Implantat 500x; massive organische Verunreinigung der Gewindeaußenkanten © Dr. Dirk U. Duddeck, www.cleanimplant.com

Ein Team der Uniklinik Köln und der Charité Universitätsmedizin Berlin hat in den vergangenen zehn Jahren rund 250 steril verpackte Implantate in drei konsekutiven REM-Untersuchungen analysiert [Duddeck, 2009; Duddeck et al., 2013; Duddeck et al.; 2015]. Das Ergebnis: In diesem Zeitraum hat die Belastung von Implantaten mit auffälligen Rückständen erheblich zugenommen. Und das, obwohl es heute technisch durchaus möglich ist, rückstandsfreie Implantate herzustellen – das belegen die zahlreichen unbelasteten Proben.

Besonders beunruhigend: Bei den nachgewiesenen Verunreinigungen auf steril verpackten Implantaten handelt es sich nicht nur um Elementspuren im Nanometerbereich. Es wurden auch klinisch relevante Partikelgrößen von 0,5 bis 10 µm gefunden. Wenn sich diese Partikel während der Implantatinsertion lösen, können sie sich im kortikalen Knochen sammeln und im Körper des Patienten eine Fremdkörperreaktion auslösen. Diese wiederum geht einher mit einer verstärkten Osteoklastenaktivität, die in der ersten Einheilungsphase einen frühzeitigen Knochenverlust zur Folge haben kann [Trindade et al., 2016].

„Smoking gun“ noch nicht gefunden

Der endgültige Beweis, dass es einen ursächlichen Zusammenhang zwischen bestimmten Rückständen und beispielsweise einer sich früh entwickelnden Periimplantitis gibt, steht bisher noch aus. Zu diesem Thema will das CleanImplant-Projekt künftig weitere Studien durchführen.

Duddecks Studien zufolge können weder die CE-Kennzeichnung noch die Zulassung der US-Arzneimittelbehörde FDA einen zuverlässigen Hinweis auf die Reinheit der Implantate geben. Deshalb haben auf der vergangenen IDS 2017 Mitglieder der CleanImplant Foundation gemeinsam mit Vertretern der Industrie einen neuen Qualitätsnachweis vorgestellt: Die „CleanImplant Trusted Quality“-Auszeichnung wird jeweils für die Dauer von zwei Jahren verliehen. Dafür müssen die Implantate nicht nur evidenzbasierte, wissenschaftliche und klinische Langzeitstudien vorweisen können, sondern auch in einer umfangreichen Analyse nachgewiesen haben, dass sie frei von Partikeln sind und keine erheblichen organischen Verunreinigungen auf der Oberfläche zeigen.

Wie die Implantate genau geprüft werden und wo man sich über die Ergebnisse informieren kann, erklärt Dr. Dirk Duddeck im Gespräch mit dem Dental Online Channel.

Dr. Dirk Duddeck im Telefoninterview:

Die ersten Untersuchungsergebnisse werden im Herbst im Newsletter und auf den Internetseiten des Projekts veröffentlicht.

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Stefanie Hanke ist Redakteurin und veröffentlicht regelmäßig Beiträge im Dental Online Channel.