Gegenüberstellung der Vorher- und Nachhersituation: Die beiden Einser wirken jetzt harmonisch in ihrer Form, Farbe und Dimension. Die Implantatkrone tritt natürlich aus dem Weichgewebe aus und erscheint wie gewachsen.
Gegenüberstellung der Vorher- und Nachhersituation: Die beiden Einser wirken jetzt harmonisch in ihrer Form, Farbe und Dimension. Die Implantatkrone tritt natürlich aus dem Weichgewebe aus und erscheint wie gewachsen.

Bei der Herstellung einer Implantatkrone in der Front wird deutlich, wie sehr ein natürliches Weichgewebeprofil und die Harmonie zu den Nachbarzähnen das Gesamtergebnis beeinflussen. Die Herausforderung hinsichtlich des ästhetischen Resultats verdoppelt sich, wenn ergänzend zur Implantat­krone der Nachbarzahn mit einem Veneer rekonstruiert werden soll. Wie es dennoch gelingt, sicher und vorhersagbar zu einem ästhetischen Ergebnis zu gelangen, zeigen die beiden Autoren und betonen, dass eine erfolgreiche implanatatprothetische Rekonstruktion auf einer Kombination aus biologischen sowie technischen Faktoren und dem gekonnten Zusammenspiel aus Chirurgie, Prothetik und Zahntechnik basiert.

Frage zum Behandlungskonzept

Wie tief sollte man ein Implantat in der ästhetischen Zone einsetzen, damit man das Emergenzprofil korrekt gestalten kann?
PD Dr. Arndt Happe: Grundsätzlich gilt als Faustregel, dass die Implantatschulter circa 3 mm apikal des zukünftigen bukkalen Weichgewebesaums liegen sollte.
Bei einem ausgeprägten Scalloping (Niveauunterschied von Papillenspitze zu margo mucosae) von 3 mm, kann die Implantatschulter also zum Teil 6 mm unterhalb des Weichgewebes liegen. Deswegen macht es Sinn, ein Implantatsystem mit Plattformswitching oder konischer Verbindung zu benutzen, da man so approximal besser Abstand zum Parodont der Nachbarzähne halten kann. Je größer die Differenz zwischen dem geometrischen Durchmesser des Implantats und dem anatomischen Durchmesser des zu ersetzenden Zahns, desto mehr vertikalen Raum benötigt der Zahntechniker, um das Emergenzprofil zu entwickeln.

Die implantatprothetische Rekonstruktion eines einzelnen oberen Frontzahns ist eine der schwierigsten Herausforderungen der dentalen Implantologie. Die „Beziehung“ zwischen Implantat und Krone wird dabei primär von biologischen Faktoren und technischen Aspekten bestimmt. Im vorliegenden Artikel wird gezeigt, wie die sorgfältige chirurgisch-implantologische Arbeit mit einer wohlüberlegten technisch-prothetischen Umsetzung vollendet wird.

Herausforderung 1: Implantatkrone

Die Hart- und Weichgewebeintegration des Implantats sowie die ästhetische Einheit und das funktionelle Zusammenspiel der Restauration mit den oralen Gegebenheiten sind das Ziel einer implantatprothetischen Rekonstruktion. Den Weg dahin bestimmen viele einzelne Bausteine, die in ihrer Summe das Ganze ergeben. Dies sind beispielsweise:

  • Die dreidimensionale Positio­nierung des Implantats
  • Das Implantatsystem (zum Beispiel Platform Switching)
  • Der Erhalt beziehungsweise die Rekonstruktion von Weich- und Hartgewebe
  • Das Design und Material des ­Abutments
  • Ein ausgeformtes Emergenzprofil („Austrittsprofil durch das Weich­gewebe“)
  • Das Material für die prothetische Restauration
  • Die Morphologie und die lichtoptischen Eigenschaften der Restauration


  • Große Bedeutung kommt der Rot-Weiß-Ästhetik einer Restauration zu. Damit fest verbunden ist das Erscheinungsbild der periimplantären Weichgewebe (Emergenzprofile) sowie der harmonische Verlauf der Mukosa. Um ästhetischen Ansprüchen Genüge zu tun, müssen die Weichgewebestrukturen optimal gemanagt werden. Dies unterliegt einerseits patientenspezifischen Faktoren wie etwa der Weichgewebedicke und andererseits der Erfahrung und dem Wissen des Chirurgen sowie des Prothetikers und Zahntechnikers. Entscheidenden Einfluss auf das ästhetische Ergebnis hat das Emergenzprofil, das vom Abutment geformt wird. Idealerweise befindet sich die Implantat-Abutment-Verbindung etwa drei bis vier Millimeter unterhalb des Weichgewebesaums. Voraussetzung dafür ist die korrekte dreidimensionale Positionierung des Implantats. Im Gegensatz zu dem geometrischen kreisrunden Implantatdurchmesser, folgt das Design des Abutments im subgingivalen Bereich der natürlichen anatomischen Emergenz eines Zahns. Eines Zahns, der verloren gegangen ist und prothetisch-restaurativ ersetzt werden muss.

    Herausforderung 2: Gemischtes Doppel

    Häufig sind für das gelungene Gesamtergebnis einer implantatprothetischen Therapie im Frontzahngebiet korrigierende Maßnahmen an den natürlichen Nachbarzäh­n­en notwendig. Anhand eines Patientenfalls wird ein mögliches Vorgehen gezeigt, wobei der Fokus auf der prothetischen beziehungsweise zahntechnischen Umsetzung liegt. Die doppelte Versuchung: Es muss im Sinne eines optimalen ästhetischen Ergebnisses eine Implantatkrone mit einem Veneer auf dem Nachbarzahn in Einklang gebracht werden. Die ohnehin schon große Herausforderung „Implantat in der ästhetischen Zone“ wird für den Zahntechniker durch das Einbinden einer Veneer-Restauration nochmals erhöht. Verschiedene Werkstoffe (Zirkonoxid, Glaskeramik), verschiedene farbgebende Untergründe (präparierter Zahn, Zirkon­oxid-Abutment), verschiedene Dimensionen, die es prothetisch zu überbrücken gilt – die Herausforderung ist gleich in zweifacher Sicht hoch. Umso gründlicher muss gearbeitet werden.

    Patientenfall

    Ausgangssituation

    Der Patient konsultierte die Praxis mit einer implantatprothetischen Restauration in regio 21, die alio loco angefertigt wurde und bereits zweimal aufgrund einer Peri­implantitis von einem Kieferchirurgen nachaugmentiert werden musste (Abb. 1 und 2). Aus klinischer Sicht verdeutlicht unter anderem das Röntgenbild die Problematik: Im periimplantären Bereich sind crestale Knocheneinbrüche sichtbar. Das die Krone umgebende Weichgewebe hat sich zurückgezogen und wirkt unnatürlich; das Abutment schimmert hindurch. Zudem genügen Zahnform, Zahnfarbe und Oberflächentextur ästhetischen Ansprüchen nicht; die Implantatkrone 21 ist zu breit. Würde man allerdings die Breite des natürlichen Zahns 11 als Referenz übernehmen, müsste man mit einem Diastema arbeiten. Diese Problematik wurde mit dem Patienten diskutiert und entschieden, den Platz stattdessen neu aufzuteilen. Dafür sollte Zahn 11 mit einem Veneer versorgt und so eine harmonische Zahnbreite der beiden mittleren Inzisiven erreicht werden. Nach Abnahme der Implantatkrone wurde ersichtlich, dass augmentiertes partikuläres Knochenersatzmaterial nicht integriert und der periimplantäre Knochen arrodiert war (Abb. 3 und 4).

    1 Ausgangssituation des ersten Falls: Implantatrestauration regio 21 mit verschiedenen biologischen und ästhetischen Problemen
    1 Ausgangssituation des ersten Falls: Implantatrestauration regio 21 mit verschiedenen biologischen und ästhetischen Problemen
    2 Die Situation im Röntgenbild zeigt periimplantäre Knochenresorptionen und ein konkaves submuköses Abutmentdesign.
    2 Die Situation im Röntgenbild zeigt periimplantäre Knochenresorptionen und ein konkaves submuköses Abutmentdesign.
    3 Nach Abnahme der Krone wurde nicht eingeheiltes, partikuläres Knochenersatzmaterial sichtbar.
    3 Nach Abnahme der Krone wurde nicht eingeheiltes, partikuläres Knochenersatzmaterial sichtbar.
    4 Nach Aufklappen des Zahnfleischs wurden größere periimplan­täre Knochendefekte ersichtlich.
    4 Nach Aufklappen des Zahnfleischs wurden größere periimplan­täre Knochendefekte ersichtlich.

    Aufgrund der Vorgeschichte, der suboptimalen Implantatposition und des suboptimalen Implantatdurchmessers wurde in Absprache mit dem Patienten von einer erneuten Periimplantitis­behandlung abgesehen und eine Explantation mit späterer Nachimplantation geplant (Abb. 5 und 6). Das Röntgenbild (siehe Abb. 29) zeigte ein ungünstiges konkaves Abutmentdesign. Der transgingivale Bereich einer Implantatrestauration und damit das Abutment sind Teil der Restauration. Entscheidend ist die dreidimensionale Gewebearchitektur. Die Abstützung der periimplantären Gewebe ist mit dieser Abut­mentform (transgingival) nicht möglich. Idealerweise folgt das Abutment im basalen Bereich dem trichterförmigen Design der Emergenz eines natürlichen Zahns, sodass ein natur­identisches Austrittsprofil resultiert, das eine Implantatkrone – im Ideal­fall – wie einen gewachsenen Zahn wirken lässt.

    5 & 6 (hier 5): Behutsame Explantation des Implantats mittels Piezochirurgie
    5 & 6 (hier 5): Behutsame Explantation des Implantats mittels Piezochirurgie
    5 & 6 (hier 5): Behutsame Explantation des Implantats mittels Piezochirurgie
    5 & 6 (hier 6): Behutsame Explantation des Implantats mittels Piezochirurgie

    Nach der Explantation des Implantats regio 21 wurden in korrekter dreidimensionaler Position ein Implantat mit tiefer, konischer Verbindungsgeometrie und Indexierung inseriert und Hart- sowie Weichgewebe aufgebaut. Als Interims­ersatz wurde der Patient während der Einheilphase mit einer provisorischen Klebebrücke versorgt (CoCr-Gerüst, mit Komposit verblendet).

    Erste Konsultation mit dem Zahntechniker

    Nach dem Einheilen des Implantats erfolgten im ersten Schritt der zahntechnischen Arbeit die Farbanalyse sowie die ästhetisch-funktionelle Bewertung der Ausgangssitua­tion. Die Dentalfotografie spielt dabei eine wichtige Rolle. Zur Beurteilung der Zahnfarbe dienten Aufnahmen mit einer klassischen Farbskala (Vita classical A1–D4 Farbskala) sowie ergänzend dazu Aufnahmen mit Kreuzpolarisationsfilter (Abb. 7 und 8). Mit diesem Filter lassen sich Reflexionen eliminieren und somit der Helligkeitswert und die Charakteristika der natürlichen Zähne identifizieren. Allerdings dienen die ermittelten Werte lediglich als Anhaltspunkt. Bei der Betrachtung der Ausgangssituation (vgl.  Abb. 1) zeigte sich unter anderem, dass Zahn 11 an der Inzisalkante „ausgefranst“ ist, was jedoch die kleinere Herausforderung darstellte. Primär fällt die unterschiedliche Breite der beiden Frontzähne auf. Die Lücke in regio 21 war im Verhältnis zum Zahn 11 sehr breit. Um diese Diskrepanz auszugleichen und eine Balance beziehungsweise Harmonie der Zahnformen anstreben zu können, sollte Zahn 11 mit einem Veneer versorgt werden. Nach Abnahme der provisorischen Brücke und der Präparation des Zahns 11 erfolgte die Implantat-Überabformung (Abb. 9), sodass die Modelle hergestellt werden konnten (Steckstumpf- oder Geller-Modell).

    7 & 8 (hier 7): Farbanalyse mit einer klassischen Farbskala sowie mithilfe eines Polarisationsfilters
    7 & 8 (hier 7): Farbanalyse mit einer klassischen Farbskala sowie mithilfe eines Polarisationsfilters
    7 & 8 (hier 8): Farbanalyse mit einer klassischen Farbskala sowie mithilfe eines Polarisationsfilters
    7 & 8 (hier 8): Farbanalyse mit einer klassischen Farbskala sowie mithilfe eines Polarisationsfilters
    9 Überabformung nach der Veneerpräparation des Zahns 11 sowie Aufschrauben des Abformpfostens in regio 21
    9 Überabformung nach der Veneerpräparation des Zahns 11 sowie Aufschrauben des Abformpfostens in regio 21

    Erarbeiten einer natürlichen Emergenz

    Bevor am Modell das Emergenzprofil entsprechend der gewünschten trichterförmigen Ausformung radiert werden kann, muss das Austrittsprofil für die Implantatkrone definiert werden. Dafür diente ein Prototyp aus Kunststoff, der CAD/CAM-gestützt hergestellt wurde. Ziel dieses Dummys ist es – im Sinne eines Set-ups –, die Zahnform zu definieren und auf diesem Weg den idea­len Weichgewebeverlauf zu eruieren. Dafür wurde das Modell digitalisiert, sodass in der CAD-Software in regio 11 und 21 Konfektionszähne aufgestellt werden konnten. Das Verwenden von Konfektionszähnen aus der Bibliothek der CAD-Software hat den Vorteil, dass sich der Zahntechniker von seiner oftmals charakteristischen und „eingefahrenen“ Gestaltung der Zahnform entfernt und neuen Input erhält; ein häufig erfrischender Blick über den Tellerrand. Im Bereich des Implantats wurde der Zahn nicht in die Alveole konstruiert, sondern basal in Form eines Brückenglieds gestaltet. Nur so kann mittels der eigentlichen Zahnform ein natürlicher Austritt der Krone aus dem Weichgewebe realisiert werden.

    Der Prototyp wurde aus zahnfarbenem PMMA gefräst und auf das Modell gesetzt (Abb. 10 und 11). Da das „Brückenglied“ (die Implantat­krone) basal freiliegend gestaltet war, konnte der zervikale Anteil mit einem Skalpell beziehungsweise einem Stift imaginär verlängert und somit ein ideales Austrittsprofil auf dem Modell skizziert werden (Abb. 12 bis 15). Diese Skizze bildete die Vorgabe für das Radieren des Emergenzprofils. Das Radieren erfolgte mit einem Fissurenbohrer in einem Winkel von circa 45°; die biologische Breite (Abb. 16) bleibt dabei unangetastet. Die Form der Radierung erinnert an einen Trichter oder einen Weinkelch.

    10 CAD/CAM-gestützt gefertigter Prototyp aus PMMA auf dem Modell
    10 CAD/CAM-gestützt gefertigter Prototyp aus PMMA auf dem Modell
    11 Ansicht von palatinal: In regio des Implantats liegt der Restaurationsprototyp basal nicht auf.
    11 Ansicht von palatinal: In regio des Implantats liegt der Restaurationsprototyp basal nicht auf.
    12 Verlängerung des Zahnhalses mit einem dünnen Bleistift auf das Modell
    12 Verlängerung des Zahnhalses mit einem dünnen Bleistift auf das Modell
    13 Aus der Übertragung entsteht die Geometrie des Emergenzprofils; der optimale Austritt der Implantatkrone aus dem Zahnfleisch.
    13 Aus der Übertragung entsteht die Geometrie des Emergenzprofils; der optimale Austritt der Implantatkrone aus dem Zahnfleisch.
    14 Modellansicht mit angezeichnetem Emergenzprofil von frontal
    14 Modellansicht mit angezeichnetem Emergenzprofil von frontal
    15 Das Emergenzprofil wurde entsprechend der angezeichneten Form radiert.
    15 Das Emergenzprofil wurde entsprechend der angezeichneten Form radiert.
    16 Die biologische Breite definiert die anatomische Struktur oberhalb der Implantatschulter (bindegewebige Adhäsion). Als mittlerer Wert wird in der Literatur eine Dimension von circa 3 bis 4  mm angegeben.
    16 Die biologische Breite definiert die anatomische Struktur oberhalb der Implantatschulter (bindegewebige Adhäsion). Als mittlerer Wert wird in der Literatur eine Dimension von circa 3 bis 4  mm angegeben.

    Herstellen des Abutments

    Auch das Abutment wurde CAD/CAM-gestützt aus Zirkonoxid gefertigt. Da die Breitenverhältnisse beider zentraler Inzisiven neu gestaltet werden sollten, galt es, den Nachbarzahn mit einem Veneer zu versorgen. Dies musste bei der Konstruktion des Abutments beachtet werden. Um gleichmäßige lichtoptische Eigenschaften der doch unterschiedlichen Restaurationsformen zu erzielen, mussten annähernd ähnliche Dimensionen erarbeitet werden. Daher wurde das Abutment adäquat zu der Form des präparierten Zahns 11 konstruiert. Über die Spiegel-Funktion der Software lässt sich dies relativ einfach umsetzen. Das Ergebnis waren zwei Pfeiler, die bezüglich ihrer Stärke, Dimension, Lichteinstrahlung und Lichtbrechung eine fast identische Basis für die Verblendung und somit eine gleichmäßige Farbwirkung boten. Mit einem klassischen Silikonschlüssel konnte das aus Zirkonoxid gefräste Abutment hinsichtlich seiner Dimension und Passung auf dem Modell geprüft werden (Abb. 17 und 18). Mittels eines kleinen Schlitzes im palatinalen Bereich des Modells lässt sich kontrollieren, ob das Abutment „satt“ auf dem Titanaufbau aufsitzt. Die Arbeit mit einer abnehmbaren Zahnfleischmaske kann diesbezüglich fehlerbehaftet sein. Auf eine abnehmbare Zahnfleischmaske wird in solchen Indikationen verzichtet. Zum einen lässt sich das Emergenzprofil auf einer Zahnfleischmaske schlecht radieren, zum anderen ist die Passungskontrolle aufgrund der Flexibilität des Materials erschwert. Auf dem Gipsmodell hingegen lassen sich eventuelle Störstellen sehr genau eruieren.

    17  Das Zirkonoxid-Abutment auf dem Modell. Die Kontrolle der Dimensionen erfolgte mit einem klassischen, mehrfach geteilten Silikonschlüssel.
    17  Das Zirkonoxid-Abutment auf dem Modell. Die Kontrolle der Dimensionen erfolgte mit einem klassischen, mehrfach geteilten Silikonschlüssel.
    18 Um annähernd gleiche farbtragende Voraussetzungen zu schaffen, wurde das Zirkonoxid-Abutment an die Geometrie des Pfeilerzahns angepasst.
    18 Um annähernd gleiche farbtragende Voraussetzungen zu schaffen, wurde das Zirkonoxid-Abutment an die Geometrie des Pfeilerzahns angepasst.

    Ästhetische Umsetzung

    Während die Grundform der Zähne mit dem Prototyp definiert worden war, lag nun der Fokus vollends auf der keramischen Schichtung. Bei der Farbanalyse der natürlichen Zähne – insbesondere von Zahn 11 – zeigte sich ein lebendiges internes Farbspiel. Der Zahn wies starke Charakteristika auf, was sich auch noch nach der Präparation des Schmelzes zeigte. Diese farblich sensiblen Bereiche mussten als Grundierung auf das Zirkon­oxid-Abutment überführt und dieses daher entsprechend koloriert werden (Abb. 19).

    19 Feuerfester Stumpf mit aufgebrachter Konnektormasse und daneben das kolorierte Zirkonoxid-Abutment
    19 Feuerfester Stumpf mit aufgebrachter Konnektormasse und daneben das kolorierte Zirkonoxid-Abutment

    Veneer und Implantatkrone wurden parallel zueinander geschichtet. Grundsätzlich wird immer mit dem gleichen Verblendkeramiksystem gearbeitet, um gleichmäßige lichtoptische Eigenschaften zu erzielen. In diesem Fall wurde als ein in sich geschlossenes System eine Verblendkeramik für Zirkonoxid verwendet. Mit dieser Keramik wurde also die Implantatkrone auf dem Zirkonoxid-Abutment und das Veneer auf einem feuerfesten Stumpf geschichtet. Beim ersten Brand wurde mit Dentin die Form erarbeitet und mit einer Melange aus Inzisalmasse und Dentin die natürliche Transluzenz der Schneidekante angelegt (Abb. 20). Für den zweiten Brand konnte bei der Schichtung dann der Fokus auf die Reproduktion der farblichen Charakteristika gelegt werden.

    20 Schichtung der beiden Restaurationen: Mit dem ersten Brand (Dentinmassen und Melange aus Dentin- und Inzisalmasse) wurde die Form erarbeitet und die Basis für die Schneidekante angelegt.
    20 Schichtung der beiden Restaurationen: Mit dem ersten Brand (Dentinmassen und Melange aus Dentin- und Inzisalmasse) wurde die Form erarbeitet und die Basis
    für die Schneidekante angelegt.

    Auf die Anlage der farblichen Charakteristika folgten der Brand und das sorgfältige Ausarbeiten der Oberflächentopografie. Für das Einarbeiten der Makro- und Mikrotextur sowie das Ausarbeiten der Zahnform sind entsprechende Anzeichnungen auf den keramischen Restaurationen hilfreich. Werden die Anzeichnungen fotografisch festgehalten und am Bild vergrößert betrachtet, vereinfacht dies die Beurteilung der Texturen (Abb. 21). Die Makrostruktur wird primär von Randleisten und Wülsten geprägt, woraus das optische Erscheinen der Restaurationen resultiert. Lichtreflexionen, die durch Leisten hervorgerufen werden, beeinflussen die optische Wirkung der Zahnform. Die Mikrostruktur orientiert sich an den Oberflächencharakteristika der natürlichen Nachbarzähne. Mit einem Feinschliff wurden mit bloßem Auge kaum sichtbare Perikymatien sowie feine Rillen mit gewelltem Verlauf und zarte Grübchen eingearbeitet. Das Zusammenspiel vieler Feinheiten gipfelte in einer lebendigen Oberflächenstruktur.

    21 Skizzierte Oberflächentopografie (Makro- und Mikrotexturen) auf den beiden Frontzahnrestaurationen
    21 Skizzierte Oberflächentopografie (Makro- und Mikrotexturen) auf den beiden Frontzahnrestaurationen

    Als finale Arbeitsschritte folgten der Glanzbrand und die manuelle Politur respektive das Einstellen des Glanzgrads (Abb. 22 bis 24). Ein seidenmatter Glanz lässt die keramische Oberfläche natürlich wirken und offenbart, ob das Zusammenspiel aus Textur sowie lichtoptischen Phänomenen gelungen ist.

    22 Die beiden Kronen nach dem Glanzbrand und vor der manuellen Politur
    22 Die beiden Kronen nach dem Glanzbrand und vor der
    manuellen Politur
    23 Ansicht von palatinal: Die Implantatkrone wurde durchverschraubt gestaltet.
    23 Ansicht von palatinal: Die Implantatkrone wurde durchverschraubt gestaltet.
    24 Der Glanzgrad wurde manuell eingestellt. Die lebendige Topografie der Oberfläche wird für ein natürliches Lichtspiel im Mund sorgen.
    24 Der Glanzgrad wurde manuell eingestellt. Die lebendige
    Topografie der Oberfläche wird für ein natürliches Lichtspiel
    im Mund sorgen.

    Ergebnis

    Das Einsetzen der Restaurationen erfolgte gemäß Protokoll. Das Veneer wurde adhäsiv mit dem Zahn 11 verklebt und die Abut­mentkrone (direkt verblendetes Abu­tment) mit dem Implantat regio 21 verschraubt. Die keramischen Restaurationen fügen sich in Gestalt und Farbe sehr natürlich ein (Abb. 25 und 26). Das periimplantäre Weichgewebe ist mit der Implantatkrone exakt in einen optimalen Verlauf gebracht worden. Es wurde nur geringer Druck auf das Weichgewebe ausgeübt, um die aufgebauten Strukturen nicht zu überlasten. Im Ergebnis zeigt sich eine Implantatkrone, die wie gewachsen wirkt. Auf dem Abschlussröntgenbild ist das Abutmentdesign mit der trichterförmigen Adaption des Emergenzprofils sichtbar (Abb. 27 und 28). Der Vergleich der Vorher- mit der Nachhersituation verdeutlicht, wie wichtig das Zusammenspiel von biologischen und technischen Faktoren für das Gesamtergebnis ist.

    25 & 26 (hier 25): Gegenüberstellung der Vorher- und Nachhersituation: Die beiden Einser wirken jetzt harmonisch in ihrer Form, Farbe und Dimension. Die Implantatkrone tritt natürlich aus dem Weichgewebe aus und erscheint wie gewachsen.
    25 & 26 (hier 25): Gegenüberstellung der Vorher- und Nachhersituation: Die beiden Einser wirken jetzt harmonisch in ihrer Form, Farbe und Dimension. Die Implantatkrone tritt natürlich aus dem Weichgewebe aus und erscheint wie gewachsen.
    25 & 26 (hier 26): Gegenüberstellung der Vorher- und Nachhersituation: Die beiden Einser wirken jetzt harmonisch in ihrer Form, Farbe und Dimension. Die Implantatkrone tritt natürlich aus dem Weichgewebe aus und erscheint wie gewachsen.
    25 & 26 (hier 26): Gegenüberstellung der Vorher- und Nachhersituation: Die beiden Einser wirken jetzt harmonisch in ihrer Form, Farbe und Dimension. Die Implantatkrone tritt natürlich aus dem Weichgewebe aus und erscheint wie gewachsen.
    27 & 28 (hier 27): Vorher- (oben) und Nachher- (unten) -Röntgenbild im Vergleich: Die Aufnahmen verdeutlichen die komplett unterschiedliche Gestaltung des periimplantär-restaurativen Interfaces. Links ein Abutment ohne, rechts eine Abutment mit Platform Switching. Letzteres erlaubt eine tiefere Platzierung des Implantats, was wiederum dafür sorgt, dass man eine komplett unterschiedliche transginigivale Abutmentform gestalten kann. Diese Gestaltung der Schnittstelle zwischen Implantat und Restauration trägt letztlich maßgeblich zum Erfolg der Restauration bei.
    27 & 28 (hier 27): Vorher- (oben) und Nachher- (unten) -Röntgenbild im Vergleich: Die Aufnahmen verdeutlichen die komplett unterschiedliche Gestaltung des periimplantär-restaurativen Interfaces. Links ein Abutment ohne, rechts eine Abutment mit Platform Switching. Letzteres erlaubt eine tiefere Platzierung des Implantats, was wiederum dafür sorgt, dass man eine komplett unterschiedliche transginigivale Abutmentform gestalten kann. Diese Gestaltung der Schnittstelle zwischen Implantat und Restauration trägt letztlich maßgeblich zum Erfolg der Restauration bei.
    27 & 28 (hier 28): Vorher- (oben) und Nachher- (unten) -Röntgenbild im Vergleich: Die Aufnahmen verdeutlichen die komplett unterschiedliche Gestaltung des periimplantär-restaurativen Interfaces. Links ein Abutment ohne, rechts eine Abutment mit Platform Switching. Letzteres erlaubt eine tiefere Platzierung des Implantats, was wiederum dafür sorgt, dass man eine komplett unterschiedliche transginigivale Abutmentform gestalten kann. Diese Gestaltung der Schnittstelle zwischen Implantat und Restauration trägt letztlich maßgeblich zum Erfolg der Restauration bei.
    27 & 28 (hier 28): Vorher- (oben) und Nachher- (unten) -Röntgenbild im Vergleich: Die Aufnahmen verdeutlichen die komplett unterschiedliche Gestaltung des periimplantär-restaurativen Interfaces. Links ein Abutment ohne, rechts eine Abutment mit Platform Switching. Letzteres erlaubt eine tiefere Platzierung des Implantats, was wiederum dafür sorgt, dass man eine komplett unterschiedliche transginigivale Abutmentform gestalten kann. Diese Gestaltung der Schnittstelle zwischen Implantat und Restauration trägt letztlich maßgeblich zum Erfolg der Restauration bei.

    Zusammenfassung

    Grundsätzlich basiert der Erfolg der implantatprothetischen Rekonstruktion immer auf der biologischen Osseointe­gration des Implantats, der adäquaten Weichgewebeausformung und der ästhetisch-funktionellen Integration der Implantatkrone. Im vorgestellten Fall galt es, eine „doppelte Versuchung“ zu erfüllen. Zusätzlich zur ohnehin schon großen Herausforderung „Implantat im Frontzahnbereich“ erschwerte die Kombination mit einem Veneer die Situation. Ohne das Einbeziehen des Nachbarzahns in die prothetische Rekonstruk­tion wäre das ästhetische Ergebnis kompromissbehaftet gewesen. In Absprache mit dem Patienten sollte bei hohen ästhetischen Ansprüchen der konsequente Weg gegangen und – wenn notwendig – sollten Nach­barzähne auf minimalinvasivem Weg in die Rekonstruktion einbezogen werden. Für den Zahntechniker gilt es in solchen Fällen, eine möglichst einheitliche Basis für die ästhetische Umsetzung zu schaffen.

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      Dienstleistung von Camlog: Patient28Pro

      Neue Garantie bei Implantatverlust: Patient und Behandlerteam abgesichert

      Bei Implantatverlust bietet eine neue Dienstleistung von Camlog kostenlose Ersatzleistungen für die Neuversorgung, also Implantate inklusive Prothetik und Hilfsteile. Mit Patient28Pro ist nicht nur der Patient abgesichert, sondern auch das gesamte Behandlerteam und das Labor - weitgehend unabhängig von der Ursache des Implantatverlustes.

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    PD Dr.  Arndt Happe
    Arndt Happe studierte 1989 bis 1994 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster Zahnmedizin und absolvierte danach eine oralchirurgische Weiterbildung (Prof. Dr. Dr. G. Habel, Münster; Dr. J. Schmidt und B. Schulte, Brilon; Prof. Dr. F. Khoury, Olsberg). Während dieser Zeit promovierte er bei Prof. Dr. U. Ehmer (Kieferorthopädische Abteilung der ZMK-Klinik Münster) und Prof. Dr. D. Jones (experimentelle Orthopädie) über Knochenumbauprozesse. Seit Januar 1999 ist er in Münster als Zahnarzt niedergelassen. Nach diversen Fort- und Weiterbildungen erhielt Dr. Happe im Jahr 2003 die Berechtigung zur Durchführung von Hospitationen und Supervisionen im Rahmen des Curriculum Implantologie der Deutschen Gesellschaft für Implantologie und die Ermächtigung zur Weiterbildung „Oralchirurgie“ durch die Zahnärztekammer Westfalen-Lippe. Seit 2010 realisiert er Forschungsprojekte mit der Abteilung für MKG-Chirurgie, Oralchirurgie und Implantologie der Uniklinik Köln (Direktor Prof. Dr. Dr. J. E. Zöller), wo er sich 2013 habi­litierte und die venia legendi für das Fach Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde erhielt. Neben seinem Praxisalltag ist Dr. Arndt Happe als Referent in verschiedenen Postgraduiertenprogrammen für Implantologie, Parodontologie und Ästhetik sowie als Autor nationaler und internationaler Publikationen bekannt. Seine Arbeitsschwerpunkte: Frontzahnästhetik und vollkeramische Versorgungen, Ästhetik in der Implantologie, Augmentationschirurgie, Piezochirurgie, Weichgewebsmanagement und Mikrochirurgie. 2018 veröffentlichte er zusammen mit Dr. Gerd Körner das Fachbuch „Erfolg mit Implantaten in der ästhetsichen Zone“, ein Buch über implantologische Behandlungsstrategien.
    Ztm. Pascal Holthaus
    Pascal Holthaus absolvierte seine Ausbildung zum Zahntechniker von 1993 bis 1997 in Osnabrück. 2003 folgte die Weiterbildung zum Zahntechnikermeister in Münster. Bis 2016 arbeitete er bei Dentaltechnik Sinnott in Osnabrück. 2017 hat er sich in Münster mit „Pascal Holthaus Zahntechnik“ selbstständig gemacht. Seine Schwerpunkte sind die Frontzahnästhetik und Vollkeramik. Der talentierte Zahntechniker ist Referent und veröffentlicht in deutschsprachigen und internationalen Fachjournalen.