Neben restaurativen Methoden tragen regenerative Maßnahmen in der Zahnmedizin und der Mund-, Kiefer- und plastischen Gesichtschirurgie (MKPG) in unterschiedlichen Indikation entscheidend zum Behandlungserfolg bei. Vor allem in der Parodontologie und der Implantologie sind regenerative Methoden etabliert. Dabei sind je nach Indikation die chirurgische Technik, die Knochentransplantation sowie die minimalinvasive biomaterialbasierte Regeneration von großer Bedeutung.
Eine weitere Alternative, die sowohl minimalinvasiv ist als auch autolog gewonnen werden kann, sind Blutkonzentrate. Diese werden aus dem patienteneigenen peripheren Blut hergestellt. Grundsätzlich werden bei allen Blutkonzentraten Blutbestandteile durch Zentrifugation getrennt beziehungsweise in Phasen konzentriert. Das Hauptziel liegt darin, patienteneigene Blutbestandteile und deren Wachstumsfaktoren zu verwenden, um Wundheilung und Regeneration zu unterstützen [1].

In 2001 wurde das sogenannte Platelet-Rich Fibrin (PRF) erstmals beschrieben [2]. PRF ist das einzige Blutkonzentrat, das ohne jegliche externe Zusätze wie Antikoagulanzien, in zwei unterschiedlichen Formen, das heißt flüssige und/oder solide Matrix, hergestellt werden kann (Abb. 1 und 2) [1, 3]. Nach einmaliger Zentrifugation entsteht ein Konzentrat aus Thrombozyten, Leukozyten, Plasmaproteinen und Signalmolekülen, die in ein Fibringerüst eingebettet sind. Viele Studien konnten die Bioaktivität von PRF und seine Kapazität, unterschiedliche Wachstumsfaktoren freizusetzen, nachweisen. Wichtige Wachstumsfaktoren sind unter anderem: der Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF), der für die Angiogenese und Vaskularisierung essenziell ist, der Epidermal Growth Factor (EGF), der eine wichtige Rolle in der Epithelialisierung spielt, sowie der Platelet-Derived Growth Factor (PDGF), der maßgeblich zur Wundheilung beiträgt [4, 5].
Bereits im Jahr 2014 konnten erste Untersuchungen zeigen, dass die Höhe der angewendeten Zentrifugalkraft während der Herstellung von Blutkonzentraten einen enormen Einfluss auf ihre Zusammensetzung, die Konzentration der darin eingeschlossenen Blutkomponenten und deren Bioaktivität hat. Daraufhin konnte das sogenannte Low Speed Centrifugation Concept (LSCC) beschrieben werden [1, 3]. Es besagt, dass Blutkonzentrate, die mittels einer hohen Zentrifugalkraft hergestellt werden, signifikant weniger Blutzellen (Thrombozyten und Leukozyten) enthalten und signifikant geringere Konzentrationen an Wachstumsfaktoren freisetzen können. Im Vergleich dazu steigt die Anzahl dieser Zellen und Wachstumsfaktoren bei einer niedrigen Zentrifugalkraft. Die Reduktion der angewendeten Zentrifugalkraft führt also zu einer bioaktiveren Matrix, die mit Blutzellen und deren Wachstumsfaktoren angereichert ist (Abb. 3) [1, 3].

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Prof. Dr. Dr. Dr. Shahram Ghanaati
Universitätsklinikum der Goethe-Universität, Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum Frankfurt am Main
Sarah Al-Maawi