Blick hinter die Kulissen. Im Bild Dr. Christian Hammächer (links) und Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz.
Blick hinter die Kulissen. Im Bild Dr. Christian Hammächer (links) und Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz. © DGI

Der Vorstand der DGI blickt optimistisch auf das Jahr 2021. „Die DGI ist als größte wissenschaftliche Fachgesellschaft in der Implantologie für kommende Herausforderungen in allen Bereichen gut gewappnet und wird flexibel reagieren“, sagt DGI-Präsident Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz. Dies habe die Gesellschaft in Zeiten der Corona-Pandemie bereits unter Beweis gestellt.

Flexibilität – das sei im Corona-Jahr 2020 die zentrale Anforderung an alle gewesen, die in der und für die DGI arbeiten. Dass dies gelungen sei, habe nicht zuletzt das Online-Event der DGI am 1. Adventwochenende bewiesen, der traditionelle Termin des Treffens der DGI-Familie. Es fand 2020 ausschließlich virtuell statt, was zu Beginn des Jahres nicht vorhersehbar war. „Mit mehr als 1200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist dies eine erfolgreiche Veranstaltung gewesen“, freut sich der DGI-Fortbildungsreferent Dr. Christian Hammächer, der zusammen mit DGI-Präsident Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz die Präsidentschaft des Events übernommen hatte.

Besonders stolz ist der DGI-Vorstand, dass auch unter Corona-Bedingungen die Fortbildung nicht völlig zum Erliegen kam, sondern angepasst, wenn auch reduziert, weiterlief. So starteten 2020 acht Kursserien des DGI-APW-Curriculums Implantologie, das bislang rund 6000 Zahnärztinnen und Zahnärzte absolviert haben. „Wir haben im Rahmen des Curriculums sowohl Hybrid- als auch Online-Veranstaltungen angeboten“, sagt Dr. Hammächer. Es werde auch Lösungen für jene Module geben, die Hands-on zwingend erfordern. Kurz: „Man kann chirurgische Techniken nicht lernen, in dem man ausschließlich Videofilme ansieht“, sagt Dr. Hammächer.

Neues Qualifikationssystem

In der Planung befinde sich ein neues abgestuftes Qualifikationssystem für implantologisch Tätige. „Patientinnen und Patienten sollen sich informieren können, über welche theoretischen und vor allem praktischen Fähigkeiten und Erfahrungen ihr Zahnarzt oder ihre Zahnärztin auf dem Gebiet der Implantologie verfügt.“ Angefangen vom zertifizierten Implantologen, der das Curriculum absolviert hat, über den fortgeschrittenen Implantologen, der während einer Prüfung 25 Behandlungsfälle mit einem entsprechenden Schwierigkeitsgrad präsentieren muss, seit zwei Jahren implantologisch tätig ist, mindestens 100 Implantate gesetzt hat und sich regelmäßig fortbildet, bis hin zum zertifizierten Experten der DGI, dessen Anforderungsprofil dem Tätigkeitsschwerpunkt Implantologie entspricht.

2021 werde auch die Leitlinienarbeit der DGI fortgesetzt. Dazu sind zwei Konferenzen geplant. „Seit den Anfängen der Leitlinienarbeit 2010 hat die Gesellschaft entsprechend dem Regelwerk der AWMF neun Leitlinien vorgelegt“, resümiert Prof. Grötz. Die älteren wurden bereits aktualisiert. Weitere Leitlinien werden während der Aktualisierungs-Konferenz überprüft und bei Bedarf überarbeitet. Vier Leitlinien zu besonders aktuellen und relevanten Themen der Implantologie werden neu erstellt:

  • Keramikimplantate (S3)
  • Implantations- und Belastungszeitpunkte (S3)
  • Materialunverträglichkeiten (S3)
  • Platelet rich Fibrin (PRF) (S3)

Interdisziplinärer Implantologen-Tag 2021 in Wiesbaden

Dem DGI-Präsidenten liegt die enge Zusammenarbeit mit anderen (zahn-)medizinischen Fachgesellschaften besonders am Herzen. Dies ist ablesbar am Konzept eines Kongresses, der 2021 den Fokus des traditionellen Jahreskongresses der DGI am 1. Adventswochenende erweitern wird. Unter dem Titel Deutscher Implantologen-Tag fungieren als Gastgeber die DGI zusammen mit der DGOI und der Nachwuchsorganisation Nexte Generation der DGI.

Als wissenschaftliche Gastgesellschaften sind eingeladen die DG Paro, die DG Pro, die DGÄZ und als nicht-zahnmedizinische Gesellschaft die DGIM (DG Innere Medizin). Ebenfalls beteiligt ist die AO (Academy of Osseointegration). Traditionell spielen die jeweiligen Landesverbände der DGI eine besondere Rolle, 2021 der LV Hessen und der LV Rheinland-Pfalz.

DGI-Fortbildung 2021: „Wir fahren auf Sicht weiter, aber wir fahren.“

Für das Team der Fortbildung um Dr. Christian Hammächer (Aachen) und Dr. Norbert Grosse (Wiesbaden) war 2020 ein Jahr der Herausforderungen. Neben beliebten Dauerbrennern hatten die Macher der Fortbildung mit 18 Kursen im Jahr 2020 viele neue Themen und Referenten auf die Agenda gesetzt. Eine speziell zertifizierte neue Compact-Serie war dem Thema „Ästhetik in der Implantologie“ gewidmet, ein DGI-Special sollte relevante Themen des Fachs beleuchten. Hinzu kamen Angebote für die Zahntechnik und die Assistenz. „Und dann kam ein Virus und wirbelte binnen kurzer Zeit erst einmal alles gründlich durcheinander.“

Etliche Kurse wurden verschoben oder abgesagt, doch schnell schaltete das Team in den Innovationsmodus. Das Webseminar mit dem Dekan der School of Stomatology der Universität von Wuhan in China am 25. März hatte mehr als 9000 Teilnehmer. Trotz Lockdowns blieben angemeldete Teilnehmerinnen und Teilnehmer beispielsweise in der Kompakt-Serie Ästhetik bei der Stange. Nur das erste Modul im März musste auf den September verschoben werden. Im zweiten Modul nach der Sommerpause demonstrierte Prof. Dr. Michael Stimmelmayr im oberpfälzischen Cham, dass Fortbildung selbst mit Hands-on unter Pandemie-Bedingungen möglich ist. Auch die nachfolgenden Module gingen reibungslos über die Bühne, und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erteilten Referenten und Orga-Team Bestnoten in ihren Bewertungen.

Darum wird es 2021 eine Wiederholung dieser Serie geben. „Mit vier Modulen ist dieses Format eine Art Mini-Curriculum in einem Teilgebiet der Implantologie, das bei Kolleginnen und Kollegen sehr gut ankommt“, sagt Dr. Hammächer. „Man kann die eigenen Fachkenntnisse in einem Teilgebiet unseres Fachs mit einem überschaubaren zeitlichen Aufwand vertiefen.“

Ästhetik im Fokus

Dass sich der Fokus bei vielen implantologisch tätigen Zahnmedizinern in Richtung Ästhetik verschiebt, wundert Dr. Grosse nicht. „Viele Standards im Fach sind gesetzt und etabliert, aber eine Therapie in der ästhetischen Zone ist und bleibt eine große Herausforderung.“ Dr. Hammächer: „Man muss eine Vielzahl von Lösungsmöglichkeiten und Konzepten überblicken und kennen, um dann im Einzelfall einem Patienten oder einer Patientin das beste Konzept empfehlen zu können.“ Hinzukommen die Schnittstellen zu anderen Bereichen, etwa Parodontologie und Prothetik, die bei Implantatversorgungen im Frontzahnbereich eine besondere Rolle spielen. Nicht zuletzt erfordere eine Implantattherapie in diesem Bereich, so der Fortbildungsreferent, besondere Kenntnisse auf dem Gebiet des Weichgewebemanagements. Dr. Hammächer: „Darum war es uns wichtig, diese Serie zu entwickeln und den Teilnehmern die Möglichkeit zu geben, ihre Qualifikation durch ein Zertifikat auch den Patienten zu vermitteln.“

CAD/CAM kompakt

Aufgrund dieses erfolgreichen Starts findet sich darum 2021 eine weitere Kompakt-Serie im Programm. Das Thema: CAD/CAM. Dass es dazu eine Vielzahl von Fortbildungsangeboten gibt, schreckt das Team der Fortbildung nicht. In dieser Serie zieht sich ein roter Faden durch alle vier Module. Digitale Konzepte werden umfassend für alle Abschnitte der Behandlung und verschiedene Indikationen präsentiert – angefangen von den Grundlagen über die Themen „festsitzende Versorgungen im digitalen Workflow“, den „sinnvollen Einsatz digitaler Strategien bei der Versorgung des stark reduzierten Restgebisses und des zahnlosen Kiefers“ bis zur „Chairside-Erstellung verschraubter Einzelkronen auf Implantaten“. „Alle Inhalte werden so präsentiert, dass sie in der Praxis umsetzbar sind“, sagt Dr. Hammächer. „Unser Ziel ist es, dass die Teilnehmer der Serie Schritt für Schritt erfahren, wie sie den Weg in die digitale Zukunft sicher gehen und digitale Prozesse in ihre Praxis implementieren können.“

„Wir fahren auf Sicht weiter, aber wir fahren.“ Natürlich wird die DGI im kommenden Jahr auch ein- oder zweitägige Fortbildungskurse anbieten – und dabei die Rahmenbedingungen der Pandemie berücksichtigen, die mit dem Jahreswechsel nicht verschwinden. Angesagt ist also weiterhin ein „Fahren auf Sicht“. Nötig sind individuelle Konzepte und Entscheidungen für jeden Kurs, angepasst an die jeweiligen behördlichen Vorgaben sowie die fachlichen Erfordernisse. Dr. Hammächer: „Wir werden ganz individuell reagieren und das gesamte Spektrum der Möglichkeiten nutzen: Online, Hybrid, Präsenzkurs. Denn ein Shutdown der Fortbildung kann natürlich nicht die Lösung sein.“
Ebenso gelte es, immer wieder auch nach neuen Wegen zu suchen“, sagt der Fortbildungsreferent. „Wir überlegen uns beispielsweise, ob es möglich ist, auch praktische Übungen im Rahmen von Online-Kursen zu Hause zu integrieren.“ Entscheidend wichtig ist dabei vor allem auch das individuelle Engagement der Referenten, um interessante Konzepte und innovative Lösungen auf die Schiene zu setzen, hier sind sich die beiden Fortbildungsexperten absolut einig. Die Lernkurve wird weiterhin steil bleiben. „Aber entscheidend ist“, sagt Dr. Hammächer, „dass die Fortbildung der DGI läuft”.

DGI-Kommunikation 2021. Im Fokus: Nachwuchs und Patienten

Die DGI und ihre Nachwuchs-Organisation Nexte Generation wollen den Austausch mit dem zahnärztlichen Nachwuchs weiter intensivieren. Geplant sind auch leitlinienbasierte Informationen für Patientinnen und Patienten.

Die DGI hatte sich im Bereich ihrer Nachwuchsarbeit 2020 einiges vorgenommen. Doch alle Pläne wurden von der Corona-Pandemie geschreddert. Eine ganztägige Veranstaltung „Start-up in die Implantologie mit der DGI“ im Rahmen des Dental Sommers am Timmendorfer Strand wurde auf 2021 verschoben. Die Implant Wave in Düsseldorf wurde abgesagt. „Wir nehmen aber in diesem Jahr nochmal Anlauf, und hoffen, dass die Veranstaltung dann stattfinden kann“, erklärt DGI-Pressesprecherin Dr. Dr. Anette Strunz (Berlin).

Ebenso gilt es, im kommenden Jahr, die Zusammenarbeit mit den Fachschaften voranzubringen. Bei einem Treffen auf dem letzten DGI-Kongress Ende November 2019 in Hamburg hatten 16 Vertreterinnen und Vertreter von neun Fachschaften aus ganz Deutschland die Einladung der DGI zu einem Gespräch angenommen und mit Vorstandsmitgliedern der DGI sowie Mitgliedern des Komitee Nexte Generation der DGI diskutiert. Den bei diesem Treffen formulierten Wunsch der Fachschaftsvertreter hat die DGI bei ihrem Online-Event umgesetzt: Studierende haben kostenlosen Zugang zu der Veranstaltung und können darüber hinaus in den Pausen mit Mitgliedern der Nexte Generation im Studi-Zoom über das Gesehene und Gehörte sowie andere Themen diskutieren.

Nach einer kleinen Voruntersuchung soll in diesem Jahr eine größere Umfrage unter Studierenden auf den Weg gebracht werden. Die DGI möchte wissen, wie der Nachwuchs die derzeitige implantologischen Ausbildung an den Hochschulen beurteilt.

Auf der Agenda stehen für 2021 leitlinienbasierte Patienteninformationen, die auf der Website der DGI verfügbar sein werden und auch den Praxen und Kliniken zur Verfügung stehen. „Die DGI hat inzwischen eine Vielzahl von Leitlinien, aus denen sich für Patienten zielgruppengerecht aufbereitete Informationen ableiten lassen“, sagt Dr. Strunz.

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  • Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz (links, Foto: Knipping) und Dr. Christian Hammächer (Foto: Sascha Gast, Bilderrausch)

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  • Alle Details finden Sie unter ies2020.ivoclarvivadent.com

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