Prof. Dr. Stefan Holst
Vice President Implantatsysteme und Forschung, Nobel Biocare

 

 

Dr. Sandro Matter
ehemals CEO Dentalpoint SG, jetzt Vice President Multi-Brand Strategy, Nobel Biocare

 

 

Sehen Sie hier die Bildergalerie zum Interview:

Nobel Biocare bringt neues Zweiteiliges auf den Markt

 

Keramikimplantate gefragt wie nie

Zweiteilige Keramikimplantate sind begehrter als je zuvor. Die Forschungen rund um das Thema laufen mit Hochdruck. Der Fokus lag stets auf der richtigen Innenverbindung. Nobel Biocare bringt Anfang 2018 ein neues Zweiteiliges auf den Markt, welches diesen Wünschen nun endlich entsprechen könnte. In unserer Bildergalerie zeigen wir mehr.
 
 

Prof. Holst, Dr. Matter, die erste Generation der zweiteiligen Zirkondioxidimplantate besaß eine verklebte Innenverbindung, die je nach Typ rein verklebt oder rotationsgesichert verklebt wurde. Was waren die Nachteile?

Holst: Die fehlende Reversibilität der prothetischen Komponenten und vor allem das Verkleben im Mund. Da besteht in entsprechenden Systemen das größte Fehlerpotenzial und Risiko für einen langfristigen klinischen Erfolg. Eine rein verschraubte Lösung ist für uns deshalb ein Muss.

Wie hat Dentalpoint das Problem gelöst?

Holst: Mit einem keramikgerechten Design zwischen Implantat und Abutment in Verbindung mit einer in der Industrie einzigartigen Karbonschraube und einem innovativen Herstellungsverfahren. Uns hat das überzeugt.

Matter: Die entscheidende Weiterentwicklung ist die passgenaue Innenverbindung, die in Kombination mit der karbonfaserverstärkten Schraube entsteht. Diese verschraubte Keramik-Keramik-Verbindung erreicht hohe Ermüdungsfestigkeitswerte, ist rotationsgesichert und durch das neue „Bolt-in-Tube“-Konzept quasi spannungsfrei. Ein korrekter, dauerhafter Sitz des verschraubten Abutments soll den Behandlungserfolg langfristig positiv beeinflussen. Das zweiteilige Keramik‧implantat gibt den Behandlern somit die Möglichkeit, ihre Patienten komplett metallfrei zu versorgen und dabei genauso vorzugehen, wie sie es von zweiteiligen Titanimplantaten gewöhnt sind. Und im Vergleich zu den zur Verfügung stehenden einteiligen oder zementierten Keramikimplantatlösungen bietet das neue Implantat eine höhere Flexibilität bei der Restauration.

Warum setzt Nobel Biocare nicht auf Spritzgusstechnik? Damit lässt sich eine sehr homogene und hochstabile Gerüststruktur der Zirkondioxidkeramik erzielen. Es bedarf keiner nachträglichen abrasiven Bearbeitung.

Holst: Es gibt derzeit sicher eine ganze Reihe Versuche, Keramikimplantate auf der Basis von Spritzgusstechnik herzustellen. Der Teufel steckt jedoch im Detail, und es bestehen nach wie vor Risiken. Vor allem weil die Toleranzen nach dem finalen Sinterprozess sehr schwierig zu kontrollieren sind. Unter finanziellen Aspekten in der Herstellung ist ein Spritzguss sicherlich interessant – nur sollte dies niemals die langfristige Sicherheit des Produkts riskieren.

Woraus wird Ihr zweiteiliges Keramikimplantat gefertigt?

Matter: Das ZERAMEX XT Implantat wird aus harten und gehippten Zirkondioxid-ATZ-Rohlingen mit einer neuen Bearbeitungstechnik hergestellt. Nach der finalen Formgebung der Implantataußen- und -innengeometrie findet kein thermischer Prozess (Sintern) oder eine Nachbearbeitung statt. So wird sichergestellt, dass eine hohe Präzision mit engen Toleranzen erreicht wird und es zu keiner weiteren Veränderung im Materialgefüge kommen kann. Dieses Fertigungsverfahren wurde neu entwickelt und setzt viel Erfahrung und Know-how voraus.

Ist das nicht deutlich teurer?

Holst: Nein, für Keramikimplantate nicht, im Gegenteil. Allerdings ist es immer noch deutlich teurer als die Herstellung eines Titanimplantats. Die neuen Keramikimplantate werden zu einem attraktiven Preis vertrieben werden.

Hat Sie vor allem der Preis überzeugt?

Holst: Der Preis und die Qualität. Wir haben nicht nur das ZERAMEX XT genauestens unter die Lupe genommen – da waren wir auch bei der Entwicklung dabei –, sondern bereits die erste Generation der Dentalpoint-Keramikimplantate validiert. Besonders gut gefällt uns die hundertprozentige Qualitätskontrolle durch Dentalpoint. Jedes einzelne Implantat wird röntgentechnisch auf potenzielle Fehler kontrolliert. Uns war sehr schnell klar, dass diese neue Generation der Zweiteiligen wirklich revolutionär ist: zweiteilig, verschraubt und komplett metallfrei, keine klinischen Limitierungen, wie sie bei einteiligen Implantatlösungen gegeben sind. Wir haben den exklusiven globalen Vertrieb dafür.

Das ZERAMEX XT wurde bereits auf der IDS präsentiert und sollte bereits Mitte des Jahres auf den Markt kommen …

Holst: Richtig, die ersten Auslieferungen haben im August begonnen. Die Markteinführung unter der Marke Nobel Biocare startet in der ersten Hälfte 2018.

Welche Studien belegen den Erfolg? Welche Studien sind geplant?

Holst: Das Tolle am Zeramex XT ist, dass das eigentliche Implantat als Zeramex T seit sieben Jahren (2010) im Markt ist und seit fünf Jahren (2012) über die optimierte gestrahlte und geätzte Zerafil-Oberfläche verfügt und sehr gute klinische Daten zeigt. Die Verbindung mit der innovativen Keramikschraube im Zeramex P/P6 hat nun bereits drei Jahre klinische Erfahrung und das Zeramex P6 wurde 2016 durch die amerikanische FDA zugelassen. Das Zeramex XT kombiniert nun diese bereits jahrelange Erfahrung mit den Technologien. Klinische Studien sind in Planung.

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mm
Redakteurin Medizin Zahnmedizin im Deutschen Ärzteverlag, Schwerpunkte: Implantologie, Parodontologie, Endodontologie, digitale Zahnheilkunde.