© Schweiger/Güth/Plitz

Dr. Joachim Wever
studierte nach abgeschlossener Zahntechnikerausbildung Zahnmedizin in Bonn und ist seit 1994 niedergelassen in eigener Praxis in Langenfeld. Seit 2015 formt er ausschließlich optisch ab.

 

PD Dr. Jan-Frederik Güth
ist leitender Oberarzt an der Poliklinik für zahnärztliche Prothetik, Universität München. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die digitale Abformung und innovative Behandlungskonzepte.

 

Dr. Andreas Adamzik
ist seit 1996 niedergelassen in eigener Praxis in Dorsten und führt seit Oktober 2009 eine Zweigpraxis in Gelsenkirchen-Resse. 2013 hat er auf den vollständigen digitalen Workflow umgestellt.

 

Rune Fisker
Vice President Product Strategy, Ph.D., MBA Business Unit Director, Dental Lab and Dental Clinic bei 3Shape. In dieser Position ist er weltweit verantwortlich für den TRIOS Instraoralscanner und neue Scan- und Softwarelösungen.

 

ZT Josef Schweiger
ist Leiter des Zahntechnischen Labors an der Poliklinik für zahnarztliche Prothetik der Universität München und entwickelte mit Pro. Dr. Florian Breuer das Münchener Implantatkonzept.

 

Hier finden Sie die Bildergalerie zum Expertenzirkel:

Bildergalerie zum Expertenzirkel

 

Scandomäne Implantatprothetik

Diverse Softwaretools bieten viele neue individuelle Möglichkeiten zur Therapie: vom Ganzkieferscan beim Patientenerstkontakt bis zu Verlaufskontrollen. In unserer Bildergalerie zeigen wir neue Möglichkeiten, die in der näheren Zukunft schon Alltag in den Praxen sein könnten.
 
 

Herr Dr. Adamzik, Sie bieten in Ihren Praxen die konventionelle Abformung überhaupt nicht mehr an. Benötigen Sie sie tatsächlich bei keiner Indikation?

Adamzik: Nein, selbst die Funktionsabformung läuft bei uns digital. Und die Patienten sind begeistert. Wir haben unseren gesamten Workflow darauf umgestellt. Am Anfang, beim Patientenerstkontakt, steht der Ganzkieferscan.

Quasi als Ausgangsbefund, wie ein OPG?

Adamzik: Genau, im jährlichen Recall lassen sich so Veränderungen nachvollziehen, vom Okklusionsmuster über Verschiebungen im Biss bis hin zu Abrasionen.

Wie soll das funktionieren?

Adamzik: Ich vergleiche die Ausgangsaufnahmen mit den Folge-scans. Dazu gebe ich die Daten derzeit an ein externes Labor, das mit mir zusammenarbeitet und über eine Matchingsoftware verfügt.

Fisker: Bald, voraussichtlich Anfang 2018, bieten wir dazu die entsprechenden Softwaretools an. Dreh- und Angelpunkt wird der „Dental Desktop“ sein, eine neue vereinheitlichte Plattform zum Ausführen aller erhältlichen Apps in einer integrierten Umgebung. Damit geben wir dann die App zum digitalen Patientenmonitoring frei, die es Zahnärzten ermöglicht, Veränderungen im Zeitverlauf durch das Vergleichen intraoraler Scans präzise zu messen. Zudem bieten wir eine neue App an, die patientenspezifischen Bewegungen folgt. Damit lässt sich die dynamische Artikulation am Bildschirm anzeigen und erfassen.

Dennoch legen die meisten Zahnärzte den Abformlöffel nicht aus der Hand. Warum nicht?

Fisker: Aus Furcht, der gesamte Praxis- und Laborablauf würde auf den Kopf gestellt. Das ist die größte Implementierungshürde überhaupt, aber auch das größte Missverständnis. Denn der eigentlich Scan-Workflow ist simpel. Der Zahnarzt nimmt den optischen Abdruck, sendet die Daten ans Labor und erhält den Zahnersatz. Das war’s (siehe Kasten).

Wever: Man lässt sich natürlich auf etwas Neues ein. Die Zusammenarbeit mit dem Zahntechniker ändert sich, das ganze Team muss geschult werden – das erfordert schon einen gewissen Mut.

Den viele Zahnärzte noch immer nicht haben …

Wever: Den sie aber wirklich haben sollten. Denn die Vorteile, vor allem für die Patientencompliance, sind enorm. Ich arbeite seit fünf Jahren mit dem Scanner. Vor zwei Jahren haben auch wir komplett auf die digitale Abformung umgestellt und damit viele neue Patienten gewonnen. Sie sind begeistert von der Technik und der Präzision. Der optische Abdruck unterstützt perfekt das Aufklärungsgespräch. An der am Bildschirm dargestellten Gebisssitua‧tion erkennen Patienten den Behandlungsbedarf viel besser.

Schweiger: Doch oft gelingt es noch nicht, das Labor ins Boot zu holen. Nicht alle Zahntechniker sind in ihrer digitalen Entwicklung schon so weit, dass sie die online erstellten Daten problemlos weiterverarbeiten können. Einerseits sind oftmals die infrastrukturellen Voraussetzungen nicht gegeben, um die Daten weiterverarbeiten zu können. Andererseits sind vielfach auch die Mitarbeiter nicht auf dem notwendigen digitalen Ausbildungsstand.

Güth: Auch der noch hohe Preis dürfte nach wie vor eine Implementierungshürde sein. Viele Kollegen scheuen die Investition von 25 000 bis 30 000 Euro, weil ihnen der direkte Mehrwert fehlt. Dazu kommen technologische Limitationen. Mit der Genauigkeit eines Ganzkieferscans hapert es unserer Meinung nach auch noch.

Dr. Adamzik und Dr. Wever sehen das etwas anders.

Güth: Es kommt natürlich auf den Scanner an. Da wünsche ich mir einen objektiven wissenschaftlichen Vergleich der Systeme, vor allem mit Blick auf die Dimensionen und Verzüge bei einem Ganzkieferscan. Da gibt es noch zu wenig wissenschaftliche Untersuchungen hinsichtlich verschiedener Systeme. Schließlich ist „Intraoralscanner nicht gleich Intraoralscanner“. Zurzeit laufen weltweit an unterschiedlichen Universitäten, auch bei uns in München, in Zürich und auch in Gießen meines Wissens Studien in puncto Ganzkieferscan und Genauigkeit.

Schweiger: Wir vermissen vor allem, dass Intraoralscanner keine schädelbezügliche Position in den analogen Artikulator überführen können. Diese Schnittstelle wünschen wir uns, um Ungenauigkeiten und einen Rückschritt in der Funktion ausschließen zu können.

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mm
Redakteurin Medizin Zahnmedizin im Deutschen Ärzteverlag, Schwerpunkte: Implantologie, Parodontologie, Endodontologie, digitale Zahnheilkunde.