Ergreifender Moment während des Empfangs zum 25. Geburtstag der DGI am Donnerstagabend: DGI-Präsident Prof. Dr. Knut Grötz nimmt Dr. Sebastian Schmidinger fest in den Arm. Zuvor hatte Grötz Schmidinger die silberne Ehrennadel der DGI für 25-jährige Mitgliedschaft verliehen.
Ergreifender Moment während des Empfangs zum 25. Geburtstag der DGI am Donnerstagabend: DGI-Präsident Prof. Dr. Knut Grötz nimmt Dr. Sebastian Schmidinger fest in den Arm. Zuvor hatte Grötz Schmidinger die silberne Ehrennadel der DGI für 25-jährige Mitgliedschaft verliehen. © Andreas Berger

Von Andreas Berger

Aktualisiert am Montag um 15 Uhr. 1900 Teilnehmer aus 24 Ländern waren nach Hamburg zum DGI-Kongress 2019 gekommen. 25 Prozent davon waren Frauen, wie während einer Pressekonferenz mitgeteilt wurde. 128 Referenten aus elf Ländern sprachen auf den Bühnen der Hamburg Messe und Congress über Themen rund um die Implantologie. „Die Atmosphäre ist auf diesem Kongress wieder richtig gut“, sagte Prof. Dr. Knut Grötz, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI). Und das nicht nur, weil die DGI in diesem 25 Jahre alt geworden ist.

Video: Zahntechniker sollen in Implantologie näher an Zahnmedizin rücken

Hier lesen Sie:
Zusammenfassung der Vorträge, Teil 1
Zusammenfassung der Vorträge, Teil 2

Neue Leitlinie der DGI fast fertig: Weil Zahnärzte immer mehr Patienten auch implantologisch behandeln, die gesundheitliche Risikofaktoren tragen, muss weiter an den Leitlinien der DGI gearbeitet werden, sagte Prof. Dr. Knut Grötz, DGI-Präsident, am Rande des Kongresses in Hamburg. „Im Stadium der Finalisierung befindet sich eine Leitlinie ‚Implantate bei Immunsuppression und Immundefizienz‘.“ Seit drei Jahren gebe es außerdem Leitlinien der höchsten Qualitätsstufe S3 zu den Themen „Zahnimplantate bei Diabetes mellitus“ und „Zahnimplantate bei medikamentöser Behandlung mit Knochenantiresorptiva“. Zu denen gehören Medikamente mit der Bezeichnung Bisphosphonate, die bei Osteoporose und Krebserkrankungen gegeben werden.

Motto: Wettstreit der Konzepte

Warum arbeitet ein Zahnarzt nach einem bestimmten Konzept bei Diagnostik, Therapieplanung, Prothetik und weiteren Aufgaben? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Kongresses der DGI in Hamburg. Das Motto: „Wettstreit der Konzepte“. Der erste Block des wissenschaftlichen Programms handelte von der Planung implantologischer Behandlung. Hier lesen Sie eine Zusammenfassung der Diskussionen.

„Ein Krieg der Studien ist nicht das Ziel, sondern Argumente, Fakten und Informationen, warum eine Kollegin oder ein Kollege auf ein bestimmtes Konzept in der täglichen Praxis setzt.“ Das sagte Prof. Dr. Florian Beuer, Vizepräsident der DGI, und erläuterte damit den Leitspruch des DGI-Kongresses in Hamburg: Wettstreit der Konzepte. „Wir haben die Disputation zum dominanten Format gemacht. Im Zentrum standen unterschiedliche Konzepte und Lösungsmöglichkeiten von der Diagnostik und Therapieplanung bis zur Prothetik. Dies bedeutet Interaktionen und Diskussionen, die den Kongress lebendig und interessant machten. Es ging nicht um den schönsten Fall, sondern um die Begründung für ein Konzept, die Wissenschaft und Praxis verknüpft.“

Dementsprechend organisiert war das wissenschaftliche Programm Freitag und Samstag auf der Hauptbühne in der Messe Hamburg. Es war aufgeteilt in sieben Blöcke mit den Themen: Planung, Implantationszeitpunkt, Implantatmaterialien, „Allex fix?“, „Einfach oder kompliziert“, Augmentation und Periimplantitis. Die Referenten präsentierten ihr Konzept der Behandlung und beschrieben, warum sie sich für bestimmte Vorgehensweisen entschieden haben – und damit anders arbeiten, als der Referent, der zum gleichen Thema zuvor auf der Bühne stand oder danach noch mit seinem Vortrag startete.

Dieses Konzept sei aufgegangen, sagte Präsident Prof. Dr. Grötz am Samstag. Den Besuchern wurde keine Auseinandersetzung zwischen zwei Referenten dargeboten, „die vom Publikum feixend verfolgt wird“. Stattdessen wurden den Teilnehmern verschiedene Arbeitsweisen vorgestellt. Und das sei eigentlich nichts anderes, was für einen Behandler in der Praxis Alltag sein sollte: Er müsse seinen Patienten unterschiedliche Therapiemöglichkeiten anbieten können.

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Dennoch sei eine Diskussion über Vorgehensweisen und deren Vergleich untereinander wichtig: „Ständig kommen neue Techniken auf den Markt, neue Materialien, neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Die eigentlich spannende Aufgabe und Herausforderung für jeden der Kolleginnen und Kollegen ist es, diese Erkenntnisse in ein praxistaugliches Konzept zu gießen. Und insofern wollen wir kontrovers verschiedene Konzepte auf unserem Kongress diskutieren“, sagt Florian Beuer in einem Video der DGI.

Aus den Workshops: Keramik nach 7,5 Jahren:

„Tolle Ergebnisse“ mit Keramikimplantaten gibt es nach einer 7,5-jährigen Studie. Prof. Dr. Ronald Jung, Zürich, hat uns während des DGI-Kongresses in Hamburg ein kurzes Statement gegeben.

Gepostet von Dental Online Channel am Donnerstag, 28. November 2019

Eine Mischung aus Wissenschaft, Praxis, Diskussion und Hands-on zog sich durch die Tagung. Konzepte, die in den Sitzungen diskutiert wurden, konnten die Teilnehmer im neuen Format des „Implant Village“ erleben und teilweise direkt erproben – und sich ihre Meinung bilden. Das aktuelle Thema Sofortimplantation im ästhetischen Bereich wurde mit einer Live-OP aufgegriffen.

Zum ersten mal präsentierte die DGI während eines Kongresses eine Live-OP: am Samstag von 12.15 bis 13.15 Uhr. Thema war eine Sofortimplantation mit Augmentation in der ästhetischen Zone bei kompromittierter Alveole. Dr. Puria Parvini operierte in der Klinik für Mund-, Kiefer-, Plastische Gesichtschirurgie der Goethe-Universität Frankfurt/Main. Hier geht es zum Livevideo auf Youtube.

Fotos: So war der DGI-Kongress 2019 in Hamburg

Altersstruktur und Frauenanteil

„Die DGI hat kein Nachwuchsproblem“, sagte Präsident Prof. Dr. Knut Grötz am Samstagvormittag. Die meisten der Neumitglieder seien zwischen 25 und 35 Jahre alt. Der Anteil an Frauen und Männern sei recht ausgewogen. Dennoch sei klar, dass auch in der DGI immer noch zu wenige Frauen in gehobenen Positionen seien, sagte Prof. Dr. Bilal Al-Nawas, Mainz, Mitglied des DGI-Vorstandes. Und auch unter den Referenten seien Männer noch in der Überzahl. Unter den „Altgedienten“, wie es Prof. Dr. Grötz formulierte, seien nur Männer. Und je jünger die Referenten seien, desto mehr steige der Frauenanteil. Ein Thema, an dem die DGI weiter arbeiten müsse, sagte Prof. Dr. Al-Nawas.

Aber nicht nur die DGI. Auch so manche Fortbildungseinrichtung, die zur Station von Medizin- und Zahnmedizinstudenten gehört, müsse dringend etwas tun, erzählte eine 25-jährige Zahnärztin während des Pressefrühstücks. Beispielsweise gebe es keine getrennten Umkleidekabinen für Frauen und Männer.

Implant-Expo

Parallel zum DGI Kongress am Freitag und Samstag bauten fast 100 Aussteller ihre Stände für die Implant-Expo 2019 auf, in direkter räumlicher Nachbarschaft zum Kongress: Halle A4, Messeplatz 1, 20357 Hamburg. Sie richtete sich an Zahnärzte und Zahntechniker, die sich für Implantologie interessieren, für Implantate und alle damit zusammenhängenden Disziplinen von Prophylaxe über chirurgische Instrumente und Therapiehilfsmittel bis zu prothetischen Produkten wie Keramik für Zahnkronen.

Fotos: So war der DGI-Kongress 2019 in Hamburg

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