimmte Materialien können jedoch okklusale Krafteinwirkungen dämpfen [6]. Die Frage war, ob ein Hochleistungspolymer wie Polyether­etherketon (PEEK) eine gute Alternative zu den etablierten Lösungen sein könnte. Darüber hinaus ist PEEK bei entsprechender Indikation auch angesichts der steigenden Nachfrage von Patienten und Zahnärzten nach metallfreien Restaurationen auf Zirkonoxidimplantaten eine Alternative.

Implantate aus PEEK (Peek-Optima; Invibio, Thornton Cleveleys, Großbritannien) werden seit 15 Jahren klinisch eingesetzt. Mit mehr als fünf Millionen Fällen sind implantierbare Medizinprodukte aus PEEK aufgrund ihrer hervorragenden mechanischen Eigenschaften, ihres geringen spezifischen Gewichts bei hoher Festigkeit und ihrer chemischen Stabilität inzwischen der Standard für eine Vielzahl von medizinischen Anwendungen, darunter die Wirbelsäulenfusion [7].
Auch in der Zahnmedizin wurde PEEK in den letzten zehn Jahren eingesetzt, hauptsächlich in Form von provisorischen Abutments und Einheilkappen, aber das volle Potenzial des Materials ist längst noch nicht ausgeschöpft [8]. Dieses Material ist aufgrund seiner erwiesenen Biokompatibilität und hohen Belastbarkeit äußerst interessant für den Einsatz als Gerüstmaterial für implantatprothetische Totalversorgungen [9]. Die vorliegende Studie betrachtet die klinischen Ergebnisse von PEEK für diese Indikation.

Materialien und Methoden

Ethische Erwägungen

Dieser Bericht ist eine retrospektive Analyse der Patientenfälle eines einzelnen Behandlers in der Privatklinik, deren Leiter eben dieser Behandler ist. Die Zustimmung aller in die Studie einbezogenen Patienten wurde eingeholt.

Patientenauswahl

Für zwischen März 2008 und Oktober 2016 behandelte Patienten wurde eine retrospektive Durchsicht und Analyse der Patientenakten durchgeführt. Es handelte sich dabei um Patienten mit einem zahnlosen Kiefer, die über einen Zeitraum von 18 Jahren mit implantatprothetischen PEEK-Totalversorgungen behandelt worden waren und bereit waren, an einer Nachuntersuchung teilzunehmen. Zwei Patienten, die diese Kriterien erfüllten, konnten nicht einbezogen werden, da sie an Ursachen gestorben waren, die nichts mit ihrer Zahnbehandlung zu tun hatten. 20 Patienten konnten in die Analyse einbezogen werden.

Implantate und Prothetik

Alle Patienten waren mit verschraubten (horizontal, Abb. 1, oder okklusal, Abb. 2) implantatprothetischen Totalversorgungen mit PEEK-Gerüsten behandelt worden. Die PEEK-Oberfläche wurde mit 80 µm Aluminiumoxid bei einem Druck von 2,5 bar abgestrahlt und mit einem Primer (Visio-Link; Bredent, Senden, Deutschland) vorbehandelt. Anschließend wurde das Gerüst mit vorgefertigten mehrschichtigen PMMA-Veneers (novo.lign; Bredent) mit einem speziellen PEEK-Primer (visio.link; Bredent) und einem dualhärtenden Befestigungskomposit (combo.lign; Bredent) verblendet.

Abb. 1 Ein PEEK-Gerüst mit einem der vier horizontal verschraubten Pfeiler aus Titan (basale Ansicht)
Abb. 1 Ein PEEK-Gerüst mit einem der vier horizontal verschraubten Pfeiler aus Titan (basale Ansicht)
Abb. 2 Ein verblendetes PEEK-Gerüst mit vier horizontal verschraubten Pfeilern (okklusale Ansicht)
Abb. 2 Ein verblendetes PEEK-Gerüst mit vier horizontal verschraubten Pfeilern (okklusale Ansicht)

Insgesamt wurden 92 Titanimplantate gesetzt, davon 80 im Oberkiefer und 12 im Unterkiefer. Die verwendeten Implantate waren: 10 × BEGO Semados RS (BEGO, Bremen, Deutschland); 56 × blueSKY (Bredent medical, Senden, Deutschland); 12 × MPI Excellence Astra Tech mit Innenverbindung (Medical Precision Implants, Madrid, Spanien); 4 × MPI Excellence mit Brånemark-Außenverbindung (Medical Precision Implants) und 10 × PITT-EASY (Sybron Dental Specialities, Bremen, Deutschland). Die Implantation und die prothetische Versorgung wurden von Dr. Siewert gemäß den Empfehlungen des Herstellers durchgeführt. 14 Patienten erhielten 67 Implantate, die nach einem verzögerten Protokoll nach einer beobachteten Mindesteinheilzeit von vier Monaten mit dem definitiven PEEK-Zahnersatz belastet wurden. Die verbliebenen 25 Implantate von 6 Pa­tienten wurden mit zehngliedrigen verschraubten PMMA-Versorgungen mit eingeklebten Titanabutments sofortbelastet. Beii ihnen erfolgte die Versorgung mit dem PEEK-Zahnersatz nach frühestens fünf Monaten.

In keinem der Fälle befand sich im Gegenkiefer eine Totalversorgung. Ein Patient hatte eine implantat-/steggetragene Deckprothese, 2 Patienten hatten natürliche Zähne und eine herausnehmbare Modellgussprothese im Seitenzahnbereich, 2 Patienten hatten zementierte Metallkeramikbrücken (Eckzahn zu Eckzahn) mit herausnehmbarem Anteil im Seitenzahnbereich, 1 Patient hatte eine Metallkeramik-Totalversorgung und 2 Patienten hatten ihr natürliches Gebiss, bei den übrigen 12 Patienten waren Einzelkronen oder kurze Keramikbrücken auf natürlichen Zähnen oder Implantaten vorhanden. Die Abbildungen 3 bis 7 zeigen einen repräsentativen Fall über den gesamten Beobachtungszeitraum.

Abb. 3 Ausgangssituation vor der Eingliederung (okklusale Ansicht, Juni 2008)
Abb. 3 Ausgangssituation vor der Eingliederung
(okklusale Ansicht, Juni 2008)
Abb. 4 Verschraubte Totalversorgung mit PEEK-Gerüst in situ (okklusale Ansicht, Juni 2008)
Abb. 4 Verschraubte Totalversorgung mit PEEK-Gerüst in situ
(okklusale Ansicht, Juni 2008)
Abb. 5 Dieselbe Versorgung bei der Nachuntersuchung acht Jahre nach der Eingliederung (Oktober 2016)
Abb. 5 Dieselbe Versorgung bei der Nachuntersuchung acht Jahre nach der Eingliederung (Oktober 2016)
Abb. 6 Panoramaröntgenaufnahme bei der Nachuntersuchung acht Jahre nach der Eingliederung (Oktober 2016)
Abb. 6 Panoramaröntgenaufnahme bei der Nachuntersuchung acht Jahre nach der Eingliederung (Oktober 2016)
Abb. 7 Ansicht des Kiefers ohne die Prothetik bei der Nachuntersuchung acht Jahre nach der Eingliederung (Oktober 2016)
Abb. 7 Ansicht des Kiefers ohne die Prothetik bei der Nachuntersuchung acht Jahre nach der Eingliederung (Oktober 2016)

Status der Patienten

Alle Patienten waren nach der prothetischen Versorgung von Dr. Siewert nachbehandelt worden. Sie alle wurden aufgefordert, sich zwischen Oktober und Dezember 2016 zu einer weiteren Untersuchung in der Klinik einzufinden. 18 von 20 Patienten leisteten dieser Aufforderung Folge. Für die 2 fehlenden Patienten wurden die Daten aus der früheren Nachuntersuchung in die Analyse einbezogen. 8 Patienten mussten wegen Versagens von metallkeramischen Restaurationen auf natürlichen Zähnen oder Implantaten behandelt werden. Ursachen waren Keramikfrakturen, Gerüstfrakturen, Frakturen von Zahnwurzeln oder Frakturen oder Verlust von Implantaten. Diese Pa­tienten wurden aufgrund ihres Bruxismus als besondere Risikogruppe eingestuft.

Klinische und radiologische Untersuchungen

Zur Beurteilung des Knochenschwundes wurden von allen Patienten extraorale Panoramaröntgenaufnahmen angefertigt (Instrumentarium OP100 D Dental Panoramic X Ray; KaVo Dental, Biberach, Deutschland). Die Panoramaaufnahmen vom Tag der Eingliederung des Zahnersatzes wurden als die jeweilige Ausgangssituation betrachtet; von allen teilnehmenden Patienten wurde am Ende des Beobachtungszeitraums eine abschließende Panoramaaufnahme gemacht. Da es sich um eine klinisch retrospektive Studie handelte, wurden die Röntgenaufnahmen nur insoweit standardisiert, als sie von derselben Person mit demselben Gerät unter Einhaltung eines strengen Positionierungsprotokolls durchgeführt wurden. Die digitalen Daten wurden dann mit der dentalen Bildgebungssoftware Cliniview (Kavo Dental) nach dem folgenden Protokoll analysiert: Jedes Bild wurde durch Anpassung von Helligkeit, Kontrast und Gamma optimiert und anschließend vor den mesialen und distalen Längenmessungen kalibriert (Abb. 8 a und b). Um die Messgenauigkeit zu verbessern, wurde der zu vermessende Bereich entsprechend verstärkt. Gemessen wurde der Abstand zwischen der Implantatschulter und dem höchsten Punkt des krestalen Knochens auf der distalen und mesialen Seite des Implantats.

Abb. 8 (hier a): Repräsentatives Beispiel Fall für ein Vermessungsprotokoll des mesialen und distalen periimplantären Knochenniveaus auf der Panorama-Röntgenaufnahme. (a) Ausgangssituation nach Kalibrierung und Eingliederung der definitiven Versorgung (September 2013). (b) Situation bei der Nachuntersuchung nach erneuter Kalibrierung (November 2016)
Abb. 8 (hier a): Repräsentatives Beispiel Fall für ein Vermessungsprotokoll des mesialen und distalen periimplantären Knochenniveaus auf der Panorama-Röntgenaufnahme. (a) Ausgangssituation nach Kalibrierung und Eingliederung der definitiven Versorgung (September 2013). (b) Situation bei der Nachuntersuchung nach erneuter Kalibrierung (November 2016)
Abb. 8 (hier b): Repräsentatives Beispiel Fall für ein Vermessungsprotokoll des mesialen und distalen periimplantären Knochenniveaus auf der Panorama-Röntgenaufnahme. (a) Ausgangssituation nach Kalibrierung und Eingliederung der definitiven Versorgung (September 2013). (b) Situation bei der Nachuntersuchung nach erneuter Kalibrierung (November 2016)
Abb. 8 (hier b): Repräsentatives Beispiel Fall für ein Vermessungsprotokoll des mesialen und distalen periimplantären Knochenniveaus auf der Panorama-Röntgenaufnahme. (a) Ausgangssituation nach Kalibrierung und Eingliederung der definitiven Versorgung (September 2013). (b) Situation bei der Nachuntersuchung nach erneuter Kalibrierung (November 2016)

Bei der klinischen Nachuntersuchung wurde auch der Zustand des periimplantären Gewebes bewertet (Taschentiefe und Blutung auf Sondierung). Für jeden Patienten wurde eine klinische Untersuchung auf Periimplantitis durchgeführt, wobei die Implantate wie folgt kategorisiert wurden: kumulativer Knochenschwund > 2 mm, Sondierungstiefen > 4 mm bei gleichzeitiger Blutung und/oder Eiterung, Implantatmobilität und kraterähnlichen Defekten [10–15].

Auch das Überleben des Implantats und der Prothetik wurde ausgewertet. Das Versagenskriterium lautete dabei: „Implantat oder prothetische Versorgung mussten aus irgendeinem Grund entfernt werden.“ Auch wurden Angaben zu unerwünschten Ereignissen einschließlich Eintrittsbedingungen und Gegenmaßnahmen registriert. Solche unerwünschten Ereignisse erforderten nicht immer notwendigerweise ein Entfernen der Restauration. Weiterhin wurden das Erscheinungsbild der Prothetik sowie eventuelle Komplikationen in Zusammenhang mit Abutments oder Befestigungskomponenten untersucht.

Am Ende des Beobachtungszeitraums (Ende 2016) wurden die Patienten gebeten, die Umfrage zum Profil der Auswirkungen auf die Mundgesundheit in einer validierten spanischen Version (OHIP-14Sp) [16] auszufüllen, die mit einer angepassten Likert-Skala (0 = geringste Auswirkungen/niemals, 4 = höchste Auswirkungen/immer) bewertet wurde. Unabhängig davon wurden alle 20 Patienten gebeten, ihre Zufriedenheit auf einer Skala von 1 bis 10 zu bewerten
(1 = geringste Zufriedenheit/extrem unzufrieden, 10 = größte Zufriedenheit/extrem zufrieden).

Ergebnisse

Patientenstatistiken

Die durchschnittliche Nachbeobachtungszeit nach der Implantation betrug 77 (18–105) Monate. Die durchschnittliche Nachbeobachtungszeit nach Eingliederung der prothetischen Versorgung betrug 56 (14–105) Monate.

Primäre Zielvariablen: Überlebensraten der Implantate und der prothetischen Versorgung

Die Implantatüberlebensrate war hoch (99 %), wobei nur 1 von 92 Implantaten nach 7 Jahren Belastung versagte, und zwar bei einem Patienten mit einer schweren Parodontitis und einer Krebstherapie in der Vorgeschichte, bei dem vor der Implantation alle verbliebenen Zähne extrahiert worden waren.

Die Überlebensrate der PEEK-Versorgungen war ebenfalls (100 %) hoch: Keine der 20 Totalversorgungen musste während des Beobachtungszeitraums entfernt werden.

Klinische und radiologische Untersuchung

Der Knochenverlust wurde zu verschiedenen Zeitpunkten nach der Eingliederung der PEEK-Versorgungen gemessen. Nach durchschnittlich 54 Monaten betrug der Knochenverlust 0,2 ± 1,0 mm auf der mesialen Seite und 0,3 ± 0,8 mm auf der distalen Seite.
Nur ein Implantat (1 %) war von Periimplantitis betroffen; die anderen 91 Implantate wiesen während des Beobachtungszeitraums keine Anzeichen von Periimplantitis auf.

Prothetische Komplikationen im Sinn von Abutmentkorrosion, Adhäsionsverluste oder Schraubenlockerungen wurden nicht beobachtet. Chipping trat bei den Verblendungen in 5 Fällen auf, die in zwei Gruppen unterteilt werden konnten. Die erste Gruppe umfasste 2 Fälle von frühzeitigem Chipping innerhalb des ersten Monats nach der Eingliederung, zurückzuführen auf Fehler bei der Befestigung (Abb. 9 a und b). Nach der Reparatur im Dentallabor wurden keine weiteren Fälle dieser Art mehr beobachtet. Die zweite Gruppe umfasst 3 Fälle von sogenanntem „late chipping“, Frakturen einzelner Verblendungen nach mehreren Jahren in Funktion aufgrund von Veränderungen im Okklusionsmuster (Abb. 10); sie traten nur in der Untergruppe der Patienten mit Bruxismus auf, und in allen drei Fällen konnte die notwendige Reparatur direkt in der Klinik erfolgen.

Abb. 9 a und b (hier a): Beispiele für ein frühzeitiges Chipping (innerhalb des ersten Monats nach Eingliederung), verursacht durch Mängel bei der Befestigung im Labor
Abb. 9 a und b (hier a): Beispiele für ein frühzeitiges Chipping (innerhalb des ersten Monats nach Eingliederung), verursacht durch Mängel bei der Befestigung im Labor
Abb. 9 a und b (hier b): Beispiele für ein frühzeitiges Chipping (innerhalb des ersten Monats nach Eingliederung), verursacht durch Mängel bei der Befestigung im Labor
Abb. 9 a und b (hier b): Beispiele für ein frühzeitiges Chipping (innerhalb des ersten Monats nach Eingliederung), verursacht durch Mängel bei der Befestigung im Labor
Abb. 10 Beispiele für Chipping erst sechs Jahre nach der Eingliederung, verursacht durch okklusale Abrasion der PMMA-Verblendungen
Abb. 10 Beispiele für Chipping erst sechs Jahre nach der Eingliederung, verursacht durch okklusale Abrasion der PMMA-Verblendungen

18 Patienten füllten zwischen Oktober und Dezember 2016 den OHIP-14-Fragebogen aus.

Die maximal mögliche Punktzahl beim OHIP-14 beträgt 56 Punkte, was dem ungünstigsten möglichen Wert für die orale Lebensqualität (oral health-related quality of life, OHRQoL) entspricht; der beste mögliche Wert beträgt 0 Punkte. Die durchschnittliche Gesamtpunktzahl beim OHIP-14 betrug 3,1 ± 3,3 (0–12) Punkte nach einer durchschnittlichen Beobachtungszeit von 58 Monaten. Bei 66,7 % der Patienten betrug die Gesamtpunktzahl 3 oder weniger, bei 27,8 % der Patienten sogar 0. Über die Angaben im OHIP-14-Fragebogen hinaus wurden alle 20 Patienten in der Studie gebeten, ihre Zufriedenheit auf einer Skala von 1 bis 10 zu bewerten. Die Patientenzufriedenheit war mit einem Durchschnittswert von
9,3 ± 0,9 hoch.

Bruxismuspatienten

Es wurde eine Teilmenge von 8 Patienten mit Bruxismus (Zähneknirschen oder Zähnepressen) gebildet, bei denen die durchschnittliche prothetische Behandlungszeit 51 Monate betrug. Alle 8 Pa­tienten füllten den OHIP-14-Fragebogen aus; die durchschnittliche Gesamtpunktzahl für diese Gruppe lag mit 3,9 ± 3,4 ebenfalls niedrig. Die 8 Patienten mit Bruxismus bewerteten ihre Zufriedenheit mit 9,4 auf einer Skala von 1 bis 10. Bei ihnen betrug die Überlebensrate von Implantaten die Prothetik 100 %, der Knochenverlust war gering (0,1 ± 0,8 mm mesial und 0,3 ± 0,8 mm distal), und Periimplantitis trat nicht auf.

Diskussion

In mehreren Studien wurden die Überlebensraten von Implantaten und Zahn­ersatz bei festsitzenden implantatprothetischen Totalversorgungen untersucht. Die dabei berichtete Überlebensrate für die Implantate nach 5 Jahren liegt mit 94,3 % hoch [17], ebenso die Überlebensrate der Totalversorgungen mit 91,4 % [18, 19]. Bei den 20 in dieser Studie betrachteten Patienten betrug die Überlebensrate der Implantate 99 % und die der Prothesen 100 %. Diese erhöhten Überlebensraten könnten auf die größere Flexibilität des PEEK-Materials (geringerer Elastizitätsmodul als Titan [20]) zurückzuführen sein, was die Dämpfungseigenschaften der Prothetik verbessert [21, 22]. So kann ein Teil der Kaukräfte abgefedert werden, was den Tragekomfort verbessert und möglicherweise dazu beiträgt, die periimplantäre Knochensubstanz besser zu erhalten.

Der Knochenabbau um die Implantate herum wurde mit etwa 0,19 mm pro Jahr angegeben [23]. Nach fünf Jahren betrug den Berichten zufolge der durchschnittliche marginale Knochenverlust etwa 1,5 mm [24]. In der vorliegenden Studie wurde ein deutlich geringerer Knochenverlust beobachtet (0,2 ± 1,0 mm mesial und 0,3 ± 0,8 mm distal), was mit den beschriebenen günstigeren Dämpfungseigenschaften der PEEK-Versorgungen zusammenhängen könnte. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass der Elastizitätsmodul der verblendeten PEEK-Gerüste eher eine zu 100 % passive Passform garantiert als starre Konstruktionen, da erstere geringfügige Abweichungen ausgleichen können.

Periimplantitis ist eine infektiöse Erkrankung des Gewebes um osseointegrierte Implantate, die mit einem Verlust von Stützknochen und klinischen Entzündungszeichen einhergeht. Die Prävalenz von Periimplantitis wurde mit etwa 10 % der Implantate angegeben [17, 25]. Die in dieser Studie beobachtete geringe Inzidenz von Periimplantitis (1,1 %) könnte auf den guten Knochenerhalt um die Implantate herum zurückzuführen sein, der wiederum aus den verbesserten Dämpfungseigenschaften des PEEK-Materials abgeleitet werden könnte. Ein weiterer Faktor, der eine geringe Inzidenz der Periimplantitis begünstigen könnte, ist die Abwesenheit von Metall in den PEEK-Versorgungen.

Es wurden nämlich Bedenken hinsichtlich Korrosion und der Freisetzung von Metall­ionen durch die galvanische Kopplung von metallischer Prothetik und metallischen Implantaten geäußert [26, 27], was in dieser Studie durch die Verwendung einer metallfreien Prothese vermieden wurde. Die natürliche Inaktivität und Biokompatibilität des PEEK-Materials [7] könnte zusammen mit der Flexibilität des Materials, die einen besseren passiven Sitz ermöglicht, ebenfalls dazu beitragen, das Gewebe langfristig gesund zu erhalten.

Bei nur einem Patienten – mit einer schweren Parodontitis in der Vorgeschichte – wurde eine Periimplantitis beobachtet. Zwar war nur eines von insgesamt vier Implantaten im Unterkiefer betroffen, doch muss angenommen werden, dass Patienten mit einer Parodontitisdiagnose einem höheren Periimplantitisrisiko ausgesetzt sind [28–30].

Ebenfalls ist anzunehmen, dass die verbesserten Dämpfungseigenschaften des Implantat-Prothetik-Systems die orale Lebensqualität sehr positiv beeinflussen [31]. In den OHIP-14-Fragebögen erzielten die 18 Patienten sehr niedrige Punktwerte, wobei 94 % von ihnen nie oder fast nie Schmerzen und 89 % von ihnen nie oder fast nie eine Empfindlichkeit verspürten oder gebissbezogene Beschwerden hatten. Die OHIP-14-Werte entsprachen der von allen 20 Patienten berichteten Zufriedenheit, die mit 9,3 auf einer Skala von 1 bis 10 äußerst hoch war. In anderen OHIP-14-Studien bei Patienten mit implantatprothetischen Totalversorgungen hatten nur rund 75 % der Patienten nie oder fast nie Probleme und waren sehr zufrieden [32]. Ähnlich wie die klinischen Ergebnisse schienen auch Patientenzufriedenheit und Tragekomfort bei Verwendung von PEEK-Prothetik günstiger zu sein.

Die möglichen Auswirkungen von PEEK als prothetisches Material auf Schmerzlinderung und Tragekomfort sind für Patienten mit Parafunktionen (Bruxismus, Pressen) noch wesentlich relevanter. Von Zähnepressen, auch als zentrischer Bruxismus bezeichnet, sollen bis zu 20 % aller Patienten betroffen sein; dieses Syndrom steht in dem Ruf, übermäßige okklusale Belastungen von Implantaten und Prothesen zu verursachen, was zu übermäßigem Knochenschwund um die Implantate, Implantatversagen und auch zu Schäden an der Prothetik selbst führen kann [33, 34].

Von den hier betrachteten 20 Patienten war eine Teilmenge von 8 Patienten von Parafunktionen betroffen. Die OHIP-14-Werte dieser Teilmenge blieben mit 3,9 niedrig, wobei diese Patienten ihre Zufriedenheit mit 9,4 auf einer Skala von 1 bis 10 als hoch einstuften. Diese Patienten zeigten nach einer durchschnittlichen Beobachtungsdauer von 51 Monaten Implantat- und prothetische Überlebensraten von 100 % und nur ein sehr geringes Ausmaß an Knochenabbau (Abb. 11 a und b) und dazu keinerlei Periimplantitis. Die Nachuntersuchungen zeigten, dass die Situation im Gegenkiefer im Lauf der Jahre stabil blieb – ohne weiteren Zahnverlust, ohne Parodontitis und ohne Knochenabbau.

Abb. 11 a Panoramaröntgenaufnahme eines Patienten mit Bruxismus vier Monate nach Eingliederung der prothetischen Versorgung
Abb. 11 a Panoramaröntgenaufnahme eines Patienten mit Bruxismus vier Monate nach Eingliederung der prothetischen Versorgung
Abb. 11 b Panoramaröntgenaufnahme desselben Patienten 70 Monate nach der Eingliederung
Abb. 11 b Panoramaröntgenaufnahme desselben Patienten 70 Monate nach der Eingliederung

Es wurden keine Unterschiede in der oralen Lebensqualität und dem klinischen Ergebnis zwischen der Teilmenge der Patienten mit Parafunktion und den übrigen Patienten beobachtet. Dies scheint darauf hinzudeuten, dass die Vorteile einer prothetischen Versorgung mit ausgeprägteren Dämpfungseigenschaften auch und gerade für Patienten mit Parafunktionen deutlich sind und ihre Lebensqualität im Vergleich zu den starreren Prothesen auf Metallbasis erheblich verbessern.

Schlussfolgerung

Innerhalb der Grenzen dieser Studie zeigten Patienten mit PEEK-Totalversorgungen hohe Überlebensraten von Implantaten und Prothetik bei geringem periimplantärem Knochenabbau und einer geringen Inzidenz von Periimplantitis. Die orale Lebensqualität und die Patientenzufriedenheit erwiesen sich auch bei Patienten mit Bruxismus als äußerst zufriedenstellend. Die einzige prothetische Komplikation war ein gelegentliches Chipping der Verblendung, sodass da­rauf zu achten ist, diese Verblendung sehr genau und sorgfältig zu befestigen. Auf der anderen Seite war die Häufigkeit von Chipping bei Patienten mit Bruxismus geringer als in der Literatur berichtet. Ein Vorteil des Materials liegt darin, dass es sich direkt in der Praxis unproblematisch reparieren lässt.

Es wird angenommen, dass die beobachteten Verbesserungen der oralen Lebensqualität und der klinischen Ergebnisse mit dem besseren Dämpfungsverhalten der PEEK-Prothetik zusammenhängen könnten, was möglicherweise dazu beiträgt, den Knochen um die Implantate herum zu erhalten und Schmerzen und Beschwerden des Patienten – auch bei Bruxismus – zu reduzieren. Eine prospektive Studie mit einer größeren Zahl von Patienten wäre vorteilhaft.

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Dr. Bernd Siewert
Madrid, Spanien