© Straumann

Was genau ist heute unter durchmesserreduzierten Implantaten zu verstehen?

Walter: Alle Implantate mit einem Durchmesser von weniger als 3,5 mm. Diese werden abgegrenzt gegenüber den Standardbreiten, die sich zwischen 3,75 und 4,5 mm bewegen. Es bietet sich eine Einteilung in drei Gruppen an:

  • Gruppe 1: Zweiteilige Implantate mit 3,3 bis 3,5 mm Durchmesser
  • Gruppe 2: Zweiteilige Implantate mit 3,0 bis 3,25 mm Durchmesser
  • Gruppe 3: Einteilige und inzwischen auch zweiteilige Implantate mit weniger als 3 mm Durchmesser. Dabei handelt es sich meist um einteilige Implantate, sogenannte Miniimplantate. Es gibt aber auch zweiteilige Implantate mit einem Durchmesser < 3 mm.

Wegener: Mit der Einteilung von Professor Walter gehe ich konform, aber bei zu den wirklich durchmesserreduzierten Implantaten im Praxisalltag zählen meiner Ansicht nach nur die neuen zweiteiligen Implantate, die einen deutlich geringen Durchmesser haben als die seit Jahren etablierten.

Fallbericht zur Implantation eines 2,9-mm-Implantates

 

Die neuen Schmalen

Schmale, zweiteilige Implantate eignen sich besonders bei extrem schmalen Knochenkämmen und Interdentalräumen im Frontzahnbereich, vor allem für die oberen seitlichen und unteren seitlichen Schneidezähne. Im Fallbeispiel ist der Einsatz eines 2,9-mm-BLT-Implantates im oberen Frontzahnbereich dokumentiert.
 
 

Ein zweiteiliges Implantat mit weniger als 3 mm Durchmesser von einem Premiumhersteller ließ allerdings relativ lange auf sich warten …

Wegener: Und das zu Recht! Straumann hat beispielsweise wegen des Frakturrisikos besonders im Bereich der Implantatschulter lange gezögert, ein Implantat < 3,3 mm in den Markt einzuführen. Mit neuen Werkstoffen und Oberflächenbeschichtungen sowie korrekter Indikationsstellung sind die Frakturrisiken „vom Tisch“.

Ist das so, Herr Ukelo?

Ukelo: Ja, dank der neuen, hochfesten Materialien sind auch zweiteilige Lösungen in diesen Dimensionen am Markt erhältlich. „Unser“ neues Implantat BLT (Bone Level Tapered) 2,9 mm SC zeichnet sich durch besonders gute mechanische und biokompatible Eigenschaften aus. Es verfügt über eine hohe Primärstabilität und erweiterte Behandlungsoptionen und somit eine große Versorgungsflexibilität.

Darf es auch ein noch geringerer Durchmesser bei Zweiteiligen sein, oder ist bei 2,9 mm die Grenze erreicht?

Wegener: Aus technischer Sicht kann ich das nicht beurteilen. Aus klinischer Sicht halte ich aber eine weitere Durchmesserreduzierung ohnehin für unnötig. Schmale Zweiteilige sollen in engen Lücken schließlich dem vollwertigen Einzelzahnersatz dienen. Entsprechend definiert sich der Bedarf. Ein 3,3-mm-Implantat ist dafür in bestimmten Indikationen schlicht zu breit, das 2,9er passt dagegen perfekt. Kleinere Durchmesser braucht es meiner Meinung für vollwertige Einzelzahnversorgungen nicht.

Walter: Mit Blick auf die Klinik schließe ich mich an. Zur Technik möchte ich anmerken, dass bei durchmesserreduzierten zweiteiligen Implantatsystemen Ermüdungsbrüche bei Überschreiten der Belastbarkeit der Materialien durchaus ein Problem darstellen können. Die Implantatwände im Bereich der Ankopplung an die Sekundärelemente sind bei durchmesserreduzierten zweiteiligen Systemen sehr schlank und können nachgeben.

Faoro: Da stößt man einfach rasch an mechanische Grenzen, die bei der Entwicklung berücksichtigt werden müssen.

Was hilft?

Faoro: Vor allem die richtige Legierung und Oberflächenbeschichtung kombiniert mit einer umfassenden Produktentwicklung mit Finite Element Simulation. Weiter werden die Produkte intensiv im Labor getestet bevor sie klinisch eingesetzt werden. So lässt sich das Risiko einer Überbeanspruchung minimieren.

Zurück zu den Hauptindikationen. Zweiteilige mit Durchmessern unter 3 mm braucht es für schmale Zahnlücken. Was kann das 3,3-mm-Durchmesser-Implantat nicht mehr leisten?

Ukelo: Die 2,9er sind indiziert für den Ersatz der Schneidezähne im Unterkiefer oder der lateralen Schneidezähne im Oberkiefer, wenn sich ein 3,3er aus anatomischen Gründen nicht inserieren lässt. Sie eignen sich besonders bei extrem schmalen Knochenkämmen, bei denen aus klinischen Gründen nicht augmentiert werden soll.

Walter: Typische Indikationen sowohl für 3,3-mm-Durchmesser- als auch 2,9-mm-Durchmesser-Implantate sind die seitlichen Schneidezähne des Ober- und die Inzisiven des Unterkiefers sowie bei jüngeren Patienten Nichtanlagen oder auch Unfälle mit Zahnverlust. Bei Knochendefekten dienen sie der Augmenta‧tionsvermeidung, etwa bei Risikopatienten.

1
2
3
4
5
6
7

Artikelempfehlungen

  • Orofiziale Ausrichtung BLT Implantat

    Straumann Bone Level Implantat

    E-Tutorial: Bone Level Tapered Implantate

    Wann ist ein Bone Level Tapered Implantat die richtige Wahl? Wie sieht die optimale Weichgewebskonditionierung aus? Und was müssen Sie sonst noch beim Setzen von BLT-Implantaten beachten? Das alles lernen Sie in unserem spannenden E-Tutorial zu BLT-Implantaten.

  • OP-Video Einzelzahnimplantat

    Versorgung mit durchmesserreduziertem BLT-Implantat Ø 2,9 mm

    Dr. Stefan Hicklin und Prof. Irena Sailer (Universität Genf) zeigen in diesem OP-Video die Versorgung einer schmalen Einzelzahnlücke im Frontzahnbereich des Unterkiefers mit einem durchmesserreduzierten Bone Level Tapered Implantat (Ø 2,9 mm).

Teilen:
mm
Redakteurin Medizin Zahnmedizin im Deutschen Ärzteverlag, Schwerpunkte: Implantologie, Parodontologie, Endodontologie, digitale Zahnheilkunde.