Hintergrund

Wenngleich ein ausreichendes Knochenangebot für periimplantäre Gesundheit unabdingbar bleibt, gewinnen Quantität und Qualität des Weichgewebes für die periimplantäre Ästhetik, Funktion und Langzeitstabilität zunehmend an Bedeutung [1].

In der Literatur wird die Notwendigkeit einer adäquaten Breite an befestigter KM um das Implantat herum für dessen Langzeitprognose kontrovers diskutiert [2–6]. Neueste Übersichtsarbeiten deuten jedoch an, dass das Vorhandensein einer adäquaten Breite an KM mit dem Langzeiterfolg von Implantaten korreliert [1,7]. In einer Übersichtsarbeit von Lin et al. wird der Mangel an einer adäquaten Breite an KM um das Implantat mit mehr Plaqueakkumulation, Entzündung und Attachmentverlust in Verbindung gebracht [1]. Die Autoren Berglundh et al. spezifizieren die Faktoren, die im Zusammenhang mit einer Rezession um periimplantäre Mukosa stehen, als Fehlstellung des Implantats, Mangel an bukkaler Knochenlamelle,dünnes Weichgewebe und Mangel an KM [7].

Zur Verbreiterung der KM sind verschiedene chirurgische Techniken wie die Vestibulumplastik, der apikale Verschiebelappen und das FST vom seitlichen Gaumen in der Literatur beschrieben. Allerdings erfordert die Entnahme des FST einen Zweiteingriffs, wobei die Operationszeit verlängert wird, ein potenzielles Risiko für intra- und postoperative Nachblutungen an der Entnahmestelle entsteht und die Patientenmorbidität insgesamt steigt [8,9]. Um die beschriebenen Komplikationen und Nachteile der Transplantatentnahme zu umgehen, wird zunehmend der Ersatz von Transplantaten durch Kollagenmatrizes in Erwägung gezogen. Neben verschiedenen Ersatzmaterialien ist speziell für die Verbreiterung der KM die Kollagenmatrix Mucograft (Geistlich Biomaterials) indiziert. Der folgende Fallbericht beschreibt den Einsatz der Kollagenmatrix Mucograft als Ersatz des freien Schleimhauttransplantats zur Verbreiterung der KM mit Ergebnissen bis zu neun Monaten postoperativ.

Fallbericht

Der 59-jährige Patient war allgemeinanamnestisch gesund und Nichtraucher. Er zeigte eine gute häusliche Mundhygiene (Plaqueindex nach O‘Leary ≤ 20 Prozent) [10] und war parodontal gesund. Die klinisch-röntgenologische Untersuchung zeigte bereits inserierte und freigelegte Implantate (Xive S plus, Dentsply Implants) in Regio 13 und 14, mit denen eine festsitzende Anhängerbrücke von 13 bis 15 aus Zirkonoxid auf individuellen Abutments (Atlantis, Dentsply Sirona) geplant war. Es zeigte sich in Regio 13 und 14 bukkal der Implantate respektive der Gingivaformer ein Defizit an befestigter KM (Abb. 1 und 2), weswegen noch vor der prothetischen Versorgung zur Optimierung der periimplantären Weichgewebeverhältnisse geraten wurde.

Lesen Sie den vollständigen Artikel kostenlos als PDF-Datei (Erstveröffentlichung BDIZ EDI konkret, Ausgabe 1 2019, ab Seite 88): 

 

 

 

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Dr. Navid Jalilvand MSc
Hamburg